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Zurückhaltung zahlt sich aus

Unter den zehn weltweit solidesten Banken sind gleich vier kanadische. Deutsche Institute schafften es hingegen nicht einmal unter die besten 20 – so eine aktuelle Erhebung der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Kernaussagen in Kürze:
  • Unter den zehn weltweit solidesten Banken sind gleich vier kanadische.
  • Subprime-Kredite, also Kredite an Schuldner mit geringer Bonität, machten in Kanada vor der Finanzkrise 2007/2008 nur 3 Prozent aller Hypotheken aus – in den USA waren es fünfmal so viel.
  • Durchschnittlich stieg die Kernkapitalquote aller deutschen Banken von 8,3 Prozent im Jahr 2008 auf 13,1 Prozent im Jahr 2011.
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Die Ratingagentur Moody‘s sieht dunkle Wolken über Deutschland aufziehen: Erst stellte sie die Top-Bonität der Bundesrepublik infrage, dann wertete sie einzelne Bundesländer ab, und schließlich senkte sie den Ausblick für 17 deutsche Banken. Zwar teilen die Geldhäuser vieler anderer Länder das gleiche Schicksal, doch wie das Bloomberg-Ranking zeigt, gibt es auch solide Finanzinstitute – viele davon in Kanada (Grafik).

Die Top-Platzierung der Kana­dier überrascht bei genauer Analyse genauso wenig wie die Tatsache, dass von jenen zehn Banken, die nach ihrer Bilanzsumme die größten der Welt sind, nur eine einzige – die Royal Bank of Canada – zu den zehn solidesten gehört (Grafik). Denn schon 1999 verlangte die kanadische Bankenaufsicht von heimischen Kreditgebern eine Kernkapitalquote von 10 statt 8 Prozent. Bis heute gibt es weltweit keine vergleichbaren Vorschriften. Erst 2019 soll es eine Kernkapitalquote von 10,5 Prozent für alle Finanzinstitute geben.

Die risikoscheue Ausrichtung der kanadischen Finanzwelt erwies sich als Trumpf in der Krise – gerade im Vergleich zum Nachbarland USA. Dort wurden Kredite an wenig kreditwürdige Hauskäufer vergeben, oft dann noch verbrieft und weiterverkauft. Die kanadischen Banken hielten dagegen zwei Drittel der Hypotheken in den eigenen Büchern – weshalb sie die Schuldner gründlich überprüften:

Subprime-Kredite, also Kredite an Schuldner mit geringer Bonität, machten in Kanada vor der Finanzkrise 2007/2008 nur 3 Prozent aller Hypotheken aus – in den USA waren es fünfmal so viel.

Die Konsequenz: Kanadische Banken fuhren selbst auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 Gewinne ein und brauchten keine Staatshilfe. Mehr noch: Sie sind auf Einkaufstour gegangen und haben seit 2008 über 100 Banken aufgekauft.

Finanzinstitute wie die Citigroup in den USA oder die deutsche Commerzbank versuchen momentan krampfhaft, die neuen Vorgaben zur Eigenkapitalausstattung zu erreichen. Allerdings bauen sie dafür nicht mehr Eigenkapital auf, sondern verkaufen Vermögensgegenstände. So will die Commerzbank ihre Bilanzsumme von 662 Milliarden Euro im Jahr 2011 auf 600 Milliarden Euro in 2014 verringern. Insgesamt haben deutsche Banken und die hiesigen Regulierer aber aus der Krise gelernt:

Durchschnittlich stieg die Kernkapitalquote aller deutschen Banken von 8,3 Prozent im Jahr 2008 auf 13,1 Prozent im Jahr 2011.

Das wird jedoch nicht genügen, um das Vertrauen der Kunden und Aktionäre zurückzugewinnen. Das unterstreichen die konträren Verläufe der Aktienkurse der kanadischen und europäischen Banken: Die acht börsennotierten Institute Kanadas erzielten seit 2008 ein Kurs­plus von knapp 5 Prozent, der Stoxx 600 Banks Index der euro­päischen Banken fiel um 70 Prozent.

Ganz ohne Makel ist die kanadische Bankenwelt dennoch nicht. Denn die Verschuldung der kanadischen Bürger nimmt zu und es gibt Indizien für eine Immobilienblase:

Seit 2009 sind die Preise für Büros, Häuser und Wohnungen in Kanada um 37 Prozent gestiegen.

Nun werden steigende Leitzinsen erwartet, was die privaten Haushalte unter Druck setzen würde. Denn Kreditzinsen sind in Kanada in der Regel variabel. Sobald der Leitzins steigt, müssen die Kanadier entsprechend mehr für ihre Hypotheken zahlen – aber immerhin haben die Banken für Kreditausfälle besser vorgesorgt als einst Lehmann & Co.

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