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Wo die Liebe hängt

An immer mehr Brücken in Deutschland hängen Liebesschlösser – kleine Vorhängeschlösser als Symbol ewiger Verbundenheit. Nicht alle ​
Städte freut das, die Metallindustrie macht dieser Brauch aber erfinderisch.

Kernaussagen in Kürze:
  • An immer mehr Brücken in Deutschland hängen Liebesschlösser - die Metallindustrie macht dieser Brauch erfinderisch.
  • Mittlerweile finden sich die Liebesschlösser ebenso in Paris, Moskau, New York und vielen anderen Städten – seit 2008 auch in Köln.
  • Die deutschen Firmen haben laut Statistischem Bundesamt 2012 weltweit mehr als 1,5 Millionen Vorhängeschlösser verkauft – ein lohnendes Geschäft.
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Kathrin & Andreas, Isabell & Lukas, Olivia & Antonio – sie alle haben zum Beweis ihrer Liebe Schlösser an die Geländer der Hohenzollernbrücke in Köln gehängt. „4ever“, „per sempre“, „für immer“.

Die genaue Herkunft dieses Brauchs ist unklar. Wahrscheinlich stammt er aus Italien. Absolventen der Sanitätsakademie in Florenz sollen am Ende ihrer Ausbildung die Vorhängeschlösser ihrer Spinde am Ponte Vecchio befestigt haben. Dieses Ritual wurde wohl von Liebenden übernommen.

Mittlerweile finden sich die Liebesschlösser ebenso in Paris, Moskau, New York und vielen anderen Städten – seit 2008 auch in Köln.

In Berlin dagegen ist der Liebesschwur verboten. Denn Messingschlösser rosten und können die eisernen Brücken beschädigen. Außerdem, sagt man in Berlin, störten die Schlösser den optischen Eindruck.

Die Metallbranche ist schon längst auf den Brauch aufmerksam geworden. Das Familienunternehmen Abus aus Wetter an der Ruhr – Weltmarktführer bei Vorhängeschlössern – bietet mittlerweile sechs verschiedene Modelle an. Am besten verkauft sich ein rostfreies, rotes Aluminiumschloss, das deutlich leichter ist als eines aus Messing.

Für Kurzentschlossene, die keine Zeit mit individuellen Gravuren wie Namen und Hochzeitsdatum vergeuden wollen, bietet der westfälische Schlosshersteller Burg-Wächter farbige Schlösser. Diese können mit einem speziellen Stift direkt selbst beschrieben werden. Offenbar eine gute Idee, denn nach eigenen Angaben verkaufte das Unternehmen 2012 gut 40 Prozent mehr dieser Schlösser als im Jahr davor.

Der Anteil der Liebesschlösser am Gesamtabsatz der Unternehmen ist nur ein kleiner – wie klein, dazu machen die Hersteller keine Angaben. Immerhin haben die deutschen Firmen laut Statistischem Bundesamt 2012 weltweit mehr als 1,5 Millionen Vorhängeschlösser verkauft – ein lohnendes Geschäft (Grafik).

Für die Deutsche Bahn sind die schätzungsweise 200.000 Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln kein Problem – weder optisch noch statisch. Bei einem Gesamtgewicht der Brücke von mehr als 70.000 Tonnen seien die Schlösser nicht der Rede wert – so lange sie die Wartungsarbeiten nicht behinderten und nicht auf den Gehweg oder in den Gleisbereich hineinragten.

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