Zementindustrie: Mit neuer Technologie für mehr Klimaschutz
Als energie- und emissionsintensive Branche spielt die Zementindustrie eine wichtige Rolle beim Thema Klimaschutz. Die deutschen Hersteller arbeiten seit Jahren an neuen Prozessen und innovativen Technologien. Ohne politische Unterstützung und die notwendigen Rahmenbedingungen sind die Klimaziele jedoch nicht erreichbar.
- Zement zählt zu den meistverwendeten Baustoffen weltweit. In Deutschland sorgen 51 Werke für die Versorgung mit dem Bindemittel.
- Um den großen CO2-Ausstoß bei der Herstellung zu reduzieren, verringert die Branche seit Jahren den Anteil fossiler Energieträger in ihren Prozessen.
- Klimaneutral kann die Zementherstellung aber nur werden, wenn CO2 abgeschieden und im Boden gespeichert wird. Dabei braucht die Branche Unterstützung aus der Politik, etwa durch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren und länderübergreifend geltende Normen und Regelwerke.
Ob Wohnhaus, Tiefgarage oder Industriehalle – egal, wo gebaut wird, ohne Zement geht nichts. Als Bestandteil von Beton, Mörtel oder Estrich ist er notwendiger Grundstoff und zählt zu den meistverwendeten Baustoffen weltweit.
In Deutschland gewährleisten 51 Zementwerke mit ihren insgesamt 8.200 Mitarbeitern die Versorgung mit dem Bindemittel (Grafik):
Im Jahr 2025 produzierten die hiesigen Unternehmen der Branche etwa 27,5 Millionen Tonnen Zement.
Damit decken die Betriebe fast den kompletten Bedarf in Deutschland, weniger als 5 Prozent des Zements finden den Weg aus dem Ausland auf deutsche Baustellen.
Der Grundstoff spielt nicht nur für die Baustoffindustrie eine große Rolle, sondern ist auch ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz. Denn bei der Herstellung von Zement und seinem Vorprodukt Zementklinker entstehen große Mengen CO2. Die Branche stellt sich der Herausforderung und verfolgt seit geraumer Zeit ehrgeizige Klimaziele. So haben die Unternehmen ihren Energiemix in den vergangenen Jahren stark umgestellt und fossile Energieträger in ihren Prozessen deutlich reduziert:
Der Anteil alternativer Brennstoffe – dazu zählen unter anderem Industrie-/Gewerbeabfälle und Abfälle mit Biomasseanteilen – am Energiemix in der Zementherstellung lag im Jahr 2024 bei 77 Prozent; 1990 waren es gerade einmal 7 Prozent.
Im internationalen Vergleich liegt die deutsche Zementindustrie damit aktuell an der Spitze.
Bis 2045 wollen die hiesigen Unternehmen den alternativen Anteil ihrer Energiezufuhr auf 90 Prozent anheben. Die weiteren 10 Prozent sollen aus der Verbrennung grünen Wasserstoffs kommen, sodass letztlich in der Zementherstellung fast keine fossilen Brennstoffe mehr eingesetzt werden.
Die Unternehmen der Zementindustrie setzen auf Verfahren, um die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Zement abscheiden zu können – nur so ist Klimaneutralität erreichbar.
Ein noch größerer Hebel ist der Klinkeranteil im Zement. Sinkt dieser, sinkt auch der CO2-Ausstoß bei der Herstellung. Durch die Entwicklung neuer Zementsorten ist es den Betrieben bereits gelungen, den Klinkeranteil von durchschnittlich 80 Prozent im Jahr 1990 auf zuletzt 67 Prozent zu senken. Auch hier gibt es einen langfristigen Fahrplan. Das Ziel: Im Schnitt nur noch 53 Prozent Klinkeranteil im Jahr 2045.
Die bisherigen Bemühungen schlagen sich folgendermaßen in der Emissionsbilanz nieder (Grafik):
Pro Tonne Zement stießen die Unternehmen in Deutschland im Jahr 2024 rund 533 Kilogramm CO2 aus, 1990 waren es noch 748 Kilogramm CO2.
Die weiteren Einsparpotenziale der Zementhersteller sind allerdings begrenzt. Der Grund: die Chemie. Zwei Drittel der Emissionen, die bei der Zementherstellung entstehen, sind prozessbedingt, das heißt, sie lassen sich nicht vermeiden. Um eine klimaneutrale Wertschöpfungskette zu schaffen, sucht die Branche unter dem Dach der European Cement Research Academy (ECRA) seit 2007 daher nach neuen Wegen.
Im Speziellen setzen die Unternehmen auf Verfahren, um die CO2-Emissionen bei der Herstellung von Zement abscheiden zu können – nur so ist Klimaneutralität erreichbar. Zum einen ist das Carbon Capture and Utilization (CCU). Bei dieser Technologie wird das abgeschiedene CO2 für die Produktion von kohlenstoffhaltigen Materialien und Produkten verwendet – beispielsweise in der chemischen Industrie, die Kohlenstoff als Rohstoff benötigt.
Zum anderen setzen die Betriebe auf Carbon Capture and Storage (CCS). Dabei wird das abgeschiedene CO2 unterirdisch im Boden gespeichert und gelangt so nicht in die Atmosphäre. Durch die Abscheidung des aus der Verbrennung von Biomasse entstehenden CO2 können darüber hinaus sogar negative CO2 -Emissionen generiert werden – ein weiterer wichtiger Beitrag für das Erreichen der deutschen und der EU-Klimaziele.
Mittels CCS will die deutsche Zementindustrie sukzessive ihre Emissionen senken. Im Jahr 2045 sollen so rund 13,5 Millionen Tonnen CO2 abgeschieden werden.
Allerdings benötigen die Betriebe Unterstützung, um diese Technik gewinnbringend einsetzen zu können. Konkret bedeutet dies, dass eine Infrastruktur für den Transport von CO2 in Deutschland entstehen muss – und das möglichst schnell und konsequent. Im Wesentlichen braucht es ein Leitungsnetz in Form von Pipelines, ausgerichtet an der geografischen Verteilung der Zementwerke und anderen geeigneten CO2-Quellen, den industriellen Verbrauchern des abgeschiedenen CO2 sowie geeigneten Speicherorten. Ergänzend sollte der Transport per Schiff und Zug in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden.
Damit ein zügiger Ausbau der Infrastruktur und damit ein Hochlauf von CCS und CCU gelingen kann, muss der Staat dringend die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Gleichzeitig bedarf es staatlicher Unterstützung, um hohe Nutzungskosten einer CO2-Infrastruktur – insbesondere in den ersten Jahren mit noch wenigen Nutzern – abzufedern.
Wichtig ist auch, den CO2-Transport in Europa grenzüberschreitend zu denken. Dafür sollte es länderübergreifend geltende Normen und Regelwerke geben, die die Netzbetreiber überall identisch anwenden können.
Neben den physischen Voraussetzungen gilt es darüber hinaus, ein gesellschaftliches Bewusstsein sowie mehr Akzeptanz für den Einsatz von CCS und CCU zu schaffen. Hier ist ein Schulterschluss von Politik, IndusMit trie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gefordert.