IW-Konjunkturprognose Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Wirtschaft im Stop-and-go-Modus

Kriege, Krisen, Konjunkturflauten: Die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen sowohl inner- als auch außerhalb der Bundesrepublik sorgen dafür, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur um knapp 1 ½ Prozent wächst. Auch 2015 wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um gut 1 ½ Prozent zulegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Kriege, Krisen, Konjunkturflauten: Die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen sowohl inner- als auch außerhalb der Bundesrepublik sorgen dafür, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nur um knapp 1,5 Prozent wächst.
  • Es mangelt an umfangreichen öffentlichen Investitionen – etwa im Straßenbau –, und auch die neuen Arbeitsmarktgesetze der Großen Koalition – Stichwort Mindestlohn – belasten den Wirtschaftsstandort.
  • Die Kauflust der Bundesbürger sowie steigende Lohnstückkosten, die wiederum für steigende Importe von Vorleistungsgütern aus dem Ausland sorgen, führen zu einer höheren Einfuhrdynamik.
Zur detaillierten Fassung

Die Ukraine-Krise, Kriege im Nahen und Mittleren Osten, Uneinigkeit und Abspaltungstendenzen in Europa – das wirtschaftliche Umfeld war schon mal besser. Und auch in Deutschland selbst fehlt es an klaren und investitionsfreundlichen wirtschaftspolitischen Weichenstellun­gen: Es mangelt an umfangreichen öffentlichen Investitionen – etwa im Straßenbau –, und auch die neuen Arbeitsmarktgesetze der Großen Koalition – Stichwort Mindestlohn – belasten den Wirtschaftsstandort.

All diese Unsicherheiten führen dazu, dass Investitionen in Deutschland derzeit eher Mangelware sind. Dass die deutsche Wirtschaft dennoch moderat wächst, ist zu einem guten Teil der Konsumfreude der Bürger zu verdanken: Bei extrem niedrigen Zinsen und relativ sicheren Jobs geben die Deutschen ihr Geld lieber aus, als es auf die Seite zu legen (Grafik). Entwicklung der Sparquote privater Haushalte

Die wichtigsten Indikatoren der IW-Konjunkturprognose im Detail:

  1. Der deutsche Außenhandel dürfte sich angesichts der nur langsam anziehenden Weltwirtschaft und der ebenfalls nur zögerlichen Erholung in Europa moderat entwickeln (Tabelle):

Gesamtwirtschaftliche Daten Deutschlands

Die realen Exporte von Waren und Dienstleistungen werden im Jahr 2014 um 3 ½ Prozent zulegen, 2015 ist ein Plus von 5 Prozent drin.

Die Kauflust der Bundesbürger sowie steigende Lohnstückkosten, die wiederum für steigende Importe von Vorleistungsgütern aus dem Ausland sorgen, führen zu einer höheren Einfuhrdynamik. Die realen Importe werden 2014 um 4 ½ Prozent und 2015 um 5 ¾ Prozent steigen. In diesem Jahr wird der Außenbeitrag das BIP-Wachstum leicht bremsen, im kommenden Jahr heben sich die Beiträge aus Ex- und Importen gegenseitig auf.

  1. Nachdem sich die Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland zwischen dem ersten Quartal 2013 und dem ersten Quartal 2014 erholt hatten, stocken sie seitdem. Eine anhaltende Schwäche ist vor allem bei der Anschaffung neuer Maschinen und Geräte zu beobachten. Trotz der güns­tigen Finanzierungsbedingungen halten sich die Unternehmen mit Investitionsplänen eher zurück, Grund sind die seit Jahresbeginn eingetrübten Geschäftserwartungen.

Die Ausrüstungsinvestitionen werden dieses Jahr – bedingt durch den hohen Überhang aus 2013 – noch um gut 3 ¾ Prozent zulegen, im nächsten Jahr wird die Steigerung mit knapp 3 Prozent moderater ausfallen.

Auftrieb gibt es bei den Bau­investitionen. Im vergangenen Jahr gaben sie real noch leicht nach (- 0,1 Prozent), 2014 werden sie um 3 ¾ Prozent zulegen, im nächsten Jahr immerhin noch um 2 ¾ Prozent. Treiber sind vor allem der Wohnungs- und der öffentliche Bau. Vom Gewerbebau sind aufgrund der stockenden unternehmerischen Investitionen nicht ganz so starke Impulse zu erwarten.

  1. Der Arbeitsmarkt zeigt sich nach wie vor in guter Verfassung. Im Jahr 2013 gab es in Deutschland annähernd 42,3 Millionen Erwerbstätige, das waren fast 3 Millionen mehr als im Jahr 2005.

Im Jahr 2014 wird es mehr als 300.000 neue Beschäftigte geben, das entspricht einer Zunahme von ¾ Prozent. Dieser Trend wird sich 2015 mit weiteren 270.000 zusätzlichen Erwerbstätigen fortsetzen.

Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen werden von dieser Beschäftigungsentwicklung allerdings kaum profitieren. Zwar dürfte die Arbeitslosenquote 2015 geringfügig sinken – von aktuell 6 ¾ Prozent auf 6 ½ Prozent –, gleichwohl werden im Jahresdurchschnitt fast 2,9 Millionen Menschen keine Arbeitsstelle finden.

  1. Der private Konsum bleibt die zentrale Stütze der deutschen Wirtschaft. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, eine niedrige Inflationsrate sowie die niedrige Sparquote treiben die Konsumausgaben in Deutschland nach oben. Sowohl 2014 als auch 2015 werden die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte um jeweils 1 Prozent zulegen. Die Verbraucher werden damit in beiden Jahren einen Anteil von rund ½ Prozentpunkt zum BIP-Wachstum beitragen.

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