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„Wir bilden unsere Fachkräfte meistens selbst aus“

Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu finden. Vor allem Mittelständler auf dem Land tun sich mit der Personalsuche häufig schwer. Nicht so Andreas Karl, Geschäftsführer der Andreas Karl GmbH im oberbayerischen Fahrenzhausen. Der Familienunternehmer, der weltweit nachgefragte Arbeitsplatzsysteme produziert, offeriert sogar Wohnhäuser auf dem Werksgelände.

Kernaussagen in Kürze:
  • Andreas Karl, Geschäftsführer der Andreas Karl GmbH im oberbayerischen Fahrenzhausen, leitet das Familienunternehmen seit 20 Jahren.
  • Neue Facharbeiter bildet das Unternehmen häufig selbst aus. Die Azubis haben die Firma oft schon vorher im Rahmen von Schülerpraktika kennengelernt.
  • Um neue Mitarbeiter aus anderen Regionen zu gewinnen, hilft das Unternehmen unter anderem bei der Jobsuche für den Partner und bei der Wohnungssuche.
Zur detaillierten Fassung

Wie viele Stellen sind bei Ihnen in der Firma gerade nicht besetzt?

Wir haben fünf freie Stellen, vor allem im technischen Bereich. Konkret suchen wir beispielsweise Industriemechaniker, die auch für vier bis sechs Wochen im Jahr im In- und Ausland auf Montage gehen. Gerade für junge Facharbeiter sind wir als mittelständisches Unternehmen allerdings nicht sehr attraktiv, die arbeiten lieber bei BMW oder am Flughafen.

Wie und wo suchen Sie denn nach neuen Mitarbeitern?

Wir schalten Stellenanzeigen im Internet und in Printmedien, wir geben unsere offenen Stellen an die Jobbörse der Arbeitsagentur weiter und wir versuchen, über unser eigenes Personal neue Mitarbeiter zu gewinnen.

Und womit sind Sie besonders erfolgreich?

Wenn es um Facharbeiter geht, sind wir mit der eigenen Ausbildung am erfolgreichsten. Wir haben hier am Standort Fahrenzhausen rund 160 Mitarbeiter, davon sind immerhin 10 Prozent Auszubildende. Viele unserer Azubis entwickeln eine Bindung zum Unternehmen und bleiben nach der Ausbildung lange bei uns.

Wenn es um die Gewinnung von Facharbeitern geht, sind wir mit der eigenen Ausbildung am erfolgreichsten.

Diesen Herbst konnten 49.000 Lehrstellen in Deutschland nicht besetzt werden, bei Ihnen haben vier neue Azubis angeheuert. Wie haben Sie das geschafft?

Viele unserer Auszubildenden haben vorher ein Schülerpraktikum bei uns absolviert. Außerdem haben wir immer wieder Azubis, deren Onkel oder Tante hier bei uns arbeitet.

Andreas Karl, Geschäftsführer der Andreas Karl GmbH. Foto: Claudia Reiter Sie vermieten fünf Reihenhäuser an Angestellte. Glauben Sie, es gibt Mitarbeiter, die nur deshalb bei Ihnen arbeiten?

Ich kann es mir vorstellen, denn wir sind schließlich in einer Region ansässig, wo es fast unerschwinglich ist, mit einem normalen Einkommen Eigentum zu erwerben. Deshalb führen wir für die Werkshäuser auch eine Warteliste, auf der aktuell vier Interessenten stehen.

Was machen Sie sonst noch so, um Bewerber von Ihrem Unternehmen zu überzeugen?

Wenn wir neue Mitarbeiter aus weiter entfernten Gebieten gewinnen wollen, helfen wir auch schon mal bei der Jobsuche für den Partner. Da ich Zweiter Bürgermeister bin und im Arbeitgeberverband, kenne ich glücklicherweise viele Betriebe in der Gegend. So konnte ich vor kurzem für die Ehefrau eines unserer Vertriebsmitarbeiter einen Halbtagsjob im Büro organisieren. Da die beiden aus Nordbayern kamen, haben wir außerdem auch bei der Wohnungssuche geholfen.

Ihr Betrieb steht unter Fachkräftegesichtspunkten an einem schwierigen Standort. Haben Sie schon mal daran gedacht, nach München umzusiedeln?

Wir sind ein Familienbetrieb und ich führe das Unternehmen seit 20 Jahren, seitdem gab es solche Überlegungen sicherlich nicht. Logistisch liegen wir prima, denn mit der Nähe zum Flughafen, zu München und zur A9 sind wir relativ gut erreichbar. Und was auch nicht unwichtig ist: Hier in Fahrenzhausen ist es noch recht ländlich, das beschert uns einen hohen Freizeitwert.

 

Weitere Infos

Wie der vom Fachkräftemangel besonders betroffene Kreis Freising in Bayern, in dem auch die Firma Karl ansässig ist, versucht, Arbeitskräfte zu gewinnen, lesen Sie auf der Webseite des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung

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