Zuwanderung über die Hochschulen stärkt MINT-Arbeitsmarkt
In Deutschland fehlen weiterhin Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Eine gute Möglichkeit, diese Lücke zu verkleinern, bietet die Zuwanderung über die Hochschule. Denn wer aus Drittstaaten nach Deutschland kommt, um ein MINT-Fach zu studieren, bleibt häufig dauerhaft zum Leben und Arbeiten hier.
- Für qualifizierte Zuwanderung in den MINT-Berufen ist der Weg über ein Studium in der Bundesrepublik erfolgversprechend, denn viele ausländische Studierende bleiben anschließend dauerhaft.
- In MINT-Fächern ist der Anteil von Studierenden aus Drittstaaten besonders hoch. Mit unterstützenden Maßnahmen sollte die Zuwanderung über die Hochschule in diesen Bereichen daher verstärkt werden.
- Im Inland gibt es immer noch viel Potenzial für mehr Frauen in MINT-Berufen. Junge Frauen für eine Ausbildung oder ein Studium zu gewinnen, bleibt eine wichtige Aufgabe.
Die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands wirkt sich zunehmend auf den hiesigen Arbeitsmarkt aus. Die Unternehmen mussten schon Zehntausende Stellen streichen. Dennoch fehlen in vielen Branchen und Berufsbildern Fachkräfte. So auch in den sogenannten MINT-Berufen, also Jobs mit einem Schwerpunkt in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
Im Oktober 2025 waren bundesweit insgesamt mehr als 367.600 MINT-Stellen vakant.
Gleichzeitig waren bundesweit 253.885 Personen arbeitslos gemeldet, die gerne einem MINT-Beruf nachgehen würden. Berücksichtigt man die qualifikatorischen Mismatches – nicht jeder Arbeitslose passt auf jede offene Stelle – fehlen in Deutschland derzeit 148.500 MINT-Arbeitskräfte.
Die MINT-Fächer bieten sich an, um die weitere Zuwanderung aus einwohnerstarken Ländern außerhalb der EU über ein Studium in Deutschland zu fördern.
Um die MINT-Lücke zu verkleinern, ist Deutschland auf qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen, die sich in der Bundesrepublik niederlassen wollen. Wie eine neue Auswertung des IW zeigt, ist dabei der Weg über ein Studium in der Bundesrepublik besonders erfolgversprechend, denn viele ausländische Studierende bleiben anschließend dauerhaft (Grafik):
In Deutschland lebten im Jahr 2022 gut 153.000 MINT-Akademiker, die einst zum Studieren hergekommen sind.
Die für den Arbeitsmarkt entscheidende Zahl: 128.000 von ihnen gehen einer Erwerbstätigkeit nach und erwirtschaften pro Jahr einen Beitrag zur Wertschöpfung von 14,6 Milliarden Euro. Im Alter von 25 bis 64 Jahren sind 121.000 von 134.700 beschäftigt, dies entspricht einer Erwerbstätigenquote von rund 90 Prozent.
Die Quote ist damit besser als bei den Menschen, die mit einem MINT-Abschluss eingewandert sind, von denen 77 Prozent der 25- bis 64-Jährigen erwerbstätig sind. Ein Grund für den Unterschied könnte darin liegen, dass gerade kleinere Unternehmen den Abschluss einer deutschen Hochschule besser einschätzen können. Auch sind die Deutschkenntnisse von Absolventen, die in der Bundesrepblik studiert haben, im Schnitt besser.
Sinnvolle Maßnahmen für mehr Zuwanderung
Von den ehemaligen MINT-Studenten, die inzwischen hier leben, stammen nur 22 Prozent aus den europäischen Mitgliedsstaaten oder Ländern mit vergleichbarem Status. 78 Prozent kommen aus teils bevölkerungsstarken Drittstaaten. In anderen Studienfächern und bei den Zuwanderern mit MINT-Abschluss ist ihr Anteil deutlich niedriger. Somit bieten sich die MINT-Fächer an, um die weitere Zuwanderung aus einwohnerstarken Ländern außerhalb der EU zu fördern.
Diese Maßnahmen sind sinnvoll, um den Erfolg der Zuwanderung über die Hochschule zu verstetigen oder sogar auszubauen:
Informieren. Umfassende und verlässliche Informationen über Ausbildung und Arbeitsleben in Deutschland sind unerlässlich, damit Interessierte sich für Deutschland entscheiden. Das Portal „Make it in Germany“ der Bundesregierung bündelt diese Informationen.
Sprachkurse. Viele Masterstudiengänge, die internationale Studenten belegen, sind englischsprachig. Allerdings sind für eine gute Integration und das spätere Arbeitsleben Deutschkenntnisse sehr wichtig. Entsprechende Angebote hierzulande zu bewerben und auszubauen, sind daher hilfreiche Schritte.
Berufseinstieg. Den Übergang vom Studium in den Arbeitsmarkt kann der Career Service einer Universität erleichtern. Zwar kennt gut die Hälfte der internationalen Studenten entsprechende Angebote, aber nur jeder siebte nutzt sie auch. An der niedrigen Quote gilt es zu arbeiten.
Frauen für MINT-Berufe gewinnen
Neben dem Anwerben im Ausland lohnt sich auch ein Blick auf die Potenziale im Inland, um die MINT-Fachkräftelücke vom Facharbeiter bis hin zum Akademiker zu verringern. Vor allem Frauen sind in den entsprechenden Berufsfeldern immer noch unterrepräsentiert. Immerhin gab es in den vergangenen Jahren einen Aufwärtstrend (Grafik):
Ende 2012 lag die Frauenquote in MINT-Berufen unter 14 Prozent. Aktuell sind es 16,5 Prozent.
In absoluten Zahlen ist dies ein Anstieg von 875.100 im Jahr 2012 auf 1.178.800 Frauen im MINT-Bereich.
Ungeachtet dessen bleibt die Aufgabe dieselbe: junge Frauen für eine Ausbildung oder ein Studium in einem MINT-Beruf zu gewinnen.
Daher gilt es zunächst, Geschlechterklischees im MINT-Unterricht in der Schule sowie im Hinblick auf die Berufs- und Studienwahl abzubauen. Gleichzeitig sollten den Schülerinnen die Vorteile einer Karriere in dieser Sparte verdeutlicht werden. So sind MINT-Berufe besonders innovativ, befassen sich häufig mit Zukunfts- und Gesellschaftsthemen wie dem Klimaschutz und bieten darüber hinaus vergleichsweise hohe Gehälter.
Wichtig ist zudem ein intensiver Austausch mit Menschen, die einen MINT-Beruf ausüben und aus der Praxis berichten können, etwa im Rahmen von Veranstaltungen oder Unterrichtsbesuchen. So können beispielsweise weibliche Role Models den Schülerinnen wichtige Tipps geben und sie für eine MINT-Karriere begeistern.
Des Weiteren ist die Rolle der Eltern bei der Berufswahl der Kinder nicht zu unterschätzen. Hier gilt es ebenso, daran zu arbeiten, Klischees abzubauen und dafür zu sorgen, dass die Eltern vorurteilsfrei an der Seite ihrer Töchter bei der Wahl des Berufswegs stehen.