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Zwei Generationen, eine Haltung

Was bewegt junge Erwachsene von heute? Unterscheiden sie sich in puncto Karrierewunsch und Lebenszufriedenheit wirklich elementar von früheren Generationen? Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, dass die Jugend von heute gar nicht so anders ist als die Jugend vor 20 oder 30 Jahren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, dass die Jugend von heute gar nicht so anders ist als die Jugend vor 20 oder 30 Jahren.
  • Die allgemeine Lebenszufriedenheit sowie die Zufriedenheit mit der Arbeit fallen fast identisch aus, lediglich mit ihrer Freizeit ist die Generation Y etwas unzufriedener als die Generation X.
  • Die Ergebnisse der IW-Studie zeigen, dass es keinen Grund für eine rein generationenorientierte Personalpolitikgibt.
Zur detaillierten Fassung

Die Generation Y verlangt Arbeitgebern offensichtlich einiges ab: Die 18- bis 32-Jährigen von heute wollen nicht beruflich durchstarten, sondern vor allem einen sicheren Job, der es ihnen ermöglicht, Familie und Beruf zu vereinbaren. Und natürlich ein ordentliches Gehalt. Die Unternehmensberatung Ernst & Young stellte vor kurzem in einer Befragung von 4.300 Studenten sogar fest, dass ein großer Teil von ihnen (30 Prozent) eine Stelle im öffentlichen Dienst bevorzugen würde. Als Berater will aber nur jeder sechste Student arbeiten.

Das Kölner Marktforschungsins­titut rheingold findet die jungen Leute von heute gar so spießig, dass sie ihnen das Etikett „Generation Biedermeier“ verpasst hat.

Aber ist die Generation Y wirklich so freizeit- und sicherheitsfixiert? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat die Lebenseinstellungen und Arbeitsverhältnisse der Generation Y (also die Jahrgänge 1980 bis 1995) mit denen der Generation X (das sind die Jahrgänge 1965 bis 1979) für die Jahre, in denen beide Generationen zwischen 18 und 32 Jahre alt waren, verglichen und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis:

Die Generation Y unterscheidet sich nicht substanziell von der Vorgängergeneration X.

Tatsächlich gibt es zwischen beiden Gruppen kaum Unterschiede, wenn man sie nach ihren Befindlichkeiten befragt: Die allgemeine Lebenszufriedenheit sowie die Zufriedenheit mit der Arbeit fallen fast identisch aus, lediglich mit ihrer Freizeit ist die Generation Y etwas unzufriedener als die Generation X (Grafik). Ob dies an höheren Ansprüchen oder an einem veränderten Freizeitverhalten liegt, lässt sich anhand der Daten allerdings nicht feststellen. Ein Blick auf die Ergebnisse der IW-Analyse im Detail:

  1. In puncto Arbeitszeit unterscheiden sich beide Generationen nur unwesentlich (Grafik). Zwar verbrachten die Vertreter der Generation X mit rund 40 Wochenstunden damals rund eine Stunde mehr im Job als die der Generation Y heute, doch dieser Unterschied lässt sich vor allem dadurch erklären, dass in der Generation Y deutlich mehr Personen Teilzeit arbeiten als in der Vorgängergeneration.
  1. Auch bei der Betriebszugehörigkeit gibt es keine bedeutenden Unterschiede: Beide Generationen bleiben bzw. blieben im Schnitt rund drei Jahre bei einem Arbeitgeber, die Y-ler haben statistisch betrachtet allerdings eine um zwei Monate kürzere Betriebszugehörigkeitsdauer. Die Generation Y ist also etwas mobiler als die Vorgängergruppe.
  1. Beide Gruppen haben ein ähnliches Sicherheitsbedürfnis: Sowohl knapp die Hälfte der Generation Y als auch knapp die Hälfte der Generation X treibt oder trieb die Sorge um, ob ihr Arbeitsplatz auch auf Dauer sicher ist.
  1. Ein Generationenunterschied ist lediglich bei der Beurteilung der Freizeit zu beobachten: Die Generation Y ist mit ihrer Work-Life-Balance im Durchschnitt unzufriedener als die Generation X. Warum das so ist, darüber gibt die Datenauswertung keine Auskunft.

Ein Grund für die größere Unzufriedenheit der Generation Y mit ihrer Freizeit könnte jedoch darin liegen, dass die jungen Leute heute – anders als vor 30 Jahren – größere Schwierigkeiten haben, in ihrer freien Zeit tatsächlich ungestört zu bleiben: Heutzutage ist es viel häufiger Usus, auch am Wochenende geschäftliche E-Mails zu beantworten oder am Feierabend noch mal mit dem Chef zu telefonieren. Als die Generation X jung war, verlief die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit noch viel strikter, was möglicherweise zu höheren Zufriedenheitswerten mit der Freizeit beitrug.

Abgesehen von dieser einen geringfügigen Abweichung lässt sich jedoch festhalten, dass die Y-ler den X-lern gar nicht so unähnlich sind. Wenn sich die jungen Leute von heute aber gar nicht so sehr von den jungen Leuten früherer Generationen unterscheiden, was bedeutet das dann für die Unternehmen? Zunächst einmal Entwarnung:

Die Ergebnisse der IW-Studie zeigen, dass es keinen Grund für eine rein generationenorientierte Personalpolitik gibt.

Viel sinnvoller ist es, wenn Betriebe auf allgemeine Entwicklungen reagieren – etwa auf die weiter wachsende Beteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt oder den Trend zu höheren Bildungsabschlüssen. Denn dies sind letztlich auch die Ursachen für die Generationenunterschiede – und nicht eine per se veränderte Einstellung zum Arbeitsleben.

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