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Wenn Fans foulen

Weil ihre Anhänger sich offenbar nicht anständig benehmen können, müssen Vereine in der Bundesliga immer wieder Strafen zahlen. Doch auch wenn diese durchaus beachtlich sind, tun sie den meisten Bundesligisten nicht wirklich weh – und Fans schrecken sie schon gar nicht ab.

Kernaussagen in Kürze:
  • Weil ihre Anhänger sich offenbar nicht anständig benehmen können, müssen Vereine in der Bundesliga immer wieder - durchaus beachtliche - Strafen zahlen. Doch sie tun den meisten Bundesligisten nicht weh – und Fans schrecken sie schon gar nicht ab.
  • Die fairsten Mannschaften: In der Saison 2014/2015 und der Hinrunde 2015/2016 sammelten München und Dortmund die wenigsten gelben und roten Karten. Die Borussia kam sogar ganz ohne eine gelb-rote oder rote Karte aus – als einziges Erstliga-Team.
  • Die unfairsten Fans: Borussia Dortmund musste wegen diverser Vergehen der schwarz-gelben Fans gut 230.000 Euro an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Europäische Fußball-Union (UEFA) überweisen. Köln zahlte 200.000 Euro für den Platzsturm der FC-Fans beim Derby gegen Gladbach im Frühjahr 2015.
Zur detaillierten Fassung

Die Fußball-Bundesliga startet am 22. Januar in die Rückrunde und vieles scheint klar: Bei acht Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger Dortmund und der spielerischen Dominanz der Bayern-Elf zweifelt kaum jemand daran, dass die Münchner sich in diesem Jahr die 26. Deutsche Meisterschaft sichern werden. So weit, so bekannt. Wie aber sieht es mit der Fairness der Mannschaften und vor allem ihrer Fans aus?

In der Fairplay-Tabelle liegen ebenfalls die Bayern und der BVB vorne (Grafik):

In der Saison 2014/2015 und der Hinrunde 2015/2016 sammelten München und Dortmund die wenigsten gelben und roten Karten. Die Borussia kam sogar ganz ohne eine gelb-rote oder rote Karte aus – als einziges Erstliga-Team.

Der FC Bayern München liegt mit derselben Fairplay-Punktzahl dicht dahinter, mit einigem Abstand folgen der VfL Wolfsburg, der 1. FSV Mainz 05 und der 1. FC Köln.

Beim Fairplay der Fans sieht das Ranking jedoch ganz anders aus:

Die zweithöchste Strafe mussten die Kölner mit 200.000 Euro für den Platzsturm ihrer Fans beim Derby gegen Gladbach im Frühjahr 2015 zahlen.

Nur Borussia Dortmund musste mehr an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Europäische Fußball-Union (UEFA) überweisen: gut 230.000 Euro wegen diverser Vergehen der schwarz-gelben Fans. Mit Strafzahlungen von 132.000 Euro folgt der Hamburger SV auf Rang drei vor dem FC Schalke 04 mit 102.000 Euro und Eintracht Frankfurt mit 90.000 Euro.

Gemessen am Umsatz sind dies aber eher Kleckerbeträge für die Vereine: Borussia Dortmund setzte in der Saison 2014/2015 mehr als 233 Millionen Euro um. Damit entsprechen die Strafzahlungen – obwohl sie in die Hunderttausende gehen – lediglich 1 Promille des Umsatzes. Beim 1. FC Köln liegt dieser Wert immerhin bei 2 Promille. In Spieler umgerechnet – anhand des Werts und der Anzahl der Spieler des jeweiligen Kaders – ergibt sich sogar nur ein Gegenwert der Strafen von 0,08 Kaderspielern bei Köln und 0,02 Kaderspielern in Dortmund.

Die Strafzahlungen, die die Bundesligisten an den DFB und die UEFA leisten mussten, verfehlen allemal die gewünschte Wirkung auf die Fans. Zwar versuchen die Vereine, die Strafen an die Randalierer weiterzugeben, doch eine persönliche Ahndung des Fan-Foulspiels bleibt oft aus. Zu schwierig ist es, die Störenfriede zu identifizieren, zu groß ist der Zusammenhalt der Fangemeinde. Der 1. FC Köln setzte aus diesem Grund zuletzt auf Kollektivstrafen und verbannte zumindest kurzfristig ganze Gruppierungen von den Rängen. Trotzdem sperrte der Deutsche Fußball-Bund für drei Spiele große Teile der Stehplätze im Kölner Stadion.

Diskutiert worden war auch ein Totalausschluss der Fans, der den Vereinen Umsatzeinbußen in Millionenhöhe beschert hätte und damit wesentlich schmerzhafter gewesen wäre. Ob Geisterspiele jedoch die Fans disziplinieren würden – das steht auf einer anderen Karte.

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