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Wer zufrieden ist, bleibt

Ob Dachdecker oder Krankenschwester – körperlich und psychisch belastende Berufe führen nicht zwangläufig in den vorzeitigen Ruhestand. Entscheidend ist vielmehr die Arbeitszufriedenheit.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nicht der Beruf, sondern individuelle Faktoren wie der subjektiv empfundene Gesundheitszustand und die Zufriedenheit mit der Arbeit entscheiden darüber, ob jemand früher in Rente geht oder nicht.
  • Knapp neun von zehn Erwerbstätigen halten ihren Job für vielseitig und abwechslungsreich; acht von zehn Arbeitnehmern geben zudem an, dass die Arbeit ihnen Anerkennung einbringt und sie fit hält.
  • Neben der eher konstanten Arbeitszufriedenheit ist die Bereitschaft, den Job zu wechseln in den vergangenen Jahren stark gesunken:
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Können Krankenschwestern mit Mitte 60 noch mühelos Katheter und Kanülen legen? Oder Dachdecker kurz vor dem gesetzlichen Rentenalter noch Regenrinnen reparieren? Sie können, sagt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Darin geht es um die Lebensläufe von Menschen in belastenden Berufen – also um Jobs, in denen körperliche, ­psychosoziale und organisatorische Risikofaktoren wie Schichtarbeit weit verbreitet sind.

Zwischen 2000 und 2011 war immerhin knapp ein Viertel der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männer in einem belastenden Beruf tätig, von den Frauen gingen knapp 16 Prozent einer Arbeit nach, die solche Risikofaktoren birgt.

Entgegen der landläufigen Annahme, dass belastende Berufe zu einem vorzeitigen Renteneintritt führen, konnte das ZEW nachweisen, dass dieser Zusammenhang nicht generell existiert:

Nicht der Beruf, sondern individuelle Faktoren wie der subjektiv empfundene Gesundheitszustand und die Zufriedenheit mit der Arbeit entscheiden darüber, ob jemand früher in Rente geht oder nicht.

In puncto Arbeitszufriedenheit sieht es in Deutschland auf jeden Fall ziemlich gut aus, wie die Initiative Gesundheit und Arbeit herausfand – ein Verbund, der von den gesetzlichen Krankenkassen und Unfallversicherungen getragen wird (Grafik):

Knapp neun von zehn Erwerbstätigen halten ihren Job für vielseitig und abwechslungsreich; acht von zehn Arbeitnehmern geben zudem an, dass die Arbeit ihnen Anerkennung einbringt und sie fit hält.

Ein weiterer Indikator für die Arbeitszufriedenheit ist die Bereitschaft, den Job zu wechseln – und die ist in den vergangenen Jahren stark gesunken: 2007 wollten sich noch 40 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen einen neuen Arbeitgeber suchen, inzwischen ist dies nur noch für maximal 27 Prozent der Beschäftigten eine Option.

Was die Wechselbereitschaft angeht, gibt es allerdings große Unterschiede zwischen den Berufen: In den Sozial- und Erziehungsberufen etwa oder in den Büroberufen ist der Wechselwille unterdurchschnittlich ausgeprägt. Die Metall-Arbeitgeber konnten ihre Attraktivität zuletzt ebenfalls steigern: Männer, die in den Fertigungsberufen der Elektro-Montage und des Metall- und Maschinenbaus arbeiten, sind vergleichsweise selten an einem Wechsel interessiert. In den Dienstleistungsberufen sowie unter den Geringqualifizierten sieht das anders aus: Hier ist die Wechselbereitschaft überdurchschnittlich – sowohl unter den Frauen als auch unter den Männern.

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