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Weibliche Flüchtlinge gezielt integrieren

Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt ist eine große Herausforderung – das gilt vor allem für weibliche Flüchtlinge. Denn zu den vielen Aufgaben, die Migranten in Deutschland meistern müssen, kommt für den Großteil der Frauen noch etwas Spezifisches hinzu: die Vereinbarkeit von familiären und beruflichen Pflichten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Viele weibliche Flüchtlinge wollen auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Doch gerade für sie gestaltet sich die Arbeitsaufnahme schwierig.
  • Da viele Flüchtlingsfrauen Kinder haben, sind Teilzeitangebote oder flexible Arbeitszeiten nötig, um ihre Berufschancen zu erhöhen.
  • Die geflüchteten Frauen haben häufiger als die Männer keine Schule besucht. Um ihre Kompetenzen bewerten zu können, bieten sich Praktika und Berufsorientierungsmaßnahmen an.
Zur detaillierten Fassung

Zwischen 2012 und 2016 haben über eine halbe Million Frauen einen Antrag auf Asyl in Deutschland gestellt. Aktuell stammt fast jeder dritte Asylantrag von einer Frau. Doch weibliche Flüchtlinge sind sowohl im Straßenbild als auch in der politischen Diskussion kaum präsent.

Das dürfte sich aller Voraussicht nach schon recht bald ändern – denn anerkannte Flüchtlinge haben die Möglichkeit, ihre Familien nachkommen zu lassen. Viele Syrer, Iraker und Afghanen machen davon Gebrauch:

Im ersten Halbjahr 2017 sind 60.000 Visa für einen Familiennachzug erteilt worden. Im Jahr 2016 waren es insgesamt 100.000.

Für viele Flüchtlingsfrauen ist eine Arbeitsaufnahme schwierig. Sie brauchen gezielte Unterstützung.

Viele weibliche Flüchtlinge wollen auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Doch gerade für sie gestaltet sich die Arbeitsaufnahme besonders schwierig – aus mehreren Gründen:

Das größte Einstellungshemmnis für Flüchtlinge sind fehlende deutsche Sprachkenntnisse. Weibliche Flüchtlinge schneiden in diesem Punkt oft schlechter ab als männliche Flüchtlinge – aufgrund ihrer häufig geringeren Schulbildung sowie fehlender sozialer Kontakte. Flüchtlingsfrauen sind deshalb oft auf gezielte Sprachnachhilfe angewiesen. Genauso wichtig ist es, geflüchtete Frauen in soziale Aktivitäten einzubeziehen, wobei hier ergänzend das Angebot einer Kinderbetreuung nötig sein kann. Denn anders als viele Männer kommen Frauen meist mit Familie nach Deutschland:

Drei Viertel aller volljährigen geflüchteten Frauen sind Mütter.

Für sie steht deshalb meist die Versorgung der Kinder im Vordergrund, was mit einem Job mit einer 40-Stunden-Woche schwer in Einklang zu bringen ist. Um die Beschäftigungsmöglichkeiten für geflüchtete Frauen zu erhöhen, sind deshalb Teilzeitangebote oder flexible Arbeitszeiten nötig.

Weibliche Flüchtlinge haben häufig ein geringeres formales Bildungsniveau als männliche Flüchtlinge (Grafik):

Etwa jede sechste Flüchtlingsfrau konnte in ihrem Herkunftsland keine Schule besuchen.

Ein fehlendes Abschluss- oder Arbeitszeugnis heißt allerdings nicht automatisch, dass jemand über keinerlei Berufserfahrung verfügt. Um herauszufinden, welche Kompetenzen weibliche Flüchtlinge tatsächlich haben, bieten sich deshalb vor allem Praktika und Berufsorientierungsmaßnahmen an. Auch die Bundesagentur für Arbeit hat ein Instrument speziell für Flüchtlingsfrauen entwickelt: Perspektiven für weibliche Flüchtlinge (PerF-W) unterstützt die Standortbestimmung und führt die Frauen innerhalb von vier Monaten in Teilzeit an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heran.

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