Welche Merkmale einen Arbeitsplatz attraktiv machen
Die Beschäftigten in Deutschland haben klare Vorstellungen davon, was einen attraktiven Arbeitsplatz ausmacht. Die am häufigsten gewünschten Merkmale wie eine feste Anstellung oder kurze Pendelzeiten finden sich auch oft in Stellenangeboten wieder. Einige Präferenzen der Arbeitnehmer tauchen dort allerdings recht selten auf.
- Von den sechs Arbeitsplatzpräferenzen, die den Beschäftigten in Deutschland am wichtigsten sind, werden fünf auch von den Unternehmen überdurchschnittlich oft in ihren Stellenanzeigen beworben.
- Die von vielen Beschäftigten gewünschten Merkmale "Große Entscheidungsspielräume" und "Leistungsabhängige Vergütung" tauchen in den Job-Annoncen allerdings nur selten auf.
- Insgesamt sollten die Unternehmen noch stärker als bisher darauf achten, ihre Stellenangebote auf die Bedürfnisse der potenziellen Mitarbeiter auszurichten.
Die deutsche Wirtschaft steckt seit geraumer Zeit in einer tiefen Krise, die auch immer stärker auf den Arbeitsmarkt durchschlägt (siehe "Deutsche Wirtschaft weiter im Stimmungstief"). Dennoch haben Unternehmen nach wie vor Probleme, offene Stellen zügig und adäquat zu besetzen. Auf längere Sicht dürfte sich die Situation aufgrund der alternden Bevölkerung eher noch verschärfen.
Umso wichtiger ist es, dass Firmen gezielt um Mitarbeiter werben – und zwar mit Angeboten, die den Präferenzen der potenziellen Kandidaten entsprechen. Das IW hat daher analysiert, welche Arbeitsplatzaspekte für Beschäftigte wichtig sind, und dies mit den in Stellenangeboten beworbenen Jobmerkmalen verglichen.
Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass sich die Wünsche der Arbeitnehmer durchaus oft mit den Offerten der Firmen decken (Grafik):
Mit einem Anteil von 96 Prozent nennen die befragten Beschäftigten am häufigsten einen sicheren Job als Merkmal ihres Wunsch-Arbeitsplatzes – in den Stellenanzeigen taucht dieser Aspekt immerhin am zweithäufigsten auf.
Zudem werden von den sechs Arbeitsplatzpräferenzen, die den Beschäftigten am wichtigsten sind, fünf auch überdurchschnittlich oft von den Unternehmen in ihren Stellenannoncen beworben.
Fast alle Beschäftigten in Deutschland wünschen sich einen Arbeitsplatz, der ihnen Sicherheit bietet, auf dem sie ihr Wissen und Können einbringen können und der ohne lange Pendelzeiten zu erreichen ist.
Insgesamt sind die Merkmalsanteile bei Letzteren durchgängig deutlich niedriger als in den Befragungsdaten. Das hat allerdings zum Teil damit zu tun, dass sich die vielfältigen Stellenbeschreibungen nicht immer mit den in der IW-Beschäftigtenbefragung zugrunde gelegten Merkmalen in Verbindung bringen lassen.
Zwei Diskrepanzen sind dennoch auffällig: Die Merkmale „Große Entscheidungsspielräume“ und „Leistungsabhängige Vergütung“ sind für 77 beziehungsweise 65 Prozent der Beschäftigten bei der Bewertung ihres jetzigen oder künftigen Arbeitsplatzes wichtig. Aber:
Gerade einmal 3 Prozent der Stellenanzeigen heben den Gestaltungsspielraum auf dem beworbenen Arbeitsplatz hervor und lediglich 4 Prozent stellen leistungsorientierte Gehaltsbestandteile in Aussicht.
Möglicherweise bringen Unternehmen das Thema leistungsorientierte Vergütung erst dann ins Spiel, wenn sie mit bereits vorselektierten Bewerbern Gespräche führen. Und den Aspekt der Entscheidungsspielräume könnten viele Betriebe nur implizit kommunizieren – wenn sie etwa eine „Führungskraft“ oder „Leitung“ suchen.
Um die Präferenzen der Beschäftigten sowie deren Widerhall in Stellenanzeigen noch genauer zu erfassen, hat das IW die Einschätzungen zu den Arbeitsplatzmerkmalen nach weiteren Kriterien differenziert. Einige beispielhafte Ergebnisse:
Geschlecht. Frauen legen auf die drei Arbeitsplatzkriterien, die den Beschäftigten insgesamt am wichtigsten sind, noch einmal deutlich größeren Wert als Männer.
Am deutlichsten ist der Unterschied beim Merkmal „Kurze Pendelzeiten“ – für 94 Prozent der weiblichen Beschäftigten gehört dieses Kriterium unbedingt zu einem attraktiven Arbeitsplatz, von ihren männlichen Kollegen sagen dies 86 Prozent.
Ob das daran liegt, dass sich die befragten Frauen stärker als die Männer außerhalb der Arbeitszeit um die Betreuung von Kindern kümmern oder sonstige Sorgearbeit übernehmen müssen, lässt sich aus den Studienergebnissen nicht eindeutig ableiten.
Qualifikationsniveau. Beschäftigte mit akademischem Abschluss nennen mit 84 Prozent überdurchschnittlich häufig „Große Entscheidungsspielräume“ als für sie zentrales Arbeitsplatzmerkmal. Damit zusammenhängend betont diese Gruppe auch öfter als beruflich Qualifizierte oder Beschäftigte ohne Abschluss die Bedeutung von Karrieremöglichkeiten.
Dennoch heben lediglich 4 Prozent der Stellenanzeigen, die sich an Hochqualifizierte richten, die gebotenen Gestaltungsspielräume hervor. Und auch nur 13 Prozent dieser Annoncen erwähnen Karrieremöglichkeiten.
Insgesamt deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass Unternehmen noch stärker als bisher darauf achten sollten, ihre Stellenangebote auf die Bedürfnisse der potenziellen Mitarbeiter auszurichten, damit sie ihren Fachkräftebedarf künftig passgenau decken können.