Konsumverzicht Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Weniger ist das neue Mehr

Immer mehr Menschen teilen und tauschen ihr Hab und Gut. Ganz Radikale verzichten sogar komplett auf Geld und Eigentum.

Kernaussagen in Kürze:
  • Immer mehr Menschen teilen und tauschen ihr Hab und Gut - ganz Radikale verzichten sogar komplett auf Geld und Eigentum.
  • Während im Jahr 2000 erst 30.000 Menschen in Deutschland Carsharing-Angebote nutzten, tun dies mittlerweile 750.000.
  • Auch der private Wohnungstausch boomt: Weltweit bieten schon mehr als sechs Millionen Menschen über Portale wie airbnb in mehr als 100.000 Städten ihre Räumlichkeiten zur Miete oder zum Tausch auf Zeit an.
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Vom Brautkleid über die Bohrmaschine bis hin zum Boot: Mehr und mehr Menschen teilen oder tauschen Dinge, die man früher erst kaufen musste, bevor man sie nutzen konnte. Vor allem die Generation der 19- bis 34-Jährigen praktiziert den sogenannten Ko-Konsum, der meist per Internet organisiert wird.

Besonders deutlich wird der Trend zum Teilen beim Auto – das immerhin mal eines der wichtigsten Statussymbole hierzulande war (Grafik):

Während im Jahr 2000 erst 30.000 Menschen in Deutschland Carsharing-Angebote nutzten, tun dies mittlerweile 750.000.

Momentan kann man sich in etwa 350 deutschen Städten und Gemeinden ein Auto leihen. Ein Beispiel für die Kosten: In Köln offerieren die drei großen Carsharing-Anbieter Pkws, für deren 20-minütige Nutzung rund 5 Euro fällig werden. Dieses Angebot lohnt sich vor allem für jene, die jährlich weniger als 10.000 Kilometer zurücklegen. Denn mit dem Carsharing sparen sie nicht nur die Anschaffungs- und Werkstattkosten, auch das Benzin ist in der Automiete schon drin. Und Parkplatzgebühren braucht man für die meisten „Autos auf Zeit“ ebenfalls nicht zu bezahlen.

Ums Sparen geht es auch den Unternehmen, die die europaweit rund 800 CoWorking Spaces nutzen: Das sind Büros, in denen sich mehrere Jungunternehmer einen Schreibtisch teilen. Der Vorteil: Das Büromobiliar muss nur einmal angeschafft werden, das spart in der oftmals noch von finanziellen Nöten geprägten Existenzgründungsphase Geld und Nerven.

Auch der private Wohnungstausch boomt: Weltweit bieten schon mehr als sechs Millionen Menschen über Portale wie airbnb in mehr als 100.000 Städten ihre Räumlichkeiten zur Miete oder zum Tausch auf Zeit an. Allerdings sollten Mieter, die ihre Wohnung während ihres eigenen Urlaubs vermieten, vorsichtig sein – denn solche kurzfristigen Untervermietungen sind nicht immer legal.

Die „Shareconomy“, wie diese neuen Märkte des Tauschens und Teilens auch genannt werden, basiert zwar oftmals auf Verträgen, meist jedoch setzt sie auf eine ganz andere Basis: auf gegenseitiges Vertrauen. Beim privat organisierten Wohnungstausch zum Beispiel können die Wohnraumanbieter nur hoffen, dass ihr Zuhause in gute Hände kommt. Bei Carsharing-Anbietern wie DriveNow oder car2go übernehmen die Autohersteller das unternehmerische Risiko für Autoschäden, die nicht gemeldet werden. Und beim Foodsharing glauben die Lebensmittelempfänger daran, dass die gespendete Nahrung nicht verunreinigt oder gar giftig ist.

Eine radikale Randerscheinung dürften wohl diejenigen sein, die ganz auf Konsum, Geld und Eigentum verzichten. Denn diese Haltung funktioniert nicht für alle – schließlich muss der Konsumverzicht des einen durch den Arbeitswillen des anderen ermöglicht werden.

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