Braindrain Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Wenn Wissen wandert

Auch wenn immer mehr Hochqualifizierte ins Ausland abwandern, heißt das nicht zwangsläufig, dass Deutschland zum Verlierer im Wettbewerb um Talente wird. Denn umgekehrt kommen auch zunehmend hervorragend ausgebildete Ausländer in die Bundesrepublik.

Kernaussagen in Kürze:
  • Auch wenn immer mehr Hochqualifizierte ins Ausland abwandern, heißt das nicht zwangsläufig, dass Deutschland zum Verlierer im Wettbewerb um Talente wird - denn umgekehrt kommen auch zunehmend hervorragend ausgebildete Ausländer in die Bundesrepublik.
  • Die Zahl der von deutschen Organisationen geförderten ausländischen Wissenschaftler in der Bundesrepublik hat sich innerhalb von zwölf Jahren fast verdreifacht.
  • Verlässliche Angaben über den Umfang der hochqualifizierten Auswanderer sind wegen uneinheitlichen Erhebungsverfahren nicht möglich.
Zur detaillierten Fassung

Droht Deutschland der Brain­drain, der Verlust der klügsten Köpfe ans Ausland? Zu diesem Schluss kam Anfang des Jahres zumindest die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), als sie konstatierte, dass „Deutschland zu viele seiner Spitzenforscher verliert". Der EFI zufolge sind zwischen 1996 und 2011 circa 4.000 Wissenschaftler mehr ins Ausland gegangen, als nach Deutschland gekommen sind.

Der Zeitraum, den die Expertenkommission betrachtet hat, ist allerdings sehr lang. So hat Deutschland zwischenzeitlich als Forschungsstandort an Attraktivität gewonnen, wie ein Blick auf die zugewanderten Wissenschaftler zeigt (Grafik):

Die Zahl der von deutschen Organisationen geförderten ausländischen Wissenschaftler in der Bundesrepublik hat sich innerhalb von zwölf Jahren fast verdreifacht.

Ob es hierzulande nun tatsächlich einen Braindrain gibt, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Zwar exis­tiert in Deutschland eine detaillierte Wanderungsstatistik – allerdings enthält sie keinerlei Hinweise auf die Qualifikationen der Auswanderer, denn die deutschen Meldeämter erfassen keine Bildungsabschlüsse.

Wer herausbekommen möchte, welchen Bildungsgrad Auswanderer haben, kann – wie die EFI – einen Blick auf die Qualifikationsstruktur der deutschen Zuwanderer in den Zielländern werfen. Solche Analysen sind allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet, da die Erhebungsverfahren in den Zielländern uneinheitlich sind.

Verlässliche Angaben über den Umfang der hochqualifizierten Auswanderer sind deshalb nicht möglich.

Etwas besser ist die Datenlage für einzelne Berufsgruppen. Rund 24.000 in Deutschland ausgebildete Mediziner waren 2010 im Ausland aktiv, während hierzulande mindestens 31.000 Ärzte praktizierten, die im Ausland ausgebildet wurden (vgl. iwd 40/2013). Gegengerechnet hat Deutschland also Ärzte gewonnen.

Auch gesamtwirtschaftlich deutet vieles darauf hin, dass Deutschland kein Braindrain droht. Zum einen steigen die Zuwandererzahlen seit einigen Jahren erheblich an. Zum anderen kommen im Schnitt immer mehr gut qualifizierte Menschen: Lag der Anteil der Akademiker an den in den vorangegangenen zehn Jahren Zugewanderten im Jahr 2000 noch bei 16 Prozent, so waren es 2011 bereits 29 Prozent.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de