Finanzierungsbedingungen Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Zinssenkung kommt nicht überall an

Der niedrige Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt in den Unternehmen der Krisenländer nicht an. Stattdessen sind die Zinsen für Unternehmenskredite sogar gestiegen und die Kreditvergabe ist immer noch restriktiv.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der niedrige Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt in den Unternehmen der Krisenländer nicht an.
  • In Griechenland kamen 38 Prozent der Unternehmen kaum an frisches Geld.
  • Während jeder vierte deutsche Betrieb sagt, dass die Banken heute eher bereit sind als früher, Kredite zu vergeben, äußern das höchstens 11 Prozent der Firmen aus den Krisenländern.
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In der Eurozone sind die Finanzierungsbedingungen für Firmen nach wie vor recht unterschiedlich. Dies zeigt eine Unternehmensbefragung der EZB für den Zeitraum Oktober 2012 bis März 2013. Demnach haben sich die Finanzierungsbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland und Österreich verbessert, in den Krisenländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien sind sie dagegen schlechter geworden.

Meinungen der kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Finanzierungsmöglichkeiten.

In Deutschland und Österreich gaben nur 8 Prozent der Unternehmen zu Protokoll, dass die Finanzierung für sie derzeit das größte betriebswirtschaftliche Problem sei (Grafik).

In Griechenland kamen dagegen 38 Prozent der Unternehmen kaum an frisches Geld.

Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei den Kreditanträgen. Unternehmen in Deutschland und Österreich werden von ihren Bankern nur selten abgewiesen. Dagegen hört jedes sechste Unternehmen in Spanien, Irland und den Niederlanden schon einmal ein Nein von seinem Kreditsachbearbeiter. In Griechenland wird fast jeder dritte Kreditantrag abgelehnt.

Hinzu kommt, dass deutsche Mittelständler heute in der Regel weniger Zinsen zahlen müssen als früher – bei ihnen kommt die Senkung des Leitzinses auf 0,5 Prozent also an. In den Krisenländern ist es genau umgekehrt. In Spanien mussten drei Viertel der kleinen und mittelständischen Unternehmen von Oktober 2012 bis März 2013 höhere Zinsen für ihre Kredite zahlen als zuvor, in Italien und in Portugal waren es jeweils mehr als 60 Prozent.

Während jeder vierte deutsche Betrieb sagt, dass die Banken heute eher bereit sind als früher, Kredite zu vergeben, äußern das höchstens 11 Pro­zent der Firmen aus den Krisenländern.­

Ein Licht am Ende des Tunnels ist auf der Grünen Insel zu sehen. In Irland, wo die Krise sehr früh einsetzte und die Banken entschlossen saniert wurden, meldet bereits jedes siebte Unternehmen, dass sich die Kreditvergabe verbessert hat.

Dass in Südeuropa der Niedrigzins bei den Firmen nicht ankommt, hat zwei Gründe: Dort verfügen die Banken über vergleichs­weise wenig Eigenkapital – sie können ihr Kreditangebot also nicht ausweiten. Denn im Falle von Verlusten würden ihnen sonst die Mittel fehlen, um Zahlungsausfälle aufzufangen – und die nächste Bankenkrise stünde ins Haus. Nicht zuletzt deshalb hat die EU die Banken zur Bildung einer ausreichenden Eigenkapitaldecke verpflichtet.

Zudem müssen die Banken weiter konsequent restrukturiert werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Geldinstitute nur so lange überlebensfähig bleiben, wie die Leitzinsen niedrig sind. Momentan leben die Banken von der ausreichenden Marge zwischen verliehenem und geliehenem Geld.

Die Unternehmen in den Krisenländern können aber auch selbst etwas für ihre Kreditwürdigkeit tun, indem sie wettbewerbsfähiger werden. Viele Firmen sind auch schon dabei, ihre (Arbeits-)Kosten in den Griff zu bekommen. Dadurch sinkt ihr Insolvenzrisiko – und die Banken müssen bei der Kreditvergabe nicht mehr so knauserig sein.

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