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Weiterhin links

Vor einigen Jahren war der Unterschied noch deutlich größer, bei der jüngsten Bundestagswahl aber haben sich die Gewerkschaftsmitglieder dem allgemeinen Wahltrend angepasst und orientierten sich mehr in die politische Mitte. Unter dem Strich wählen sie allerdings immer noch mehrheitlich links.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bei der jüngsten Bundestagswahl haben sich die Gewerkschaftsmitglieder dem allgemeinen Wahltrend angepasst und orientierten sich mehr in die politische Mitte.
  • Die kleineren Parteien mussten am 22. September sowohl bei allen Wählern als auch bei den Gewerkschaftsmitgliedern Verluste hinnehmen.
  • Insgesamt haben die Gewerkschafter – wenngleich mit rückläufiger Tendenz – mehrheitlich links gewählt.
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Nachdem sich die schwarz-gelbe Regierung im September verabschieden musste, bahnt sich eine Große Koalition an. Dies dürfte auch den Gewerkschaftern gefallen, stimmten doch immerhin fast 70 Prozent von ihnen für CDU/CSU und SPD.

Die Unionsparteien legten im Vergleich zur Bundestagswahl 2009 bei den Wählern insgesamt um 7,7 Prozentpunkte zu. Mit 7,4 Punkten fiel das Plus bei den Stimmen der Gewerkschaftsmitglieder nicht viel kleiner aus (Grafik). Dies ist ein erstaunliches Ergebnis, hatten sich doch Merkel und Co. eindeutig gegen den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn ausgesprochen.

Bei der SPD ging es nach den Verlusten 2005 und 2009 wieder leicht aufwärts – mit einem Plus von 2,7 Prozentpunkten bei allen bzw. 2,4 Punkten bei den Gewerkschaftern. Dass die SPD als Arbeiterpartei keine größere Resonanz bei den Anhängern von ver.di und Co. findet, hängt immer noch mit den Hartz-Reformen von 2003 zusammen. Damals wanderten viele Gewerkschafter zur Linken ab. Inzwischen machen die Sozialdemokraten aber wieder Boden gut: Die SPD tritt für einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro ein, will die Zeitarbeit zurückdrängen und befristete Arbeitsverträge abschaffen – alles Themen, die Gewerkschaftsfunktionären und -mitgliedern gleichermaßen gefallen.

Die kleineren Parteien mussten am 22. September sowohl bei allen Wählern als auch bei den Gewerkschaftsmitgliedern Verluste hinnehmen.

Die FDP flog infolgedessen aus dem Bundestag. Aber auch die Linke verlor: insgesamt 3,3 Prozentpunkte, bei den Gewerkschaftern sogar 6,1 Punkte.

Das Wahlverhalten von Gewerkschaftsmitgliedern spiegelt zwar das Prinzip der Einheitsgewerkschaft wider, die weltanschauliche Interessen bündeln und parteipolitisch neutral sein will. Insgesamt haben die Gewerkschafter – wenngleich mit rückläufiger Tendenz – aber doch mehrheitlich links gewählt. Bei der Wahl 2009 kamen SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen zusammen auf 60,5 Prozent der Gewerkschafterstimmen, vier Jahre später waren es 55,3 Prozent.

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