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Wenn die Schule anfängt, wird’s eng

Ein Vergleich mit anderen EU-Staaten zeigt einerseits, dass Deutschland in Sachen Kinderbetreuung deutlich aufgeholt hat. Auf der anderen Seite wird aber auch klar, wo es noch hakt – vor allem beim Übergang vom Kindergarten in die Schule werden Betreuungsengpässe sichtbar.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ein Vergleich mit anderen EU-Staaten zeigt einerseits, dass Deutschland in Sachen Kinderbetreuung deutlich aufgeholt hat.
  • Schon auf dem Krippengipfel im Jahr 2007 wurden fast 2,2 Milliarden Euro als Investitionskostenzuschüsse zur Verfügung gestellt.
  • Ab 2015 unterstützt der Bund den Betrieb der neuen Plätze in Kitas und Kindertagespflege mit jährlich 845 Millionen Euro.
Zur detaillierten Fassung

Um die zuständigen Kommunen beim Ausbau von Betreuungsangeboten für Kinder zu unterstützen, haben sich Bund und Länder in den vergangenen Jahren mächtig ins Zeug gelegt. Schon auf dem Krippengipfel im Jahr 2007 wurden fast 2,2 Milliarden Euro als Investitionskostenzuschüsse zur Verfügung gestellt. Insgesamt sind bis 2014 rund 5,4 Milliarden Euro für zusätzliche Plätze in Kitas und in der Kindertagespflege sowie für deren Betrieb vorgesehen. Ab 2015 unterstützt der Bund den Betrieb der neuen Plätze mit jährlich 845 Millionen Euro.

Dieses Geld wird auch deshalb gebraucht, weil Kinder zwischen dem vollendeten ersten und dritten Lebensjahr seit August vergangenen Jahres einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Für Kinder über drei Jahre besteht bereits seit 1996 ein Anspruch auf einen Kindergartenplatz.

Trotz dieses Engagements kommen viele Kommunen dem Anspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige derzeit eher schlecht als recht nach:

Im März 2014 hatten 662.000 aller Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz – auf dem Krippengipfel 2007 waren 750.000 Plätze anvisiert worden.

Es wird also wahrscheinlich noch eine ganze Weile dauern, bis alle jungen Eltern in Deutschland den gewünschten Betreuungsplatz für ihr Kind finden – wohnortnah, in der gewünschten Betreuungsform und mit dem richtigen pädagogischen Konzept.

Doch auch wenn noch nicht alles perfekt ist – auf jeden Fall hat sich die Betreuungssituation in Deutschland in den vergangenen Jahren spürbar verbessert. Dies zeigt ein EU-weiter Vergleich:

  1. Unter dreijährige Kinder. Von 2005 bis 2012 ist die Betreuungsquote dieser Altersgruppe in Deutschland von 16 auf 24 Prozent gestiegen. Da sich die Quote im Schnitt aller 25 Länder, die bereits 2005 EU-Mitglied waren, im gleichen Zeitraum lediglich um 2 Punkte auf 28 Prozent erhöht hat, konnte die Bundesrepublik ihren Abstand deutlich verringern.

Allerdings gibt es in der EU große regionale Unterschiede bei der Betreuung der Jüngsten. In den meisten osteuropäischen Ländern hatte 2012 nicht einmal jedes zehnte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz – in Nord- und Westeuropa reichen die Quoten oft von 20 bis 60 Prozent.

In Deutschland ist nicht nur die Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige in den vergangenen Jahren gestiegen. Auch der Betreuungsumfang ist stark ausgeweitet worden, obwohl es keinen Anspruch auf einen Ganztagsplatz gibt (Grafik): Anteil der Kinder in Ganztagsbetreuung nach Altersgruppen

Im Jahr 2012 wurden 15 Prozent aller Kinder unter drei Jahren ganztags – also mehr als 30 Stunden in der Woche – betreut. Damit hat sich die Ganztagsbetreuungsquote seit 2005 fast verdoppelt und liegt erstmals über dem EU-Durchschnitt.

  1. Kinder zwischen drei Jahren und Einschulung. Auch diese Altersgruppe ist inzwischen besser umsorgt: Während 2005 erst jedes vierte Kindergartenkind in Deutschland mehr als 30 Stunden in der Woche betreut wurde, war es 2012 gut jedes zweite. Anders als bei den unter Dreijährigen gibt es in dieser Altersgruppe kein klares Gefälle zwischen Nord- und Westeuropa auf der einen sowie Süd- und Osteuropa auf der anderen Seite (Grafik).
  1. Schulkinder bis zwölf Jahre. Der Anteil der Kinder, die zwischen dem Schuleintritt und dem zwölften Lebensjahr mehr als 30 Stunden in der Woche betreut werden, ist in Deutschland seit 2005 um 21 Prozentpunkte auf 47 Prozent gestiegen.

Anteil der Kinder in Ganztagsbetreuung nach Altergruppen im internationalen Vergleich

Das klingt gut, ist aber etwas weniger als im EU-Durchschnitt. Zudem liegt die Quote seit 2009 unterhalb der Ganztagsquote bei den Kindergartenkindern.

Damit wird der Übergang vom Kindergarten in die Schule für erwerbstätige Eltern in Deutschland zunehmend zum Problem. Während in den meisten Fällen ein ausreichendes Betreuungsangebot zur Verfügung steht, solange der Nachwuchs den Kindergarten besucht, führen mangelnde Ganztagsbetreuungsangebote für Schulkinder dazu, dass manche Eltern ihre Arbeitszeit einschränken müssen.

Verstärkt wird dieses Problem dadurch, dass sich die Ganztagsschulen in der Regel an pädagogischen Konzepten und nicht am Betreuungsbedarf der Eltern orientieren. So müssen Ganztagsschulen nur dreimal in der Woche eine Betreuung von mindestens sieben Stunden anbieten. Selbst bei einer Teilzeitbeschäftigung der Eltern wird der Betreuungsbedarf somit kaum gedeckt.

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