Kraftstoffpreise Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Wirkungslose Steuern

Seitdem Benzin und Diesel immer billiger werden, diskutiert die Politik über höhere Energiesteuern. So soll angeblich verhindert werden, dass günstigere Preise zu mehr Verbrauch und CO2-Ausstoß führen. Doch diese Gefahr ist gering.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im April dieses Jahres kostete ein Liter Diesel oder Superbenzin in Deutschland ungefähr so viel wie vor gut zehn Jahren. Deshalb denkt die Politik laut über höhere Kraftstoffsteuern – insbesondere auf Diesel – nach.
  • Angeblich besteht die Gefahr, dass Autofahrer die sinkenden Preise an der Zapfsäule nutzen, um deutlich mehr zu fahren.
  • Tatsächlich aber ist die gesamte Fahrleistung der privaten Haushalte trotz erheblicher Preissprünge seit 2005 nur um 4 Prozent gestiegen
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Seit Ende 2014 fallen die Kraftstoffpreise. Vor kurzem kostete ein Liter Diesel oder Superbenzin in Deutschland ungefähr so viel wie vor gut zehn Jahren. Die Politik nimmt diese Entwicklung zum Anlass, über höhere Kraftstoffsteuern – insbesondere auf Diesel – nachzudenken.

Steckt dahinter der unstillbare Hunger des Staates nach höheren Steuereinnahmen? Immerhin spült der Kraftstoffverkauf dem Bund derzeit (2014) rund 35 Milliarden Euro in die Kasse, gut 22 Milliarden Euro kommen von den privaten Haushalten.

Tatsächlich begründet die Politik ihre Idee mit dem Schutz der Umwelt – angeblich besteht die Gefahr, dass Autofahrer die sinkenden Preise an der Zapfsäule nutzen, um deutlich mehr zu fahren. Zudem gibt es die Befürchtung, dass mehr verbrauchsstarke Autos, zum Beispiel SUVs, gekauft werden.

Das klingt plausibel, hat aber mit der Wirklichkeit wenig zu tun. Denn schaut man sich die Entwicklung der Kraftstoffpreise und des gesamten Kraftstoffverbrauchs – als Indiz für die Fahrleistung – seit 2005 an, zeigt sich, dass die Verbraucher kaum auf die Preisachterbahn reagiert haben.

Die gesamte Fahrleistung der privaten Haushalte ist seit 2005 langsam und kontinuierlich gewachsen – insgesamt um etwa 4 Prozent.

Dem standen allerdings stark schwankende Kraftstoffpreise gegenüber (Grafik):

Im Jahresdurchschnitt 2012 war ein Liter Diesel annähernd 40 Prozent teurer als im Jahr 2005 – im vergangenen Jahr kostete Diesel wiederum gut 20 Prozent weniger als 2012.

Ähnliche Preissprünge gab es beim Superbenzin, dessen Anteil am gesamten Kraftstoffverbrauch übrigens seit Jahren zurückgeht. Der Dieselanteil legt dagegen zu, da immer mehr Autofahrer die Vorteile der modernen Dieseltechnik nutzen.

Stark schwankende Preise, fast konstanter Verbrauch – Ökonomen bezeichnen das als geringe Preiselas­tizität der Kraftstoffnachfrage. Und dafür gibt es gute Gründe: Der wohl wichtigste ist, dass die meisten Fahrten aus Sicht der Haushalte alternativlos sind, beispielsweise die Wege zur Arbeit und zurück.

Aber auch das Konsumverhalten spielt eine Rolle. So tankt gut die Hälfte der Fahrer immer dann, wenn die Tankanzeige auf Reserve steht, egal wie hoch der Preis gerade ist.

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