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„Wir sparen Zeit und die Verbraucher Geld“

Arndt G. Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Kirchhoff Gruppe, steht einem Familienunternehmen vor, das rund 10.000 Mitarbeiter in zwölf Ländern beschäftigt. Kirchhoff ist Zulieferer für die internationale Automobilindustrie und ein Befürworter des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP.

Kernaussagen in Kürze:
  • Arndt G. Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter des Automobilzulieferers Kirchhoff, spricht sich klar für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP aus.
  • Durch die geplante Vereinheitlichung von Standards würden dringend benötigte Ingenieurskapazitäten frei.
  • Kirchhoff begrüßt zudem den Investorenschutz, um Ansprüche gegen willkürliche staatliche Änderungen des Rechtsrahmens geltend machen zu können.
Zur detaillierten Fassung

Ich bin für den Investorenschutz, denn wenn ich in einem anderen Land investiere, dann tue ich das aufgrund eines Rechtsrahmens, auf den ich mich verlasse.

Herr Kirchhoff, Sie haben mal gesagt, wenn TTIP kommt, würde dies ein Fünftel der Ingenieurkapazitäten in Ihrem Unternehmen befreien. Werden Sie diese Mitarbeiter entlassen?

Natürlich nicht! Wir haben ja einen chronischen Mangel an Ingenieuren und wir brauchen sie dringend, um die vielen kleinen Erfindungen zu machen, die am Ende in Produkte eingehen, mit denen wir auf den Weltmärkten Erfolg haben. Im Moment haben diese Ingenieure aber doppelte Arbeit, nur weil wir in Europa und Amerika unterschiedliche Normen haben.

Sie sind doch bereits mit sieben Standorten in den USA präsent, wo Sie direkt für den amerikanischen Markt produzieren. Da fällt dann gar keine Doppelarbeit mehr an, oder?

Doch, wir produzieren in Amerika, wenn auch unter einem anderen Namen, den gleichen Golf und den gleichen Opel Astra wie hier in Europa, die Autos sind nur anders konstruiert und werden anders getestet. Aber wir dürfen sie nicht nach Europa exportieren. Dasselbe gilt umgekehrt für in Europa hergestellte Autos, die wir nicht nach Amerika ausführen können, es sei denn, wir bauen sie für den US-Markt um. De facto führen die unterschiedlichen Normen und Standards dazu, dass wir das gleiche Auto zweimal konstruieren.

Was würde ein Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA in Ihrem Unternehmen konkret verändern?

Zunächst einmal würden wir die Zeit der Mitarbeiter, die sie heute mit Doppelarbeiten verbringen, anders verplanen. Unsere Ingenieure hätten dann beispielsweise mehr Zeit für die Entwicklung. Zweitens würden wir schauen, welche Produkte wir nach dem Wegfall der Zölle konkurrenzfähig für den amerikanischen Markt bauen können. Wir würden insgesamt ein kostengünstigeres Produkt erreichen, denn der Verbraucher zahlt die Doppelarbeit ja mit, die wir heute aufgrund der unterschiedlichen Standards leisten müssen.

Würde das Jahresergebnis Ihres Unternehmens nicht auch von TTIP profitieren?

Es könnte schon sein, dass wir unser Ergebnis steigern – immer vorausgesetzt, dass wir unsere Mitarbeiter besser einsetzen können.

Fürchten Sie sich nicht vor der amerikanischen Konkurrenz?

Wenn Zölle fallen, dann gilt das ja für beide Seiten. Wir wollen alle mehr absetzen, auch die Konkurrenz. Aber wir möchten unser Geschäft nicht mithilfe von Protektionismus betreiben, das ist niemals im Interesse der Wirtschaft.

Was würde denn ein heutiges 35.000-Euro-Auto kosten, wenn TTIP in Kraft wäre?

Ein in Deutschland hergestelltes Auto würde immer noch 35.000 Euro kosten. Wenn das Auto aus Amerika kommt und bisher mit 10 Prozent Zoll belegt wird, würde dieses Auto 10 Prozent günstiger.

Wie stehen Sie zu dem umstrittenen Investorenschutz, der es ausländischen Unternehmen ermöglicht, eine Regierung zu verklagen?

Ich bin für den Investorenschutz, denn wenn ich in einem anderen Land investiere, dann tue ich das aufgrund eines Rechtsrahmens, auf den ich mich verlasse. Wenn dieser Rechtsrahmen aber plötzlich nicht mehr gilt und mein Geschäftsmodell behindert, muss es eine Möglichkeit geben, wie ich meine Ansprüche dort geltend machen kann.

Gehören neue Gesetze oder Auflagen, die ein Staat erlässt, nicht zum unternehmerischen Risiko?

Nein, das Unternehmen trägt nur das Marktrisiko. Doch wenn der Staat die Spielregeln ändert, dann wird es problematisch.

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