Grafikstrecke Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Wirtschaftsmacht China

Die aktuellen Wirtschaftsdaten der Volksrepublik versinnbildlichen geradezu exemplarisch das Yin und Yang, ein Begriffspaar aus der chinesischen Philosophie: Yang, nämlich stark, ist das Land deshalb, weil es rund ein Drittel zum globalen Wachstum beiträgt und inzwischen die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ist.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die aktuellen Wirtschaftsdaten der Volksrepublik zeigen ein starkes Land, da es zum globalen Wachstum beiträgt und inzwischen die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ist.
  • Exportweltmeister ist China schon länger, wobei sich die Struktur seiner Ausfuhren in den vergangenen 20 Jahren stark verändert hat.: statt billiger Bekleidung exportiert China mehr und mehr Hochtechnologie.
  • Um das chinesische Wachstum stabiler und krisenfester zu machen, soll vor allem der inländische Konsum gestärkt werden.
Zur detaillierten Fassung

Bewertet man das Bruttoinlandsprodukt in Kaufkraftparitäten, wird der bevölkerungsreichste Staat der Erde sogar noch in diesem Jahr die Nummer eins - und stößt damit die jahrzehntelang führende Wirtschaftsmacht USA vom Thron.

Exportweltmeister ist China schon länger, wobei sich die Struktur seiner Ausfuhren in den vergangenen 20 Jahren stark verändert hat. Statt billiger Bekleidung exportiert China mehr und mehr Hochtechnologie.

Allerdings stammt häufig nur ein Teil der chinesischen Smart-Phones und Tablets tatsächlich aus dem Reich der Mitte, denn in vielen Produkten stecken mittlerweile importierte Vorprodukte, die von chinesischen Arbeitern nur noch zusammengefügt werden. Die Exporte tragen deshalb immer weniger zur inländischen Wertschöpfung bei.

Und damit wären wir beim Yin, der Schwäche der chinesischen Wirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt wird dieses Jahr wohl nur um 7,5 Prozent zulegen, ein für China schwacher Wert. Die Exportzahlen gehen zurück, unter anderem deshalb, weil die Produktionskosten in China seit mehreren Jahren steigen. Die Lohnkosten sind mittlerweile in einigen Regionen der Volksrepublik so hoch, dass selbst chinesische Unternehmen ihre Fabriken lieber in Vietnam oder auf den Philippinen betreiben. Heimische Standorte werden deshalb verkleinert oder gleich ganz dichtgemacht. Auch für deutsche Investoren sind Kostenersparnisse nur noch selten ein hinreichender Grund, Produktionsstätten in China zu eröffnen.

Um das chinesische Wachstum stabiler und krisenfester zu machen, soll vor allem der inländische Konsum gestärkt werden. Er trägt derzeit ein Drittel zur Wirtschaftsleistung bei, in Deutschland sind es fast zwei Drittel. Die Regierung in Peking will die Binnennachfrage mittels massiver Urbanisierung ankurbeln.

Bis 2025 sollen rund 250 Millionen Menschen in die Metropolen ziehen, die dann zusätzlichen Wohnraum, Schulen, Straßen und andere milliardenschwere Infrastrukturprojekte für ihre neu zugezogenen und produktiven Bewohner bieten müssen. Zu diesem „Bevölkerungskonjunkturprogramm“ zählt auch die Lockerung der Ein-Kind-Politik: Künftig soll es Paaren unter bestimmten Bedingungen erlaubt sein, zwei Kinder zu bekommen. Analysten rechnen mit rund 1,3 Millionen zusätzlichen Geburten pro Jahr. Ob der chinesische Baby-Boom allerdings den Konsum so stimuliert, wie erhofft, ist ungewiss – schließlich bedeuten 1,3 Millionen in China nur ein Plus von einem Tausendstel.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de