Urlaub Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Wenn einer eine Reise tut

Fast sechs von zehn Bundesbürgern haben im vergangenen Jahr eine Reise gemacht, die mindestens fünf Tage gedauert hat – mehr als die Hälfte dieser Urlauber war sogar mehrfach unterwegs. Im Schnitt gaben die Deutschen für ihren Haupturlaub knapp 1.100 Euro pro Person aus, davon etwa die Hälfte im Ausland. Wie viel oder wie wenig der Euro im Urlaub wert ist, zeigt ein Preisvergleich in den 15 beliebtesten Reiseländern der Deutschen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wie viel Geld die Deutschen im Urlaub ausgeben
  • Was wie viel in welchen Urlaubsländern kostet
  • Deutsche haben neben den Franzosen die meisten Urlaubs- und Feiertage
Zur detaillierten Fassung

Auch wenn seit ein paar Jahren immer wieder Meldungen auftauchen, wonach nicht mehr die Deutschen das reisefreudigste Volk der Welt sind, sondern die Chinesen – für einen Platz auf dem Treppchen reicht die Reiselust der Bundesbürger allemal.

Der Deutsche ReiseVerband hat zum Beispiel ausgerechnet, dass die Ausgaben für Auslandsreisen im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von nahezu 70 Milliarden Euro gestiegen sind – statistisch gesehen hat also jeder einzelne Bundesbürger rund 850 Euro für einen Trip ins Ausland ausgegeben. Und mindes­tens noch einmal die gleiche Summe haben die Deutschen für ihre Reisen in heimische Gefilde aufgebracht.

Dass die Bundesbürger so viel unterwegs sein können, hat einen ganz simplen Grund (Grafik):

Mit jeweils 40 Urlaubs- und Feiertagen, die auf einen Arbeitstag fallen, sind Franzosen und Deutsche Freizeitweltmeister.

Der Kehrwert der vielen Urlaubs- und Feiertage ist die relativ geringe Arbeitszeit: Mit einer tariflichen Soll­arbeitszeit von 1.659 Stunden im Jahr verbringen die Deutschen zwischen 150 und 180 Stunden weniger im Büro oder der Werkhalle als die Spitzenreiter aus Polen, Ungarn, Griechenland, Luxemburg und Portugal. Weniger Stunden als die Deutschen arbeiten nur noch die Dänen und die Franzosen.

Schenkt man den landläufigen Klischees Glauben, dann nutzen die Bundesbürger offenbar einen Teil ihrer zusätzlichen Freizeit für ausgiebige Preisvergleiche – angeblich ist die Bundesrepublik das Land der Schnäppchenjäger.

Wenn das stimmt, dann hätten die Deutschen im vergangenen Jahr eigentlich scharenweise nach Mazedonien, Albanien und Bulgarien fahren müssen, denn in diesen drei Ländern war der Urlaub mit Abstand am preiswertesten: Fürs Hotel und in Gaststätten sowie fürs Taxi zahlt der Urlauber dort weniger als die Hälfte des EU-Durchschnitts – und auch der Wein oder das Bier sind um rund 30 Prozent billiger.

Schaut man jedoch auf die tatsächlichen, sprich die 15 beliebtesten Reiseziele der Deutschen, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Mit Kroatien, Polen und der Türkei sind zwar auch in diesem Ranking vergleichsweise günstige Urlaubsziele dabei, insbesondere in Skandinavien mussten die Bundesbürger jedoch sehr tief in die Tasche greifen (Grafik):

Hotels und Gaststätten. Norwegen, Dänemark, Schweden und die Schweiz sind bei fast allen typischen Urlaubsausgaben teurer als alle anderen Länder.

Das gilt auch für die Unterkunft und das gastronomische Angebot. Verglichen mit dem EU-Durchschnitt müssen die Urlauber in diesen Ländern Preisaufschläge hinnehmen, die zwischen gut einem Drittel und drei Vierteln liegen.

Wer als Deutscher dagegen im eigenen Land Urlaub macht – immerhin 30 Prozent aller Reisen der Bundesbürger hatten im vergangenen Jahr ein Ziel in Deutschland –, zahlt fürs Hotel und in Gaststätten sogar 3 Prozent weniger als im EU-Durchschnitt.

Damit liegt die Bundesrepublik in dieser Ausgabenkategorie zwischen Spanien und Italien, den beiden beliebtesten Reisezielen der Bundesbürger im vergangenen Jahr.

Nahrungsmittel. Für Selbstversorger war 2014 Polen das preisgüns­tigste Land unter den 15 beliebtesten Reisezielen. Mit rund 60 Prozent des EU-Durchschnitts kosten Lebensmittel beim östlichen Nachbarn Deutschlands weniger als die Hälfte dessen, was beim südlichen Nachbarn Österreich fällig ist.

In der Bundesrepublik selbst sind Lebensmittel – trotz Aldi, Lidl und Co. – immerhin 9 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt und liegen damit auf einem ähnlichen Preisniveau wie in Italien und Frankreich.

Alkohol. In keiner anderen Ausgabenkategorie klaffen die Preise so weit auseinander wie in dieser. Unangefochtener Spitzenreiter ist Norwegen, wo Alkohol aufgrund der hohen Steuern 2,7-mal so teuer ist wie im EU-Durchschnitt. Für ein Glas Bier muss man im hohen Norden schon mal umgerechnet 10 Euro auf den Tisch legen.

Das dürfte insbesondere die Bundesbürger ins Staunen versetzen: Denn in Deutschland ist Alkohol fast ein Fünftel günstiger als im Durchschnitt der EU – und damit so billig wie in keinem anderen der 15 beliebtesten Reiseländer.

Verkehrsdienstleistungen. Wer nicht mit dem eigenen Auto in Urlaub fährt, sondern vor Ort auf Bus, Bahn und Taxi angewiesen ist, erlebt – außer in Norwegen – so gut wie keine unangenehmen Überraschungen. Während der öffentliche Nahverkehr und andere Anbieter in der Bundesrepublik 15 Prozent teurer sind als im EU-Durchschnitt, kommt man als Deutscher in vielen Ländern günstiger von A nach B als daheim.

Apropos daheim: Wenn die Bundesbürger im Urlaub etwas vermisst haben, dann meist das eigene Bett (46 Prozent). Frauen vermissen zudem ihr Haustier und das eigene Bad überdurchschnittlich oft. Männern dagegen fehlen neben dem Bett vor allem der Fernseher, die Zeitung und deutsches Essen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de