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Die Rente mit 63 hat dem Arbeitsmarkt bisher mindes­tens 10.000 technisch-naturwissenschaftliche Facharbeiter entzogen. Damit wurden frühere Bemühungen, ältere Mitarbeiter länger zu halten, zunichtegemacht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Rente mit 63 hat dem Arbeitsmarkt bisher mindestens 10.000 technisch-naturwissenschaftliche Facharbeiter entzogen.
  • Zu Beginn des aktuellen Ausbildungsjahrs sind 10.000 Lehrstellen in MINT-Facharbeiterberufen unbesetzt geblieben.
  • Gekniffen sind vor allem jene Unternehmen, die in den vergangenen Jahren versucht haben, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu erhöhen.
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Mechatroniker, Zerspanungsmechaniker und andere MINT-Facharbeiter (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sind nach wie vor gesucht. Im Bereich Metallerzeugung/-bearbeitung/Metallbau hatte die Bundesagentur für Arbeit im September 2015 immerhin 105 offene Stellen je 100 Arbeitslose im Angebot, bei Facharbeitern des Bereichs Mechatronik, Energie- und Elektrotechnik lag das Verhältnis sogar bei 185 zu 100.

Folglich stehen in diesen Berufen nicht einmal theoretisch genügend Arbeitslose zur Verfügung, um alle offenen Stellen zu besetzen. Und die tatsächliche Arbeitskräftenachfrage liegt sogar noch deutlich höher: Denn die Hälfte aller offenen Facharbeiterstellen wird den Agenturen gar nicht erst gemeldet, sondern direkt in Zeitungen oder im Internet ausgeschrieben.

Im September 2015 konnten mindestens 78.000 offene Stellen in technisch-naturwissenschaftlichen Facharbeiterberufen nicht besetzt werden.

Ähnliches gilt für Ausbildungsplätze: Zu Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres sind 10.000 Lehrstellen in MINT-Facharbeiterberufen unbesetzt geblieben.

Angesichts dieser Probleme ist es umso unverständlicher, dass die Politik mit der Rente mit 63 ein Instrument eingeführt hat, das dem Arbeitsmarkt in großem Stil MINT-Facharbeiter entzieht. So können seit dem 1. Juli 2014 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bereits mit Vollendung des 63. Lebensjahres abschlagsfrei in Rente gehen, sobald sie mindestens 45 Beitragsjahre zusammenhaben.

Die Auswirkungen dieses Geschenks der SPD an ihre Wähler auf die MINT-Fachkräftebasis können mit Fug und Recht als verheerend bezeichnet werden. Kaum war die Regelung in Kraft, brach die Beschäftigung von MINT-Facharbeitern der Altersklasse 63plus regelrecht ein (Grafik). Und das ist in den darauffolgenden Monaten munter so weitergegangen – in den übrigen rentennahen Jahrgängen hat sich der Anstieg der Beschäftigungszahlen dagegen fortgesetzt.

In den ersten drei Quartalen nach Einführung der Rente mit 63 sind dem Arbeitsmarkt mindestens 10.000 MINT-Facharbeiter im Alter von 63 und mehr Jahren entzogen worden.

Unterstellt man, dass die Beschäftigung in dieser Altersgruppe ohne die Rente mit 63 vermutlich eine ähnliche Dynamik wie vor deren Einführung gezeigt hätte, also um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Quartal gestiegen wäre, erhöht sich der Verlust gar auf 15.000 Personen. Die Rente mit 63 hat den Fachkräfte­engpass somit nochmals um mindes­tens 20 Prozent verschärft – ohne sie gäbe es statt der 78.000 nicht besetzbaren Stellen nur etwa 63.000.

Gekniffen sind vor allem jene Unternehmen, die in den zurückliegenden Jahren große Anstrengungen unternommen haben, die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu erhöhen, um diese länger zu halten. Durch die Rente mit 63 sind die Früchte dieser Investitionen zum Teil zunichtegemacht worden.

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