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Zu viele scheitern

Die meisten ausländischen Jugendlichen, die in Deutschland Abitur gemacht haben, wollen studieren. Doch nur wenige ziehen ihr Studium bis zum Ende durch.

Kernaussagen in Kürze:
  • Etwa 3 Prozent aller Studenten an deutschen Universitäten waren im Jahr 2010 sogenannte Bildungsinländer - in Deutschland lebende Personen it deutschen Schulabschluss, aber ohne deutschen Pass.
  • Im Jahr 2009 erwarben lediglich 13 Prozent aller ausländischen Schulabgänger die Hochschulreife; bei den deutschen Schulabgängern waren es fast dreimal so viele.
  • Bezogen auf die Absolventen des Jahres 2008 brachen 41 Prozent der Bildungsinländer ihr Studium ab.
Zur detaillierten Fassung

Etwa 3 Prozent aller Studenten an deutschen Fachhochschulen und Universitäten waren im Jahr 2010 sogenannte Bildungsinländer. Dazu zählen jene Personen, die zwar in Deutschland leben, hier zur Schule gegangen sind und einen Abschluss, aber keinen deutschen Pass haben.

Die Mehrzahl dieser Studenten stammt aus dem europäischen Ausland. Unangefochtener Spitzenreiter sind junge Menschen mit türkischen Wurzeln, mit bereits großem Abstand folgen Kroaten, Italiener und Griechen (Grafik).

Diese Jugendlichen studieren sogar häufiger als ihre Altersgenossen deutscher Herkunft, wie eine Studie des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ergab – obwohl Kinder aus Migrantenfamilien deutlich seltener ein Gymnasium besuchen. So stagniert der Anteil der ausländischen Kinder an den deutschen Gymnasien seit langem schon bei mageren 4 Prozent.

Im Jahr 2009 erwarben lediglich 13 Prozent aller ausländischen Schulabgänger die Hochschulreife; bei den deutschen Schulabgängern waren es fast dreimal so viele.

Wer das Abi geschafft hat, möchte auch die Früchte seiner Arbeit ernten – für 80 Prozent der Bildungsinländer sind gute Verdienstchancen der wichtigste Grund, sich für ein Studium zu entscheiden. Für die Deutschen dagegen sind eher die eigenen Neigungen und Begabungen ausschlaggebend; Verdienstchancen und das Ansehen des Jobs rangieren bei ihnen weiter hinten.

Häufiger als ihre deutschen Kommilitonen studieren Bildungsinländer an einer Fachhochschule. Nahezu jeder zweite Student wählt dort ein mathematisch-naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Fach.

An den Universitäten entscheiden sich die Bildungsinländer meist für ein Studium der Rechts-, Wirtschafts- oder Sozialwissenschaften; beliebt sind auch die Sprach- und Kulturwissenschaften.

Auffallend wenige Bildungsinländer nehmen ein Lehramtsstudium auf. Dabei wären Lehrer mit Migrationshintergrund vor allem für ausländische Schüler von Vorteil. Denn die Lehrkräfte sind ein Beispiel dafür, dass Integration gelingen kann. Nicht zuletzt verstehen sie aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen sowohl die Probleme der Schüler als auch die der Eltern.

Die hohe Studierneigung der Bildungsinländer ist die eine Sache – eine ganz andere, wie viele es tatsächlich bis zum Abschluss durchhalten – und da sieht es leider nicht mehr so gut aus:

Bezogen auf die Absolventen des Jahres 2008 brachen 41 Prozent der Bildungsinländer ihr Studium ab; bei den deutschen Studenten sind es 24 Prozent.

Die hohe Abbrecherquote hat verschiedene Gründe:

  1. Viele der heutigen Bildungsinländer sind in ihren Familien die Ersten, die studieren. Für die Jugendlichen ist das zwar eine große Chance, aber auch eine schwere Last: Ihre Eltern können ihnen mangels eigener Erfahrungen und Geld weder bei der Studienorientierung helfen noch finanziell genügend unter die Arme greifen. So müssen viele ihr Studium selbst finanzieren.
  2. Viele Bildungsinländer klagen auch über Sprachprobleme an der Uni, tun sich mit der Gestaltung des Studiums schwer und fühlen sich dort nicht richtig integriert. Um sie im akademischen Lehrbetrieb besser zu unterstützen, sollten sie gezielt studienbegleitend gefördert werden. Bis dato gibt es aber kaum passende Angebote.

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