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Zurück zu den Wurzeln

Finanzkrise, NSA-Affäre, Haushaltsstreit und ein Geheimdienst, der allem Anschein nach auch noch Angela Merkels Handy abgehört hat: Die Vereinigten Staaten kommen aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Es gibt aber auch gute Nachrichten aus der größten Volkswirtschaft der Welt – Amerika hat die Rezession überwunden, die Arbeitslosigkeit sinkt und das Land stellt wieder mehr Industrieprodukte selbst her.

Kernaussagen in Kürze:
  • Gute Nachrichten aus der größten Volkswirtschaft der Welt – Amerika hat die Rezession überwunden, die Arbeitslosigkeit sinkt und das Land stellt wieder mehr Industrieprodukte selbst her.
  • Von 2000 bis 2009 sank der Wertschöpfungsanteil der US-Industrie von 14,2 auf 11,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – inzwischen ist er wieder auf 11,9 Prozent gestiegen.
  • Gut ein Viertel der deutschen Exporte in die USA entfielen 2012 auf Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile.
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Der Mischkonzern General Electric hat es getan, genauso der Flugzeugbauer Boeing und auch der Baumaschinenhersteller Caterpillar: All diese Unternehmen haben in den vergangenen Monaten Arbeitsplätze aus dem Ausland zurück in die amerikanische Heimat verlegt. Auch Apple und Google besinnen sich bei ihrer industriellen Fertigung – zumindest partiell – wieder auf die USA; die Google-Brille zum Beispiel wird vom taiwanischen Elektronikproduzenten Foxconn im kalifornischen Santa Barbara hergestellt.

Allein durch die Rückverlagerung der Industrieproduktion in die USA sind in den vergangenen dreieinhalb Jahren in den Vereinigten Staaten mindestens 50.000 neue Arbeitsplätze entstanden.

Ist „Made in USA“ also wieder in? Mehr als ein halbes Jahrhundert lang hatte das Verarbeitende Gewerbe in Amerika rasant an Bedeutung verloren, insbesondere zwischen 2000 und 2010 kam es zu einer umfangreichen Verlagerung von Industriearbeitsplätzen ins Ausland, vor allem nach China (Grafik):

Von 2000 bis 2009 sank der Wertschöpfungsanteil der US-Industrie von 14,2 auf 11,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – inzwischen ist er wieder auf 11,9 Prozent gestiegen.

Amerika befindet sich also auf dem Weg der Reindustrialisierung. Und dafür gibt es gute Gründe:

  1. Der relativ schwache Dollar sorgt dafür, dass der Import von Waren für Amerika vergleichsweise teuer ist, der Export dagegen profitiert davon. Warum also Mais, Motoröl oder Maschinen teuer einführen, wenn die heimische Industrie all dies zu einem vertretbaren Preis selbst herstellen kann und sogar noch Abnehmer dafür im Ausland findet?
  1. Auch der liberale US-Arbeitsmarkt und die im internationalen Vergleich günstigen Arbeitskosten führen dazu, dass es wieder attraktiv wird, in Amerika zu produzieren. Im Jahr 2012 mussten Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten im Schnitt nur 25,87 Euro je Stunde für Lohn und Personalzusatzkosten eines Arbeitnehmers im Verarbeitenden Gewerbe aufwenden, in Deutschland waren es rund 11 Euro mehr (vgl. iwd 41/2013).

Hinzu kommt, dass die Löhne in China seit ein paar Jahren sprunghaft steigen. Noch 2009 betrugen die industriellen Arbeitskosten in den USA das Zehnfache der chinesischen Löhne, 2012 nur noch das Sechs­einhalbfache. Die Unternehmens­beratung Boston Consulting geht deshalb davon aus, dass es zu einer massiven Rückverlagerung der Produktion aus China kommen wird – und dass dadurch in den USA in den kommenden sechs Jahren zwischen 2,5 und 5 Millionen neue Jobs entstehen könnten.

  1. Billiges Gas und Öl beschert insbesondere den energieintensiven Industrien attraktive Produktions­bedingungen. Mithilfe des „Hydraulic Fracking“ fördern die USA mittlerweile mehr Öl und Gas als Russland, das lange weltgrößter Produzent dieser fossilen Brennstoffe war. Schätzungen zufolge sind aufgrund der Schiefergasförderung bislang 1,7 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen worden, weitere 1,3 Millionen Jobs sollen aufgrund des Frackings – das unter Umweltschützern umstritten ist – in den kommenden zehn Jahren folgen.

Sollte sich die Reindustrialisierung in Amerika verstetigen, dürfte davon auch die deutsche Exportwirtschaft profitieren – schließlich sind die USA das zweitwichtigste Abnehmerland für deutsche Waren. Noch mehr verkauft die Bundesrepublik derzeit nur nach Frankreich.

Vor allem deutsche Autos sind in den Vereinigten Staaten begehrt (Grafik):

Gut ein Viertel der deutschen Exporte in die USA entfielen 2012 auf Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile.

Umgekehrt machten Pkws aus den USA nur 10 Prozent der deutschen Übersee-Einfuhren aus. Deutlich begehrter sind hierzulande chemische Produkte (25 Prozent) und Maschinen (15 Prozent) amerikanischer Provenienz.

Zu einer weiteren Intensivierung der deutsch-amerikanischen Handelbeziehungen dürfte auch das seit den 1990er Jahren geplante Freihandelsabkommen beitragen – wenn es denn irgendwann steht. Die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft, wie das Abkommen offiziell heißt, soll den Handel zwischen Europa und den Vereinigten Staaten erleichtern, indem Zölle und andere Handelshemmnisse abgebaut werden. Doch die Verhandlungen werden sich voraussichtlich noch hinziehen; erst vergangene Woche plädierten einige deutsche Politiker wegen der jüngsten Spitzelvorwürfe sogar dafür, die Gespräche zum Freihandelsabkommen auszusetzen.

Hinzu kommt, dass auch die Freihandelsmaterie selbst alles andere als konfliktfrei ist – bei vielen Themen klaffen die Vorstellungen zwischen Europa und den USA weit auseinander: zum Beispiel bei der Lebensmittelsicherheit oder der Finanzmarktregulierung.

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