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Immobilien Lesezeit 3 Min.

Welche Heizung macht Sinn?

Das geänderte Heizungsgesetz erlaubt es Wohnungseigentümern wieder, neue Gas- und Ölheizungen einzubauen. Eine IW-Berechnung zeigt, dass die Installation fossiler Heizungen ein beträchtliches finanzielles Risiko birgt. So könnten sich die laufenden Betriebskosten für eine neue Gasheizung aufgrund der Umstellungspflicht auf klimafreundliche Gase bis 2045 mehr als verdoppeln.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit Ende Juli ist es Haus- und Wohnungseigentümern wieder selbst überlassen, welche Heizung sie einbauen. Auch der Einbau einer neuen Gas- oder Ölheizung ist wieder erlaubt.
  • Allerdings müssen in neuen fossilen Heizungen ab 2029 klimafreundliche Brennstoffe beigemischt werden. Ab 2045 muss eine Komplettumstellung auf Stoffe wie Biomethan, Bioheizöl, biogenes Flüssiggas oder nachhaltig erzeugten Wasserstoff erfolgen .
  • Je nach Immobilie können die laufenden Betriebskosten für eine neue Gasheizung im Jahr 2045 doppelt so hoch ausfallen wie heute.
Zur detaillierten Fassung

„Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz wird Heizen technologieoffener und flexibler“, heißt es auf der Webseite der Bundesregierung. Tatsächlich ist es seit Ende Juli Haus- und Wohnungseigentümern wieder selbst überlassen, welche Heizung sie einbauen. Anders als im vorherigen „Heizungsgesetz“ ist nun die Installation aller Heizungsarten im Rahmen einer Modernisierung erlaubt – also auch der Einbau einer neuen Gas- oder Ölheizung. Die altersbezogene Austauschpflicht für alte fossile Heizungen entfällt.

Die laufenden Betriebskosten für neu installierte fossile Heizungen werden aufgrund der erheblichen Unsicherheit über die Verfügbarkeit und Bepreisung von klimafreundlichen Brennstoffen in vielen Fällen erheblich steigen.

Allerdings muss spätestens 2045 auch der Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral sein. Deshalb regelt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz, wann und in welchem Umfang klimafreundliche Brennstoffe in neuen fossilen Heizungen eingesetzt werden müssen: Bis zum Jahr 2028 können alle Brennstoffe verwendet werden, ab 2029 müssen mindestens 10 Prozent, ab 2030 mindestens 15 Prozent, ab 2035 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 60 Prozent klimaneutrale Brennstoffe verwendet werden, bevor ab 2045 die Komplettumstellung auf Stoffe wie Biomethan, Bioheizöl, biogenes Flüssiggas oder nachhaltig erzeugten Wasserstoff erfolgen muss.

Auch die Art des Wohngebäudes beeinflusst die Heizkostenentwicklung

Was bedeutet das für die Entwicklung der Heizkosten? Dieser Frage ist das IW in einer Studie anhand von Modellrechnungen für bestehende Wohngebäude nachgegangen. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass die laufenden Betriebskosten für neu installierte fossile Heizungen aufgrund der erheblichen Unsicherheit über die Verfügbarkeit und Bepreisung von klimafreundlichen Brennstoffen in vielen Fällen erheblich steigen werden.

In einer typischen teilsanierten Altbauwohnung, die in einem Mehrfamilienhaus liegt, würden sich die laufenden Betriebskosten für eine neue Gasheizung bis 2045 sogar verdoppeln (Grafik):

Die Heizkosten für eine neue Gasheizung mit einem jährlichen Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden belaufen sich für das gewählte Wohnungsbeispiel 2026 auf 1.080 Euro, bis 2045 steigen sie auf rund 2.370 Euro.

So viele Euro kostet einen durchschnittlichen Haushalt der Betrieb dieser Heizungsart in einer teilsanierten Altbauwohnung mit einem Jahresverbrauch von 10.000 Kilowattstunden Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Der immense Preisanstieg hat mehrere Ursachen: So erhöhen sich im Zeitverlauf die Gasnetzentgelte – bis 2040 entstehen für den Modellhaushalt deshalb Zusatzkosten in Höhe von 184 Euro jährlich. Auch die steigenden CO2-Preise führen 2040 zu Mehrkosten, jedoch nur in Höhe von 44 Euro, da durch die Bio-Treppe der Anteil von fossilem Erdgas sinken muss. Den größten Anteil an den Mehrkosten im Jahr 2040 hat mit etwa 70 Prozent die verpflichtende Beimischung klimafreundlicher Gase, die die Betreiber alter Gasheizungen nicht stemmen müssen, da für sie keine entsprechende Umstellungspflicht besteht. Die höheren Preise für klimafreundliche Gase sind vor allem auf deren begrenzte Verfügbarkeit zurückzuführen: Neben dem Gebäudesektor werden Biomethan, Wasserstoff und Co. auch in der Industrie benötigt. Die dadurch entstehende Konkurrenz um ein begrenztes Angebot erhöht den Preisdruck.

Laufende Betriebskosten bei Wärmepumpen meist niedriger

Noch gravierender fällt der Betriebskostenvergleich zwischen einer neuen Wärmepumpe und einer neuen Gasheizung für das betrachtete Wohnungsbeispiel aus. Der Kauf und Einbau einer Wärmepumpe kann zwar teurer sein als jener einer neuen Gasheizung, doch die jährlichen Betriebskosten sind bei einer Wärmepumpe über den gesamten Betrachtungszeitraum nicht nur niedriger, sondern auch stabiler. Das liegt daran, dass Betreiber von Wärmepumpen keine Gasnetzentgelte, keine CO2-Kosten und keine schwer zu kalkulierenden Kosten für Biomethan oder andere klimafreundlichen Brennstoffe stemmen müssen. Damit hängen die laufenden Heizkosten einer Wärmepumpe im Wesentlichen von der benötigten Strommenge ab.

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