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Wetten auf Trump und Brexit bieten höchste Gewinne

Wahlwetten liefern erstaunlich gute Prognosen, die in ihrer Genauigkeit oft den Meinungsumfragen in nichts nachstehen. Demnach kommt es weder zum Brexit, noch wird Donald Trump US-Präsident.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wenn Wahlwetten das Wahlergebnis vorwegnehmen würden, käme es weder zum Brexit noch zu einem US-Präsidenten namens Donald Trump.
  • Wahlwetten liefern oft bessere Ergebnisse als Umfragen.
  • Weniger gut funktionieren Wahlbörsen, wenn die prozentuale Verteilung der Stimmen auf Parteien vorhergesagt werden müssen.
Zur detaillierten Fassung

Wer in einem Wettbüro derzeit auf einen Wahlsieg von Donald Trump am 8. November setzt, kann im Erfolgsfall mit dem zwei- bis dreifachen Einsatz nach Hause gehen. Wer dagegen auf einen Sieg Hillary Clintons setzt, muss sich mit einem Gewinn von 30 bis 35 Cent je eingesetztem Euro begnügen. Und das, obwohl der Umfragevorsprung der demokratischen Kandidatin in den Schlüsselstaaten, die bei US-Präsidentschaftswahlen traditionell das Zünglein an der Waage spielen, aktuell denkbar knapp ist.

Den höchsten Gewinn versprechen aktuell Wahlwetten auf Donald Trump als neuer US-Präsident und auf eine EU ohne Großbritannien.

Die Zocker scheinen also mehr zu wissen als die Prognostiker – oder sie vertrauen bei ihrer Entscheidung nicht so sehr den aktuellen Umfragewerten.

Brexit wird nicht kommen

Ähnliches ist bei der Brexit-Frage zu beobachten: Während sich die Brexit-Gegner in den jüngsten Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Brexit-Befürwortern lieferten, setzt in den Wettbüros der Insel noch eine breite Mehrheit auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU.

Wer auf „Remain“ setzt, bekommt im Gewinnfall nur 44 bis 50 Pennys je Pfund, wer dagegen auf „Leave“ wettet, kann seinen Einsatz fast verdreifachen.

Haben die Wettenden nun ein schlechtes Händchen, dass sie so weit von umfragebasierten Prognosen entfernt liegen? Eher nicht, wie die Historie zeigt.

Die Hochzeit der Wahlwetten war zwar im angelsächsischen Raum in der Zeit bis zum 2. Weltkrieg, als umfragebasierte Prognosen noch sehr unsicher waren. Doch generell zeigen Wahlbörsen eine recht hohe Treffgenauigkeit. So lagen die „Betting Odds“ der größten US-Wettmärkte von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1940 nur ein einziges Mal falsch und sagten einen Monat vor der Wahl den falschen Kandidaten als Sieger voraus: Vor 100 Jahren gewann der Demokrat Woodrow Wilson knapp gegen Charles Hughes von den Republikanern – pikanterweise mit dem ein Jahr später gebrochenen Versprechen, die USA aus dem Ersten Weltkrieg herauszuhalten. Direkt vor der Wahl standen die Chancen der Kandidaten laut Wahlwetten bei 50:50.

Wahlbeteiligung - die große Unbekannte

Generell leiden Umfragen darunter, dass die Wahlbeteiligung unbekannt ist und es mehr oder weniger viele unentschiedene Wähler gibt, die auf die Wahloptionen plus Enthaltung „verteilt“ werden müssen. Die dafür genutzten Modelle und Erfahrungswerte können im Einzelfall zu falschen Ergebnissen führen. Bei Wahlwetten kommt dagegen das Bauchgefühl der Wettenden zum Tragen – und das ist oft nicht schlecht, wie die Erfahrungen zeigen.

Weniger gut funktionieren Wahlbörsen, wenn nicht nur ein Sieger, sondern die prozentuale Verteilung der Stimmen auf eine Reihe von Parteien vorhergesagt werden müssen. Bei der Bundestagswahl im Herbst 2013 lag die Summe der Abweichungen für die relevanten Parteien in den Wahlbörsen etwas höher als im Durchschnitt der umfragebasierten Prognosen der Wahlforschungsinstitute.

Dies mag aber auch darauf zurückzuführen sein, dass Wahlwetten in Deutschland weit weniger üblich sind als im angelsächsischen Raum, sodass sich die Wettquoten auf einen kleineren und weniger repräsentativen Teilnehmerkreis stützen.

Die CDU/CSU wurde von den Wahlbörsianern damals systematisch unterschätzt, schnitt allerdings im Wählervotum auch besser ab als in den umfragebasierten Prognosen. Und die kleineren Parteien wurden von den Zockern durchweg stärker eingeschätzt, als sie letztlich abschnitten – die FDP und die AFD wurden über der 5-Prozent-Hürde taxiert, sind aber bekanntlich nicht in den Bundestag eingezogen (Grafik).

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