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„Wir sind anfällig für Schocks aus den Vereinigten Staaten“

Kaum einer konnte sich vorstellen, dass Donald Trump tatsächlich der neue US-Präsident wird. Doch die Welt wird sich auch mit Trump weiterdrehen – und am schnellsten wohl in der Wirtschaft. iwd.de hat mit der Außenwirtschaftsexpertin im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Galina Kolev, über mögliche Konsequenzen der Wahl gesprochen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Wirtschaftspolitik des designierten US-Präsidenten Donald Trump ist auf die Schaffung von Arbeitsplätzen ausgerichtet – und wird voraussichtlich sehr protektionistisch angelegt sein.
  • Die IW-Außenwirtschaftsexpertin Galina Kolev befürchtet im Interview, dass das Freihandelsabkommen TTIP nicht mehr kommen wird.
  • Für die deutsche Wirtschaft heißt das nichts Gutes – Hoffnung besteht allenfalls darin, dass Experten an Trumps Seite die Wirtschaftspolitik der USA in vernünftige Bahnen lenken.
Zur detaillierten Fassung

Frau Kolev, Donald Trump wird neuer Präsident der USA. Welche Ziele verfolgt er für die wirtschaftliche Entwicklung seines Landes?

Trump will vor allem Arbeitsplätze schaffen. Im Wahlkampf hat er ein Arbeitsmarktwunder versprochen. Er möchte jene Jobs in die USA zurückholen, die seiner Meinung nach in den letzten Jahrzehnten unter anderem durch Freihandelsabkommen aus den Vereinigten Staaten abgewandert sind, vornehmlich nach Mexiko und China. Dabei hat die Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe der USA wenig mit Freihandelsabkommen zu tun. Denn der Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung ist bereits vor dem Inkrafttreten von NAFTA, dem Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko, drastisch gesunken. Es sind vor allem Unterschiede in den Produktionskosten, die diese Entwicklung gefördert haben – etwa das niedrige Lohnniveau in China und Mexiko. Trump will nun auf Handelsbarrieren und Isolation setzen. Das wird die Effizienz der amerikanischen Wirtschaft aber senken.

Welche Maßnahmen will Trump wirtschaftspolitisch zusätzlich ergreifen?

Er hat große Steuererleichterungen für Firmen versprochen. Fraglich ist, wie er diese finanzieren will. Mit Hilfe des Kongresses, in dem die Republikaner die Mehrheit der Stimmen besitzen, kann Trump zwar den Finanzrahmen erhöhen. Ob die Märkte diese Art der Finanzierung lange dulden – gerade unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen - darf man bezweifeln.

Bedeutet seine abwehrende Haltung gegenüber der Globalisierung auch das Ende für TTIP?

Ja. Denn auch wenn Trump noch nicht im Amt ist, machen weitere Verhandlungen nun wenig Sinn. Der designierte US-Präsident setzt auf Isolation statt auf Integration. Vielleicht wird zu einem späteren Zeitpunkt nochmals über TTIP gesprochen. Trump wird aber ganz andere Forderungen im Verhandlungsprozess setzen.

Was bedeutet der Wahlausgang für die deutsche Wirtschaft?

Die USA sind Deutschlands wichtigster Exportpartner. Fast zehn Prozent des Umsatzes werden dort erzielt, in der Automobilindustrie machen die USA sogar 15 Prozent der Gesamtexporte aus. Man muss bedenken, dass das Exportgeschäft kein Selbstläufer ist. Wenn die US-Wirtschaft stocken sollte, bedeutet das nichts Gutes für Deutschland. Wir sind anfällig für Schocks aus den Vereinigten Staaten. Erst mal gilt jetzt business as usual und Abwarten. Ob Trump seine Pläne auch in die Tat umsetzen kann, ist ungewiss. Vielleicht können andere Politiker ihn beeinflussen und zu vernünftigen Entscheidungen führen.

Was lehrt uns das Wahlergebnis in den USA?

Die gedämpfte Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahren hat es nötig gemacht, nach neuen Lösungen zu suchen. Das haben wir beim Brexit gesehen, das sehen wir bei dem Vormarsch der AFD in Deutschland und jetzt bei den US-Wahlen. Die Menschen sind risikofreudiger geworden. Sie entscheiden sich für Ungewissheit statt Kontinuität und versprechen sich davon, neue Ideen, die die Welt verbessern können. Für die etablierten Parteien bedeutet dies, dass sie diese Strömungen ernst nehmen müssen. Ihr Kurs muss weg von Konventionen hin zu einer innovativen Wirtschaftspolitik führen.

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