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Zulieferer blicken in die Zukunft

Bisher haben die deutschen Automobilzulieferer gut mitgemischt auf den internationalen Märkten. Das dürfte die Produktion und Beschäftigung hierzulande auch künftig sichern. Ein Problem für die Branche könnte allerdings der Fachkräfteengpass in Deutschland werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutschen Automobilzulieferer sind zuversichtlich bezüglich ihres Geschäfts auf internationalen Märkten.
  • Wichtigste Standortfaktor ist die Verfügbarkeit von Fachkräften.
  • Die sonstigen Rahmenbedingungen in Deutschland wurden von den Unternehmen als gut bewertet.
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Früher prägten Tausende Fahrräder Pekings Straßenbild, heute sind es Autokolonnen: Asien ist der Zukunftsmarkt für Autobauer und -zulieferer.

Doch nicht nur neue Märkte sind eine große Herausforderung für die deutschen Autobauer, auch verschärfte Umweltgesetze und der Trend zur Urbanisierung, bei dem der kleine Stadtwagen der großen Geländekarosse den Rang abläuft, sind zu meistern.

Und mittendrin steht die mittelständisch geprägte Automobilzulieferindustrie. Sie ist immerhin für etwa drei Viertel der Wertschöpfung im Automobilsektor hierzulande verantwortlich. Die Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult hat diese Unternehmen im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA) gefragt, wie sie die künftigen Entwicklungen sehen und welche Rolle der Standort Deutschland spielen wird.

Weil die Firmen stark im Ausland engagiert sind, wird der Anteil der in Deutschland gefertigten Produkte in den nächsten Jahren abnehmen:

Rund 40 Prozent ihrer Produktion stellen die Automobilzulieferer derzeit in Deutschland her – in drei Jahren könnten es nur noch 30 Prozent sein.

Die wichtigsten Produktionsstandorte im Ausland sind bereits jetzt die BRIC-Staaten: In Brasilien, Russland, Indien und China fertigen die deutschen Zulieferer rund 16 Prozent ihrer Produktion, wobei China der eindeutige Favorit ist. Künftig dürften die BRIC-Standorte fast genauso viel Gewicht haben wie die heimischen.

Allerdings wird nicht nur Deutschland relativ an Bedeutung verlieren – alle europäischen Standorte müssen Federn lassen, selbst das als kostengünstig geltende Osteuropa. Die Unternehmen verlagern ihre Fabriken zwar auch, weil sie billigere Produktionsstätten suchen, ihr Hauptmotiv aber ist es, neue Märkte zu erschließen und dort vor Ort zu produzieren. Besonders kleinere Firmen wollen sich künftig in Bewegung setzen und damit den großen folgen, die schon seit längerem im Ausland aktiv sind.

Dieses Engagement jenseits der deutschen Grenzen hat die Automobilindustrie in der Vergangenheit gestärkt. So sind deutsche Marken mittlerweile auf allen wichtigen Automärkten präsent und wirtschaftlich erfolgreich. Während etwa die italienische und französische Konkurrenz eher unter der Globalisierung gelitten hat, sind Produktion und Beschäftigung in der Bundesrepublik bislang sogar gestiegen. Dies dürfte – dank des Auslandsengagements der Fimen – voraussichtlich auch so bleiben.

Somit bewerten die Automobilzulieferer die meisten Rahmenbedingungen in Deutschland auch recht gut. Vor allem bei den Themen Rechtssicherheit, Forschung und Entwicklung, Infrastruktur, Logistik und Netzwerkstrukturen – sowohl in der Forschung als auch innerhalb der Wertschöpfungskette – kann der Standort D punkten. Auch in den nächsten drei Jahren dürfte sich daran nach Meinung der befragten Unternehmen nichts ändern.

Sorgen machen den Automobilzulieferern dagegen die Steuer- und Abgabenbelastung und – vor allem – die Folgen der demografischen Entwicklung:

Fragt man die Automobilzulieferer, welcher Standortfaktor ihnen am wichtigsten ist, sind sich alle einig: die Verfügbarkeit von Fachkräften.

In diesem Punkt erwarten die Unternehmen deshalb auch Unterstützung von der Politik und den Verbänden. Über das gesamte Spektrum der Bildungsangebote hinweg sollte hier investiert werden, so die einhellige Meinung; wobei die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik für die forschungs- und technologieorientierte Branche von besonderer Bedeutung sind.

Nicht zuletzt müssen sich die Automobilzulieferer aber auch selbst als attraktive Arbeitgeber für kluge Köpfe profilieren – zum Beispiel über die M+E-Infomobile. Neun Fahrzeuge sind deutschlandweit unterwegs, um an Schulen über Jobs in der Metall- und Elektro-Industrie zu informieren. Weitere Informationen zu den Infomobilen gibt es unter www.me-infomobil.de.

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