Journalismus 31.08.2016 Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Zu wenig Wirtschaft im TV

In den deutschen Medien finden wirtschaftliche Berichte und Hintergrundinformationen oft nicht den Platz, der ihnen gebührt. Dabei wird das öffentliche Interesse an Themen von A wie Armut bis Z wie Zuwanderung nach Einschätzung von Journalisten in nächster Zeit noch zunehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eine große Mehrheit der Journalisten in Deutschland ist laut einer Umfrage der Meinung, Wirtschaftsthemen kämen im Fernsehen und im Hörfunk zu kurz.
  • Dabei wird das Interesse an vielen wirtschaftlichen Themen in nächster Zeit zunehmen – ganz oben steht das Thema Altersvorsorge.
  • Zu wenig Widerhall finden dagegen vor allem die Themen Rente, Steuergerechtigkeit, Geldpolitik und Europa.
Zur detaillierten Fassung

Die Teilnehmer an der Journalistenumfrage des Ernst-Schneider-Preises der Industrie- und Handelskammern geben sich durchaus selbstkritisch: 62 Prozent sagen, dass Journalisten die Bedeutung der Wirtschaft für die gesellschaftliche Entwicklung unterschätzen würden. Und nur 44 Prozent halten die Qualität der Wirtschaftsberichterstattung in Deutschland für gut oder sehr gut, 48 Prozent dagegen für mittelmäßig und 8 Prozent sogar für schlecht.

Die Befragten arbeiten nach eigenem Bekunden allerdings auch in einem schwierigen Umfeld – zwei von drei Journalisten beurteilen die personelle Besetzung ihrer Redaktion als unzureichend und gut drei von fünf meinen, dass ihnen meist zu wenig Zeit für die Recherche bleibe.

81 Prozent der befragten Journalisten sind der Ansicht, im Fernsehen kämen Wirtschaftsthemen zu kurz.

Ob dies am Ende die Präsenz von Wirtschaftsthemen in den Medien negativ beeinflusst, lässt sich aus der Umfrage nicht ablesen. Dennoch fällt auf:

Von den befragten Journalisten sind 81 Prozent der Ansicht, Reportagen und Analysen aus der Wirtschaft kämen im Fernsehen zu kurz.

Dem Hörfunk bescheinigen 71 Prozent der Journalisten, wirtschaftlichen Fragestellungen zu wenig Raum zu geben. Nur im Printbereich und im Internet findet das Thema Wirtschaft nach mehrheitlicher Meinung genügend Platz.

Wirtschaftsthemen werden wichtiger

Dabei mangelt es nicht an Themen, über die die Zuschauer, Hörer und Leser künftig wohl noch mehr wissen wollen (Grafik):

So schätzen 97 Prozent der befragten Journalisten, dass das Interesse am Thema Altersvorsorge in nächster Zeit wachsen wird.

Auch die Kluft zwischen Arm und Reich, der Themenkomplex Zuwanderung und Integration sowie der Trend zur Digitalisierung dürften den Redakteuren und Autoren zufolge noch stärker in den Blickpunkt rücken.

Gefragt, welches das Wirtschaftsthema des Jahres 2016 sein wird, entschieden sich die meisten Medienleute für die Flüchtlingskrise. Aber auch der Brexit – der Anfang Juni, dem Zeitpunkt der Umfrage, noch nicht beschlossen war – und das Handelsabkommen TTIP wurden häufig genannt. Zu den Themen, die nach Einschätzung der Journalisten zu kurz kommen, zählen die Rente, die Steuergerechtigkeit, die Geldpolitik – und Europa.

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