Pressefreiheit 14.12.2016 Lesezeit 2 Min Lesezeit 1 Min

Wenig Vertrauen in die Medien

Die EU-Kommission hat untersucht, inwieweit die EU-Bürger Vertrauen in die Arbeit der Medien haben. In Deutschland schneiden die Berichterstatter gut ab. Andernorts sind die Menschen deutlich skeptischer.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Mehrheit der Deutschen glaubt, dass die nationalen Medien frei von politischem und wirtschaftlichem Druck sind.
  • In ganz Europa sind nur 38 Prozent der Befragten von einer unabhängigen Berichterstattung überzeugt.
  • Den besten Ruf in Sachen vertrauenswürdige Berichterstattung genießt das Radio, am schlechtesten schneiden die sozialen Medien ab.
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Meinungsmache, Gleichschaltung, bewusste Fehlinformation – Medienschaffende müssen sich seit einiger Zeit mit harten Vorwürfen auseinandersetzen. Populisten bemühen neuerdings gern das Wort von der „Lügenpresse“, um die mediale Berichterstattung anzuzweifeln. Wie die Medien in den Ländern der EU von den Bürgern wahrgenommen werden, hat nun die EU-Kommission in einer Studie untersucht. Fast 28.000 Personen hat sie dazu in den 28 Mitgliedsstaaten befragt.

Die Deutschen halten im europäischen Vergleich recht viel von Zeitungen, Funk und Fernsehen: So meinen 53 Prozent, dass die Medien frei von politischem und wirtschaftlichem Druck berichten.

Damit liegt Deutschland zwar deutlich hinter Ländern wie Finnland (78 Prozent), den Niederlanden und Dänemark (jeweils 61 Prozent), hebt sich aber auch stark vom europäischen Durchschnitt (38 Prozent) ab. Am wenigsten sind die Griechen (12 Prozent) von einer unabhängigen Berichterstattung überzeugt.

Die Mehrheit der EU-Bürger glaubt nicht, dass Medien in ihrem Land frei von politischen und wirtschaftlichen Einflüssen informieren.

An anderer Stelle sieht es aus deutscher Sicht jedoch nicht so gut aus:

Nur 9 Prozent der Bundesbürger glauben, dass die nationalen Medien heute freier und unabhängiger sind als noch vor fünf Jahren.

Deutschland hat in dieser Kategorie von allen Mitgliedsstaaten den schwächsten Wert. 27 Prozent meinen sogar, die Presse sei weniger frei als 2011.

Dennoch ist das Vertrauen in die Medien hierzulande immer noch hoch. 72 Prozent der Bundesbürger sehen die verbreiteten Informationen als vertrauenswürdig an. Auch hier liegt Finnland an der Spitze. 88 Prozent der Finnen attestieren ihren Medien eine hohe Glaubwürdigkeit. Am Ende der Liste rangieren Spanien (38 Prozent), Frankreich (34 Prozent) und Griechenland (26 Prozent). Insgesamt ist in 19 Staaten die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass die nationalen Medien vertrauenswürdige Informationen liefern.

Über ganz Europa hinweg hat das Radio von allen Medien den besten Ruf: 66 Prozent der EU-Bürger halten es für verlässlich. Jeweils 55 Prozent vertrauen der Berichterstattung von Presse und Fernsehen, aber nur 32 Prozent den Aussagen in den sozialen Medien. In Deutschland glauben deutlich mehr Menschen an die Zuverlässigkeit der klassischen Medien. Facebook, Twitter und Co. vertrauen hingegen nur 24 Prozent.

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