Wo sich die Menschen in Deutschland am meisten leisten können
Wie hoch die Kaufkraft in einer Region ist, hängt von den Einkommen und dem Preisniveau vor Ort ab. Die Unterschiede in Deutschland sind deutlich, wie eine IW-Untersuchung zeigt. Die Spitzengruppe dominieren Kreise aus Bayern, ganz vorn gibt es allerdings eine Überraschung.
- Heilbronn hatte im Jahr 2023 mit einem preisbereinigten Einkommen von gut 39.400 Euro pro Kopf bundesweit die höchste Kaufkraft.
- Fünf der sieben kaufkraftstärksten Regionen in Deutschland liegen in Bayern, unter den Top 20 ist der Freistaat elfmal vertreten.
- Am anderen Ende des Rankings finden sich vermehrt strukturschwache Städte aus dem Westen wieder. Unter den fünf mit der niedrigsten Kaufkraft ist das Ruhrgebiet mit Herne, Duisburg und Gelsenkirchen gleich dreimal gelistet.
Ein hohes durchschnittliches Nettoeinkommen ist ein wichtiger Faktor für die Kaufkraft in einer Stadt oder einer Region. Einen aussagekräftigen Wert erhält man aber erst, wenn man die regionalen Preise dazu ins Verhältnis setzt. Sind zum Beispiel die Mieten in einer Stadt sehr hoch, können selbst hohe Einkommen nicht verhindern, dass die Kaufkraft unterdurchschnittlich ist.
Das IW hat daher die neuesten zur Verfügung stehenden Daten zu den Einkommen der Bundesbürger in den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten mit den eigenen Ergebnissen aus einer Analyse zu regionalen Preisen zusammengeführt. Der überraschende Sieger kommt aus Baden-Württemberg (Grafik):
Heilbronn hatte im Jahr 2023 mit einem preisbereinigten Einkommen von gut 39.400 Euro pro Kopf bundesweit die höchste Kaufkraft.
Unter den Top Ten ist Heilbronn die einzige Großstadt, ansonsten dominieren Landkreise das Ranking. Die Stadt am Neckar verdrängt den Landkreis Starnberg, der das vorangegangene Ranking für sich entscheiden konnte, auf den zweiten Rang. Dieser verfügt zwar über ein deutlich höheres mittleres Einkommen als Heilbronn, aber das Preisniveau in Starnberg liegt fast 14 Prozent über dem Bundesschnitt.
Fünf der kaufkraftstärksten sieben Regionen in Deutschland liegen in Bayern, unter den Top 20 ist der Freistaat elfmal vertreten.
Auffallend ist: In der Spitzengruppe finden sich viele touristisch attraktive Regionen, die zudem häufig in der Nähe von wirtschaftsstarken Metropolen liegen. So ist das Münchener Umland mit dem Landkreis Miesbach, in dem der Tegernsee liegt, auf Rang fünf vertreten. Der Hochtaunuskreis in der Nähe der Bankenmetropole Frankfurt erreicht Rang acht. Knapp die Top Ten verfehlen auf den Plätzen elf und zwölf der Kreis Nordfriesland mit der Insel Sylt und die Kurstadt Baden-Baden.
Aber auch Gebiete abseits der Metropolregionen können teils überraschende Erfolge vorweisen. So finden sich im Vorderfeld die bayerischen Landkreise Rhön-Grabfeld und Wunsiedel im Fichtelgebirge ebenso wie der Kreis Olpe in Nordrhein-Westfalen. Sie alle zeichnen sich durch ein unterdurchschnittliches bis niedriges Preisniveau bei gleichzeitig soliden Nominaleinkommen aus.
Schaut man auf die Lage der bestplatzierten Kreise und Städte, dominiert der Süden:
Fünf der kaufkraftstärksten sieben Regionen in Deutschland liegen in Bayern, unter den Top 20 ist der Freistaat elfmal vertreten.
Strukturschwache Regionen und die größten Städte schneiden überwiegend schlecht ab
Am anderen Ende des Rankings finden sich dagegen vermehrt strukturschwache Städte aus dem Westen wieder. Unter den fünf mit der niedrigsten Kaufkraft ist das Ruhrgebiet mit Herne, Duisburg und Gelsenkirchen gleich dreimal vertreten. Am wenigsten können sich bundesweit die Offenbacher leisten.
Auch die deutschen Metropolen schneiden vor allem aufgrund hoher Wohnkosten schlecht ab. Stuttgart landet auf Platz 249, noch weiter hinten folgen Hamburg (Platz 331), Köln (Platz 343), Frankfurt (Platz 358) und Berlin (Platz 383). Relativ gut schlagen sich von den sieben größten Städten lediglich München (Platz 68) und Düsseldorf (Platz 101).