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Wirtschaft auf der Kippe

Die russische Wirtschaft hat seit der globalen Wirtschaftskrise nicht wieder richtig Fuß gefasst. Nun aber kommt schon die nächste, hausgemachte Bedrohung: Die Krimkrise schreckt internationale Investoren ab.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die russische Wirtschaft hat seit der globalen Wirtschaftskrise nicht wieder richtig Fuß gefasst.
  • Die Krimkrise schreckt internationale Investoren ab.
  • Die Drohung, auf ein Embargo gegen Russland mit der Enteignung westlicher Firmen zu reagieren, verschreckt internationale Investoren.
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Die Weltwirtschaftskrise im Jahr 2009 hatte die russische Wirtschaft hart getroffen. Nachdem die Wirtschaftsleistung damals um beinahe 8 Prozent einbrach, sieht es jetzt für die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt erneut düster aus.

Dabei hatte alles ganz gut begonnen. Präsident Putin konnte nach seiner Wahl im Jahr 2000 die politische Situation stabilisieren und die Wirtschaft auf Wachstumskurs bringen. Innerhalb von nur acht Jahren hatte sich das kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-Einkommen der Russen mehr als verdoppelt. Trotzdem war es zuletzt mit 17.500 Dollar lediglich halb so hoch wie in Deutschland.

Gleichzeitig ist die Armut deutlich zurückgegangen. In Russland müssen heute 17 Millionen Menschen mit umgerechnet weniger als 5 Dollar am Tag auskommen, zu Beginn der 2000er Jahre waren es noch 75 Millionen Menschen.

Die jüngste Entwicklung zeigt allerdings, dass das von Putin verfolgte Modell des Staatskapitalismus nicht nachhaltig ist. Im Jahr 2013 ist die russische Wirtschaft nur um magere 1,3 Prozent gewachsen, und eine Besserung ist nicht in Sicht. Denn der Transformationsprozess kommt nicht mehr voran – im Gegenteil: Die Privatwirtschaft wird verdrängt und es wird nicht genügend investiert – angefangen von der Infrastruktur über die Bildung bis hin zur Forschung und Entwicklung. Und:

Die Drohung, auf ein Embargo gegen Russland mit der Enteignung westlicher Firmen zu reagieren, verschreckt internationale Investoren.

In einem Bereich ist die russische Wirtschaft allerdings stark. Reichlich ausgestattet mit natürlichen Ressourcen ist sie zu einem der weltweit wichtigsten Exporteure von Gas, Rohöl etc. geworden: Auf Rohstoffe entfielen im Jahr 2012 über 70 Prozent der russischen Exporte.

Der Wertschöpfungsanteil der Industrie einschließlich des Energiesektors betrug 2012 rund 30 Prozent (Deutschland: 26 Prozent). Das Verarbeitende Gewerbe allein macht indes nur 15 Prozent der Wertschöpfung aus (22 Prozent).

Wie wichtig Öl und Gas für die russische Wirtschaft sind, spiegelt sich auch in den deutschen Importen aus Russland wider (Grafik): Nahezu 60 Prozent entfallen auf Rohöl. Russland ist der mit Abstand größte Öllieferant Deutschlands. Zudem kommen 40 Prozent der deutschen Gasimporte aus dem Osten – ein Großteil über ukrainische Pipelines.

Gesamte Ex- und Importe Russlands. Bodenschätze waren auch ein wesentlicher Treiber der bisherigen Einkommensdynamik in Russland. Doch die einseitige Abhängigkeit von Rohstoffexporten kann auch zu einer schweren Last werden. Mit der weltweiten Konjunkturflaute ist die Nachfrage nach Energieprodukten zurückgegangen, was das russische Wirtschaftswachstum schnell geschmälert hat. Sollten die Gas- und Ölexporte im Zuge der Krimkrise abermals einbrechen, hätte Russland erneut ein Wachstumsproblem.

Auch Deutschland kann an einer Zuspitzung der Lage kein Interesse haben. Mit einem Anteil von 9 Prozent ist es für Russland der zweitwichtigste Importgüterlieferant.

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