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Wirtschaft macht 2,5 Milliarden Euro locker

Zum zweiten Mal haben das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ermittelt, mit wie viel Geld und welchen Zielen die Unternehmen die Ausbildung an den Hochschulen fördern. Offenbar setzen die Betriebe vor allem auf die direkte Unterstützung junger Studenten sowie auf die akademische Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter.

Kernaussagen in Kürze:
  • Betriebe setzen vor allem auf die direkte Unterstützung junger Studenten sowie auf die akademische Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter.
  • Im Jahr 2012 haben deutsche Firmen mehr als 2,5 Milliarden Euro in die akademische Bildung investiert – das sind 15 Prozent mehr als 2009.
  • Für neun von zehn Unternehmen ist die gelungene Verknüpfung von Theorie und Praxis der wichtigste Aspekt bei ihrer Investitionsentscheidung.
Zur detaillierten Fassung

Sie stellen Praktikumsplätze zur Verfügung, vergeben Stipendien, finanzieren Studiengänge und Professuren: Unternehmen unterstützen die Ausbildung an den Unis und Fachhochschulen nicht nur auf vielfältige Weise, sie machen auch Jahr für Jahr mehr Geld dafür locker (Grafik):

Im Jahr 2012 haben deutsche Firmen mehr als 2,5 Milliarden Euro in die akademische Bildung investiert – das sind 15 Prozent mehr als 2009.

Damit wenden die Betriebe fast doppelt so viel Geld für die Hochschullehre und die Studenten auf wie für die universitäre Forschung und Entwicklung, so das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Es ist die zweite Erhebung dieser Art, erstmals hatten die beiden Institutionen das Volumen der unternehmerischen Investitionen in die akademische Bildung für 2009 ermittelt.

Die Firmen nehmen mittlerweile nicht nur deutlich mehr Geld in die Hand als vor ein paar Jahren, sie verteilen es auch anders als früher: Heutzutage investieren die Unternehmen insbesondere in die Verzahnung von beruflicher Praxis und akademischer Bildung. Davon profitieren unmittelbar vor allem die Studenten:

  1. Der größte Teil der Investitionen – nämlich 948 Millionen Euro - fließt in die Förderung der dualen Studiengänge. Rund 65.000 Studenten, die die Unternehmenspraxis mit einem akademischen Studium verbinden, haben die Firmen im vergangenen Jahr unterstützt – mit durchschnittlich 14.577 Euro. Abgedeckt werden damit die Ausbildungs- oder Praktikumsvergütung, die Hochschulgebühren sowie die Personalkosten, die im Zusammenhang mit der Betreuung des Nachwuchses entstehen.
  1. Mehr als 640 Millionen Euro wendeten die Unternehmen 2012 für die Beschäftigung von Praktikanten auf, das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber 2009. Die Betriebe öffneten damit im vergangenen Jahr fast 250.000 Praktikanten ihre Türen und trugen so auch der Tatsache Rechnung, dass mittlerweile jeder zweite Bachelorstudent ein Pflichtpraktikum außerhalb der Hochschule absolvieren muss.
  1. Doch nicht nur Externe, auch lernwillige Mitarbeiter konnten sich 2012 über das finanzielle Engagement ihrer Arbeitgeber freuen: Mit 326 Millionen Euro finanzierten die Unternehmen 2012 Studiengebühren und Freistellungen von fast 50.000 studierenden Mitarbeitern.
  1. Die Zahl der Stipendiaten ist seit 2009 um 63 Prozent auf nunmehr 10.000 gestiegen, die Betriebe unterstützten sie zuletzt mit insgesamt 45 Millionen Euro. Zwei von drei Unternehmen setzen dabei auf das Deutschlandstipendium, bei dem sich der Staat zur Hälfte an der Förderung beteiligt.

Insgesamt investieren die Unternehmen mehr als 80 Prozent ihres Budgets für die akademische Bildung in Köpfe, knapp 20 Prozent fließen in Gebäude und Ausstattung der Hochschulen, zum Beispiel in Messgeräte, Testfahrzeuge und Bücher. Vor vier Jahren sah das noch anders aus. Damals gaben die Betriebe fast 30 Prozent der Investitionssumme für die Verbesserung der Rahmenbedingungen an den Unis und FHs aus.

Ein Grund dieser Veränderung ist, dass die Unternehmen wegen des demografischen Wandels verstärkt darauf achten, wie sie ihre Rekrutierungsmöglichkeiten verbessern können. Die Betriebe sind auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen, allein im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) tut sich bis 2020 voraussichtlich eine Lücke von 100.000 Akademikern auf. Vor allem deshalb fördert bereits jedes vierte Unternehmen in Deutschland duale Studiengänge, denn diese Form der Ausbildung ermöglicht es ihnen, zukünftige Absolventen bereits nach dem Abschluss der Schule anzusprechen und diese Kandidaten frühzeitig an sich zu binden.

Fast genauso wichtig ist es den Firmen, die Studenten auf den konkreten Berufsalltag vorzubereiten. Die Unternehmen erwarten, dass Hochschulabsolventen in der Lage sind, das theoretische Wissen auf Problemstellungen der Praxis anzuwenden (Grafik):

Für neun von zehn Unternehmen, die sich in der akademischen Ausbildung finanziell engagieren, ist die gelungene Verknüpfung von Theorie und Praxis sogar der wichtigste Aspekt bei ihrer Investitionsentscheidung.

Knapp acht von zehn Betrieben liegt überdies daran, dass das Lehrangebot verstärkt so organisiert wird, dass man es auch parallel zum Beruf nutzen kann. Besonders wichtig ist den Firmen deshalb die vermehrte Einführung von berufsbegleitenden Masterstudiengängen. Derzeit sind erst 18 Prozent der mehr als 7.000 Masterstudiengänge in Deutschland zeitlich flexible Angebote, von den rund 7.500 Bachelorstudiengängen lassen sich sogar nur 13 Prozent „nebenher“ studieren.

Relevant für die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sind darüber hinaus die Kooperationsmöglichkeiten zwischen der Hochschule und dem Betrieb, die Anrechnungsmöglichkeiten von Leistungen beruflich qualifizierter Mitarbeiter auf ein Studium sowie passgenaue Weiterbildungsangebote der Unis und FHs.

Bislang konnten die Hochschulen den Wunsch nach einer praxisverbundeneren Hochschulausbildung noch nicht rundum erfüllen: Im Durchschnitt gaben die Betriebe den investitionsentscheidenden Aspekten der akademischen Bildung lediglich die Schulnote 3,2. Am besten – mit einer 2,9 - schneidet noch die Internationalität des heimischen Lehrangebots ab. Allerdings spielt dieser Aspekt für die meisten Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle.

Christiane Konegen-Grenier / Mathias WindeBildungsinvestitionen der Wirtschaft 2012, Essen 2013www.iwkoeln.de/hochschulfinanzierung

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