Demografischer Wandel Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Wie sich die Lücke schließen lässt

Geringe Geburtenzahlen und eine alternde Bevölkerung führen in den nächsten Jahren zu einem spürbaren Fachkräftemangel in Deutschland. Gelindert werden könnte er durch Zuwanderer, Innovationskraft sowie eine bessere Nutzung der vorhandenen Arbeitsmarktpotenziale.

Kernaussagen in Kürze:
  • Geringe Geburtenzahlen und eine alternde Bevölkerung führen in den nächsten Jahren zu einem spürbaren Fachkräftemangel in Deutschland.
  • Gelindert werden könnte er durch Zuwanderer, Innovationskraft sowie eine bessere Nutzung der vorhandenen Arbeitsmarktpotenziale.
  • Zwischen Juni 2011 und Juni 2012 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus diesen Ländern um fast 116.000 auf insgesamt 809.000 Personen.
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Schon heute sind sie knapp, in Zukunft könnten sie geradezu kostbar sein: Fachkräfte. Ob Statistisches Bundesamt, Politik oder Bevölkerungs- und Arbeitsmarktexperten – alle sind sich einig, dass Deutschland aufgrund des demografischen Wandels demnächst mehr und mehr Arbeitskräfte fehlen.

Richtig spürbar dürfte der Fachkräftemangel ab dem Jahr 2020 werden. So hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung berechnet, dass das Erwerbspersonenpotenzial bis 2025 um rund 3,5 Millionen Menschen sinkt – selbst unter günstigen Voraussetzungen wie weiter steigende Erwerbstätigenquoten von Frauen und Älteren sowie einer jährlichen Nettozuwanderung von 100.000 Personen.

Um den Auswirkungen des demografischen Wandels entgegenzutreten, müssen gleich mehrere Instrumente gleichzeitig eingesetzt werden. Bei den relevanten Punkten hat es seit dem Jahr 2000 kleinere und größere Fortschritte gegeben:

  1. Mehr Nachwuchs. Für das Fachkräfteangebot spielt die Geburtenrate in einer Volkswirtschaft eine entscheidende Rolle. In Deutschland bekommen die Frauen allerdings vergleichsweise wenige Kinder: Die Geburtenrate erreichte 2011 einen Wert von 1,36 und liegt damit in etwa auf dem Niveau der vergangenen Jahre (Grafik). 


So viele Beschäftigte besaßen im Juni 2012 diese Staatsangehörigkeit; Zunahme gegenüber Juni 2011 in Prozent.

Der Kita-Ausbau sowie weitere Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf könmaen die Realisierung von Kinderwünschen künftig zumindest einfacher machen.

  1. Mehr Zuwanderer. Auch Fachkräfte aus dem Ausland können Engpässe auf dem Arbeitsmarkt lindern. In den vergangenen Jahren ist die Nettozuwanderung deutlich gestiegen, 2011 sind unterm Strich fast 280.000 Menschen mehr nach Deutschland gekommen, als weggezogen sind. Verstärkt hat sich zuletzt vor allem der Zustrom aus den Euro-Krisenländern und aus Osteuropa (Grafik):

Zwischen Juni 2011 und Juni 2012 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus diesen Ländern um fast 116.000 auf insgesamt 809.000 Personen.

Für den demografischen Wandel bedeutende Indikatoren in Deutschland aus den Jahren 2000, 2005 und 2011. Die Zuwanderer sind darüber hinaus besser qualifiziert als früher. Im Jahr 2000 hatten lediglich 16 Prozent der 25- bis 64-jährigen Einwanderer einen Hochschulabschluss, 2009 waren es bereits 28 Prozent – von der hier lebenden Bevölkerung gleichen Alters hatten nur 18 Prozent ein abgeschlossenes Studium (vgl. iwd 27/2012).

Zur Fachkräftesicherung tragen überdies neue Zuwanderungsregeln wie die Blaue Karte bei, die attraktive Zuwanderungsbedingungen für Akademiker aus Staaten außerhalb der EU schaffen. Auch eine verbesserte Willkommenskultur sowie Informationsangebote wie das Internetportal www.make-it-in-germany.com sind wichtig, um ausländische Fach- und Führungskräfte für Deutschland zu gewinnen. Wichtige Impulse setzen darüber hinaus die Goethe-Institute, die in mehr als 90 Ländern dafür sorgen, dass zuzugswillige Arbeitnehmer die deutsche Sprache lernen können.

  1. Längere Lebensarbeitszeit. Bereits im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Erwerbstätigkeit Älterer deutlich erhöht: Während im Jahr 2000 in Deutschland nur 37 Prozent der 55- bis 64-Jährigen einer Beschäftigung nachgingen, waren es 2011 bereits 60 Prozent. Die Rente mit 67 wird diese Entwicklung noch verstärken.
  1. Früherer Berufseinstieg. Dass junge Leute heute eher ins Berufsleben einsteigen als noch vor ein paar Jahren, hat eine ganze Reihe von Gründen. Der Nachwuchs wiederholt seltener Klassen und verlässt aufgrund der neuen Studiengänge auch schneller die Hochschulen.

Das Durchschnittsalter der Hochschulabsolventen sank zwischen 2000 und 2011 um anderthalb auf knapp 27 Jahre; aufgrund der verkürzten Gymnasialzeit dürfte es künftig noch weiter abnehmen.

Auch die Jugendarbeitslosigkeit ist kräftig gesunken: Seit 2005 hat sie sich mehr als halbiert und liegt nun bei 6 Prozent.

  1. Höherer Bildungsstandard. Aufgrund ihrer besseren Qualifikation gelingt mehr Jugendlichen der nahtlose Übergang von der Schule in den Beruf: So werden die PISA-Ergebnisse kontinuierlich besser. Die Zahl derer, die kein Abitur oder keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, hat sich hingegen verringert.

Um die Bildungsarmut weiter erfolgreich zu bekämpfen, sollte insbesondere die frühkindliche Bildung gestärkt werden. Dazu zählt der stetige Ausbau an Kinderbetreuungs­möglichkeiten für unter Dreijährige. Große Erwartungen werden auch an die Sprachstandserhebungen und die Sprachförderprogramme für Kindergartenkinder geknüpft.

  1. Mehr Innovationskraft. Deutschlands Innovationskraft hängt stark vom Know-how seiner Beschäftigten ab. Auch hier hat sich einiges getan: Seit dem Jahr 2000 ist die Studienabsolventenquote von 17 auf 30 Prozent gestiegen. Den sogenannten MINT-Kräften – also den Absolventen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kommt dabei eine besondere Stellung zu. Ihre Zahl hat allein schon aufgrund des allgemeinen Absolventenanstiegs zugenommen. Zudem hat sich auch der Anteil derer, die ein MINT-Studium absolviert haben, zuletzt leicht erhöht. Um diesen Erfolg nachhaltig zu sichern, sollten die MINT-Fächer weiter gestärkt werden. Das Portal www.mintzukunftschaffen.de beispielsweise vernetzt MINT-Initiativen und -Projekte in Deutschland.

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