Weniger Menschen kommen nach Deutschland
Die Zuwanderung nach Deutschland ist derzeit stark rückläufig. Die Politik muss handeln, um diese Migrationswende aufzuhalten – schließlich sind Arbeitskräfte aus dem Ausland für den deutschen Arbeitsmarkt unverzichtbar.
- Im Jahr 2025 sind per saldo 235.000 Menschen nach Deutschland zugewandert – das ist mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 der niedrigste Wert seit 2010.
- Das liegt neben der rückläufigen Zahl an Asylanträgen auch daran, dass viele Zuwanderer aus den neuen EU-Mitgliedsländern in ihre Heimat zurückkehren.
- Die Politik muss handeln, um diese Migrationswende aufzuhalten – schließlich sind Arbeitskräfte aus dem Ausland für den deutschen Arbeitsmarkt unverzichtbar.
Deutschland ist aufgrund des demografischen Wandels auf den Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland angewiesen. Zwar kamen im vergangenen Jahr 235.000 Personen mehr in die Bundesrepublik als wegzogen – das ist mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 aber der niedrigste Wert seit 2010. Im Jahr 2023 lag die Nettozuwanderung noch bei gut 663.000 Personen, 2024 bei rund 430.000. Dass zuletzt immer weniger Menschen in die Bundesrepublik kamen, ist auf zwei wesentliche Einflussgrößen zurückzuführen:
Fluchtmigration. Stellten 2023 noch 329.000 Personen einen Asylerstantrag in Deutschland, waren es im vergangenen Jahr nur noch 113.000. Am stärksten war der Rückgang unter syrischen Geflüchteten, deren Antragszahl angesichts der verbesserten Lage in ihrer Heimat nach dem Ende des Assad-Regimes um gut drei Viertel auf 23.000 schrumpfte. Dass aus einem aktuellen Kriegs- oder Krisenland wie dem Iran bald mehr Menschen in die Bundesrepublik flüchten, zeichnet sich derzeit nicht ab.
Eine Sonderstellung nehmen die Ukrainerinnen und Ukrainer ein, die in Deutschland außerhalb des Asylsystems aufgenommen werden. Im Jahr 2025 lag die Nettozuwanderung von ukrainischen Staatsangehörigen bei rund 89.500 Personen, womit sie unter den Geflüchteten die mit weitem Abstand größte Gruppe waren – 2024 waren es mit 116.000 Menschen allerdings noch deutlich mehr. Wie sich die Zahlen in den kommenden Jahren entwickeln, hängt maßgeblich vom Kriegsgeschehen ab.
Erwerbsorientierte Zuwanderung. Im vergangenen Jahrzehnt haben Zuwanderer aus den neuen EU-Mitgliedsländern – also jenen Staaten, die ab 2004 eintraten – wesentlich zur Linderung des hiesigen Fachkräftemangels beigetragen. Inzwischen überwiegen jedoch jene, die Deutschland den Rücken kehren (Grafik):
Unterm Strich verließen im Jahr 2025 rund 45.000 Menschen aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten die Bundesrepublik.
Dass es in den kommenden Jahren noch mal zu einer stärkeren Zuwanderung aus diesen Ländern kommt, ist unwahrscheinlich – schließlich führt auch in ihren Herkunftsländern der demografische Wandel zu immer stärkeren Engpässen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig ist das wirtschaftliche Gefälle zu Deutschland kleiner geworden. Der Anreiz für Angehörige der neuen EU-Länder, ihre Heimat zu verlassen, nimmt also ab.
Im Jahr 2025 sind per saldo 235.000 Menschen nach Deutschland zugewandert – das ist mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 der niedrigste Wert seit 2010.
Aus vielen anderen Herkunftsregionen ist die Nettozuwanderung nach Deutschland zwar noch positiv, aber ebenfalls rückläufig. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, würde das den Fachkräftemangel hierzulande verschärfen und die Innovationskraft der Wirtschaft einschränken.
Die Politik muss die Attraktivität Deutschlands als Wohn- und Arbeitsort für ausländische Fachkräfte folglich weiter stärken oder zumindest erhalten. Dazu zählt insbesondere eine Begrenzung der finanziellen Belastung durch Steuern und Abgaben. Zudem sollte die Regierung die Zuwanderung von Personen aus Drittstaaten durch schnellere Visaverfahren erleichtern und Zugangswege für Arbeitskräfte mit niedrigerem formalen Qualifikationsniveau, ähnlich der Westbalkanregelung, für weitere Länder öffnen.