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Zu wenig Nachwuchs

In den vergangenen Jahren haben zwar immer mehr MINT­ler mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Beschäftigung gefunden. Allerdings kann der wachsende Bedarf kaum gedeckt werden – es fehlt an Nachwuchs.

Kernaussagen in Kürze:
  • In den vergangenen Jahren haben zwar immer mehr MINT­ler eine Beschäftigung gefunden - allerdings es fehlt an Nachwuchs.
  • Zwischen 2005 und 2010 ist die Zahl der Erwerbstätigen mit einer abgeschlossenen MINT-Berufsausbildung jährlich um durchschnittlich 1 Prozent auf mehr als 9 Millionen gestiegen.
  • Aktuell gehen jedes Jahr etwa 213.000 MINT-Fachkräfte in Rente – ab 2020 werden es schätzungsweise 270.000 Personen jährlich sein.
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Wenn es um MINT geht – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik –, denken die meisten an Ingenieure, Biologen oder Mathematiker, also Akademiker. Unter den Tisch fallen dabei aber die Mechatroniker und Elektriker, also die MINT-Fachkräfte mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Auch deren Beschäftigung hat zuletzt zugenommen (Grafik):

Zwischen 2005 und 2010 ist die Zahl der Erwerbstätigen mit einer abgeschlossenen MINT-Berufsausbildung jährlich um durchschnittlich 1 Prozent auf mehr als 9 Millionen gestiegen.

Dadurch, dass ältere MINT-Fachkräfte mittlerweile bessere Chancen am Arbeitsmarkt haben, hat die Zahl der Erwerbstätigen ab 45 Jahren im selben Zeitraum im Schnitt um 5 Prozent zugelegt. Bei den unter 45-Jährigen ist die Erwerbstätigkeit dagegen um fast 2 Prozent gesunken.

Auch entscheiden sich nach wie vor vergleichsweise wenige Frauen für eine MINT-Laufbahn. So ist die Zahl der erwerbstätigen Frauen mit einer abgeschlossenen Ausbildung in den MINT-Berufen zwischen 2005 und 2010 lediglich um 0,5 Prozent pro Jahr gestiegen, bei den Männern waren es im selben Zeitraum jahresdurchschnittlich 1,2 Prozent.

Zwar hat sich die MINT-Beschäftigung in den vergangenen Jahren alles in allem positiv entwickelt. Allerdings droht ein Nachwuchsengpass, denn infolge der demografischen Entwicklung werden die Jahrgänge immer kleiner. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Jugendliche nach dem Abi für ein Studium entscheiden. So wählen Schüler, die früher einen MINT-Ausbildungsberuf gewählt hätten, heute oft ein MINT-Studium.

Das Problem wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen, wenn immer mehr MINT-Fachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Aktuell gehen jedes Jahr etwa 213.000 MINT-Fachkräfte in Rente – ab 2020 werden es schätzungsweise 270.000 Personen jährlich sein.

Diesem Ersatzbedarf stehen sinkende Nachwuchszahlen gegenüber: Während im laufenden Jahr noch knapp 175.000 junge Menschen mit einer beruflichen MINT-Qualifikation auf den Arbeitsmarkt kommen dürften, werden es im Jahr 2025 nur noch knapp 143.000 Personen sein. Insgesamt werden bereits bis 2020 gut 600.000 MINT-Fachkräfte mehr in Rente gehen, als aus dem System der beruflichen Bildung nachrücken. Hinzu kommt, dass der Bedarf an MINT-Fachkräften steigt – unterm Strich beläuft sich die entsprechende Lücke bis 2020 deshalb sogar auf rund 1,4 Millionen Personen.

Noch ließe sich diese Lücke dadurch schließen, dass ältere Arbeitnehmer länger arbeiten – ein späterer Renteneintritt würde dem Arbeitsmarkt rund 244.000 MINT-Fachkräfte mehr zur Verfügung stellen. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnte weitere 11.000 MINT-Fachkräfte bringen.

Langfristig reichen diese Maßnahmen allerdings nicht aus, um den Engpass der beruflich qualifizierten MINT-Fachkräfte zu beseitigen. Vielmehr muss die MINT-Bildung in Deutschland durch eine stärkere Berufsorientierung für technisch-naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe oder durch ausländische Fachkräfte gefördert werden.

Christina Anger / Vera Demary / Oliver Koppel / Axel PlünneckeMINT-Frühjahrsreport 2013

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