Wie Regionen auf ihren Stärken aufbauen
München und Umgebung dominieren erneut das Regionalranking der IW Consult. Fernab der bayerischen Metropole haben sich im Bundesgebiet diverse Städte und Kreise im vergangenen Jahrzehnt sehr gut entwickelt – und das auf ganz unterschiedlichen Wegen.
- Die Metropolregion München dominiert das Regionalranking 2026 der IW Consult.
- In der Betrachtung auf Bundesländerebene geht Brandenburg im Langzeitvergleich als Gewinner hervor. Dagegen haben viele Kreise in Baden-Württemberg im vergangenen Jahrzehnt an Boden verloren.
- Der größte Gewinner auf regionaler Ebene kommt allerdings aus Hessen. Offenbach konnte sich innerhalb von zehn Jahren um fast 200 Plätze verbessern.
An der Spitze alles beim Alten: Im Regionalranking der IW Consult hat sich der Landkreis München auch 2026 den ersten Platz im Niveauranking gesichert. Nachdem im vorherigen Ranking vor zwei Jahren neben Stadt und Landkreis München nur zwei weitere Regionen aus dem Umland der bayerischen Landeshauptstadt in den Top 20 lagen, sind es 2026 wieder sechs. Die frühere Dominanz der Metropolregion München ist damit wiederhergestellt. Das zweiterfolgreichste Cluster in Deutschland findet sich in Frankfurt am Main und dessen Umland. Die Stadt belegt deutschlandweit Rang vier, der Main-Taunus-Kreis und der Hochtaunuskreis folgen auf den Rängen sechs und sieben.
Besonders dynamisch entwickelt haben sich in den vergangenen beiden Jahren neben den strukturell starken Tirschenreuth und Düsseldorf mit den kreisfreien Städten Neumünster, Delmenhorst und Magdeburg auch im Niveau schwächere Regionen. An die Spitze des Dynamikrankings hat sich indes Cottbus gesetzt. Ausschlaggebend für den Schub in der Lausitz ist das Zusammenspiel zahlreicher Initiativen zur Gestaltung des Strukturwandels, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöhen und die Lebensqualität steigern.
Viele Regionen in Brandenburg haben sich in den vergangenen zehn Jahren gut entwickelt. Entgegengesetzt sieht es in Baden-Württemberg aus.
Da die Forscher der IW Consult das Niveauranking bereits seit dem Jahr 2016 in unveränderter Methodik erheben, können sie auch langfristige Vergleiche ziehen. So lassen sich beispielsweise die Entwicklungen auf der Ebene der Bundesländer erkennen – mit einem großen Gewinner (Grafik):
In Brandenburg haben sich knapp 78 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte im Niveauranking innerhalb von zehn Jahren um mindestens 25 Plätze verbessert.
Große Verluste gab es dagegen – vor allem wegen der anhaltenden Krise in der Automobilindustrie – in Baden-Württemberg. Dort verloren gut 61 Prozent der Regionen mindestens 25 Plätze im Ranking.
Der größte Gewinner auf der Ebene der Regionen kommt aus Hessen (Grafik):
Offenbach hat seit dem Regionalranking 2016 bis heute 199 Plätze gutgemacht.
Ebenfalls zu den großen Gewinnern gehören der Landkreis Tirschenreuth, Leverkusen, Cottbus und Würzburg. Die Gründe für den jeweiligen Aufschwung sind dabei unterschiedlich:
Offenbach. Frankfurt hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt, davon profitiert auch das nur wenige Kilometer entfernte Offenbach. Allerdings verlässt sich die Stadt nicht einfach auf Umlenkungseffekte, sondern nutzt sie gezielt aus. Mit einer langjährigen Gründungsförderung, Standortkampagnen und einer Aufwertung der Innenstadt arbeitet Offenbach gezielt und ganzheitlich daran, ein moderner und attraktiver Standort zu sein.
Tirschenreuth. Der Landkreis knüpft seit Jahren an die eigene industrielle Tradition an und entwickelt sich gezielt weiter. So produziert die Schott AG dort spezialisierte Glasprodukte für industrielle Anwendungen etwa in der Medizin- oder Automobiltechnik. Mit der Hamm AG, einem Hersteller von Straßenwalzen, wurde ein Weltmarktführer aufgebaut. Mit einer aktiven Wirtschaftspolitik flankieren die dortigen Kommunen und der Landkreis diese Entwicklung.
Leverkusen. Die Heimat der Bayer AG setzt auf bewusste Standortpolitik statt wie andere Regionen auf einen strukturellen Bruch mit neuer Ausrichtung. Die Verbesserung der Kostenstrukturen für Unternehmen, investorenfreundliche Rahmenbedingungen und der Ausbau wissensintensiver Dienstleistungen zeigen Wirkung.
Cottbus. Die Stadt im Süden von Brandenburg in der einstigen Braunkohleregion hat sich zum Wissensstandort gemausert. Eine zentrale Bedeutung hat dabei die technische Universität. Dazu richtet Cottbus seine Aktivitäten an ökologischen Leitthemen wie Wasserstoff, Elektrifizierung und erneuerbaren Energien aus und setzt auf Innovationen.
Würzburg. Die bayerische Großstadt hat in den vergangenen zehn Jahren einen geradezu lehrbuchhaften Wandel von einem klassischen Verwaltungs- und Universitätsstandort zu einem hochdynamischen Hub für Technologie, Start-ups und attraktives Wohnen vollzogen. Ein wichtiger Baustein für die Entwicklung ist das KI-Forschungszentrum der Julius-Maximilians-Universität.
Die unterschiedlichen Pfade der dynamischsten Regionen der vergangenen Jahre zeigen, dass es nicht den einen perfekten Ansatz für alle in der Regionalentwicklung gibt. Dennoch finden sich einige Gemeinsamkeiten:
Erfolgreiche Regionen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre vorhandenen Stärken identifizieren, gezielt weiterentwickeln und in ein konsistentes Gesamtkonzept integrieren.
Das Zusammenspiel einzelner Maßnahmen in einem funktionierenden Ökosystem ist entscheidend, um regional Fortschritte zu erzielen und sich zum attraktiven Standort zu entwickeln.