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Zeitarbeit wird teurer

Schon seit Jahren beklagen die Gewerkschaften, dass Zeitarbeitnehmer schlechtergestellt seien als Festangestellte eines Unternehmens. Jetzt haben die Tarifparteien in verschiedenen Branchen besondere Zuschläge vereinbart.

Kernaussagen in Kürze:
  • Schon seit Jahren beklagen die Gewerkschaften, dass Zeitarbeitnehmer schlechtergestellt seien als Festangestellte eines Unternehmens.
  • Für gut 84 Prozent der befragten Unternehmen ist die flexible und kurzfristige Anpassung der Kapazitäten einer der Hauptgründe, Zeitarbeit zu nutzen.
  • Je länger ein Zeitarbeitnehmer allerdings in einem Betrieb bleibt, desto besser ist er eingearbeitet.
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Alles eine Frage der Perspektive: Die Gewerkschaften kritisieren, Zeitarbeitnehmer seien die Ersten, denen in einer Wirtschaftskrise gekündigt werde und außerdem würden sie noch schlechter bezahlt als ihre regulär beschäftigten Kollegen. Für die Betriebe dagegen ist Zeitarbeit vor allem ein Instrument, mit dem sie Auftragsschwankungen abfedern, wie eine Umfrage der Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult zeigt:

Für gut 84 Prozent der befragten Unternehmen ist die flexible und kurzfristige Anpassung der Kapazitäten einer der Hauptgründe, Zeitarbeit zu nutzen.

Für ein Drittel der Unternehmen spielen auch die – niedrigeren – Kos­ten für Zeitarbeitnehmer eine Rolle. Umgekehrt heißt dies aber auch: Für etwa zwei Drittel der Unternehmen sind mögliche Einsparungen, die sich beim Einsatz von Zeitarbeitern ergeben, kaum ein Thema.

Dies dürfte es den Arbeitgebern in den jüngsten Tarifrunden etwas leichter gemacht haben, Zeitarbeitnehmer finanziell besserzustellen. Für eine vollständige Gleichbehandlung gibt es allerdings keinen Grund: Stammbelegschaften haben in der Regel mehr betriebsspezifisches Wissen als Zeitarbeitnehmer und sind daher produktiver.

Je länger ein Zeitarbeitnehmer allerdings in einem Betrieb bleibt, desto besser ist er eingearbeitet. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auf Zuschläge verständigt, die sich nach folgenden Kriterien richten:

Einsatzdauer. In allen Branchen, die bislang Branchenzuschläge für Zeitarbeitnehmer vereinbart haben, gilt: Je länger ein ununterbrochener Einsatz in einem Betrieb dauert, desto höher fällt auch der Zuschlag aus. Das erste Extra ist ab einer Überlassung von sechs Wochen fällig. Es beträgt in der Metall- und Elektro-Industrie 15 Prozent der Zeitarbeitsvergütung (Tabelle) und steigt dann weiter an. Laut IG Metall kommt ein Zeitarbeitnehmer der untersten Entgeltgruppe in der M+E-Industrie somit nach neun Monaten Beschäftigung auf 93 Prozent des Lohns eines fest beschäftigten Kollegen. Während der ersten sechs Arbeitswochen sind es gerade einmal 62 Prozent.

Qualifikation. In der Chemischen Industrie erhalten die beiden untersten Entgeltgruppen Zuschläge zwischen 15 und 50 Prozent, die Entgeltgruppen 3 bis 5 dagegen nur 10 bis 35 Prozent. Für die oberen Entgeltgruppen gibt es gar keinen Zuschlag. Noch differenziertere Regelungen gelten für die Kautschukindustrie, die Kunststoffverarbeitung sowie den Schienenverkehr.

Branchen. Zwischen den Branchen besteht ein erhebliches Gefälle. Das wird deutlich, wenn man die Zuschläge für die unterste Entgeltgruppe vergleicht. Während in der Chemischen Industrie ebenso wie in der M+E-Industrie 15 bis 50 Prozent anfallen, sind es in der Textilindus­trie lediglich 5 bis 25 Prozent und im Schienenverkehr 4 bis 14 Prozent. Mit diesen Differenzierungen tragen die Tarifparteien branchenspezifischen Besonderheiten Rechnung.

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