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Windige Zeiten

Vor 25 Jahren ging in Deutschland der erste kommerzielle Windpark in Betrieb. Seither hat sich diese Energiequelle nicht nur als wesentlicher Bestandteil der Stromversorgung etabliert. Die Herstellung und der Betrieb der Anlagen sind ein gewichtiger Wirtschaftszweig und schaffen Jobs.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor 25 Jahren ging in Deutschland der erste kommerzielle Windpark in Betrieb.
  • Aktuell decken die Windparks den Strombedarf von gut 13 Millionen Drei-Personen-Haushalten.
  • Heutige Spitzenanlagen leisten hundert Mal mehr als jene, die vor 25 Jahren errichtet wurden.
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Der erste deutsche Windpark an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste kam 1987 mit 32 Anlagen auf eine Leistung von 0,5 Megawatt und konnte etwa 200 Drei-Personen-Haushalte mit Strom versorgen. Nur drei Jahre später erzeugten die deutschen Windkraftanlagen bereits 71 Gigawattstunden Strom (Grafik).

Aktuell decken die Windparks den Strombedarf von gut 13 Millionen Drei-Personen-Haushalten. So konnten rund 9 Prozent des verbrauchten Stroms im ersten Halbjahr 2012 durch Windkraft gewonnen werden.

Auch die Technologie zur Stromerzeugung aus Wind hat sich rasant entwickelt. In den 1980er Jahren waren die Anlagen rund 30 Meter hoch – die Nabe heutiger Anlagen liegt häufig auf mehr als 100 Metern, manche erreichen über 160 Meter Höhe. So weit oben kann mehr Wind „geerntet“ werden. Zudem kann mit der Nabenhöhe der Durchmesser des Rotors wachsen. Somit lohnen sich die Anlagen auch fernab der windreichen Küstenregionen.

Heutige Spitzenanlagen leisten hundert Mal mehr als jene, die vor 25 Jahren errichtet wurden.

Die weltgrößte Serienanlage eines deutschen Herstellers bringt es auf 7,5 Megawatt bei einer stolzen Höhe von 200 Metern. Sonst erreichen nur Windräder auf dem Meer eine vergleichbare Leistung, diese aber ist für Landstandorte konzipiert.

Die einstige Branche für Bastler und Tüftler hat sich damit zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. In Deutschland beschäftigt die Windenergie-Industrie aktuell mehr als 100.000 Mitarbeiter. Die Hersteller setzten 2011 knapp 6 Milliarden Euro um; davon entfielen zwei Drittel auf den Export.

Das Wachstum des Weltmarktes hat dazu geführt, dass die deutschen Firmen mittlerweile Produktionsstätten in vielen Ländern betreiben. Vor allem Türme und Rotorblätter werden jenseits der deutschen Grenzen hergestellt, während das Herzstück – die Gondeln mit Generator, Getriebe und Elektronik – weiter in Deutschland entsteht.

Allerdings sind die Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent deutlich abgeflaut. Manche Märkte sind gesättigt, andere wie Großbritannien und die USA expandieren oder schrumpfen je nach Förderbedingungen. Denn noch ist auch die Windenergie nicht voll konkurrenzfähig zu Atom und Kohle.

Nichtsdestotrotz soll der deutsche Markt nach den Plänen der Bundesregierung auch in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Schließlich ist die Windenergie eine tragende Säule des Energiekonzepts.

Im Jahr 2022 sollen insgesamt 60.000 Megawatt installiert sein, davon 13.000 Megawatt offshore, also in der windreichen Nord- und Ostsee.

Verglichen mit heute entspricht das einer Verdopplung der Gesamtleistung innerhalb der nächsten zehn Jahre. Allerdings ist die Entwicklung der Offshore-Windenergie bislang hinter den Erwartungen zurückge­blieben. Probleme mit dem Anlagenbau und der Netzanbindung haben den Bau der Meereswindparks stark verzögert und die Kosten in die Höhe getrieben. Selbst die gegenüber Landstandorten mit bis zu 19 Cent pro Kilowattstunde mehr als verdoppelte Anfangsvergütung macht die Anlagen kaum rentabel. Nun soll der Bund die Risiken für die verzögerte Anbindung tragen, damit weiter investiert wird – die Kosten dafür trägt letztlich der Steuerzahler.

Dagegen läuft die Installation an Land, wo man den Verbrauchern ohnehin näher ist, weiterhin rund:

Im ersten Halbjahr 2012 wurden an Land 405 Anlagen mit einer Leis­tung von 1.000 Megawatt neu errichtet – auf dem Meer waren es im selben Zeitraum nur neun neue Windräder.

In Niedersachsen wird der meiste neue Wind geerntet, auch Rheinland-Pfalz und Bayern etablieren sich zunehmend als wichtige Windkraft-Binnenstandorte (Grafik). Dagegen hakt es in Baden-Württemberg, wo dringend Ersatz für stillgelegte Atomkraftwerke geschaffen werden müsste.

Die meisten Windräder, die sich zwischen Nordsee und Alpenvorland drehen, kommen aus heimischer Produktion. Die deutschen Windanlagenbauer beliefern rund drei Viertel des deutschen Marktes. Sie sind dabei sehr unterschiedlich aufgestellt: Während manche an der Küste ganz oder zumindest vorwiegend auf die neuen Meeresanlagen gesetzt haben und nun stark unter den Verzögerungen leiden, hatte die deutsche Nummer eins – Enercon aus dem ostfriesischen Aurich – von Anfang an Zweifel an der Meereswindenergie und konzentriert sich auf die Fortentwicklung der getriebelosen Turbinen für Landstandorte – und das zahlt sich momentan aus.

Doch Deutschland ist nur ein Markt von vielen. Zwar werden noch nicht alle geeigneten Standorte genutzt und das „Repowering“ – der Austausch kleiner Altturbinen durch neue Großanlagen – bietet viel Potenzial. Aber: Derzeit wird nur noch jede 20. Windkraftanlage hierzulande errichtet.

Vor allem China drängt auf den Weltmarkt (Grafik). Das dürfte die Preise weiter drücken. Um auch künftig Jobs und Wertschöpfung in Deutschland zu schaffen, müssen die heimischen Hersteller daher ihren technischen Vorsprung behaupten. 

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