Einkommensverteilung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Weder vor noch zurück

Seit 2005 driften die Einkommen der Bundesbürger nicht mehr auseinander. Die Einkommensschere schließt sich aber auch nicht. Für beides gibt es Gründe.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit 2005 driften die Einkommen der Bundesbürger nicht mehr auseinander - die Schere schließt sich jedoch auch nicht.
  • Seit 2005 sind mehr als 2,7 Millionen neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Die Arbeitslosenquote hat sich mehr als halbiert.
  • Die steigende Nachfrage nach Hochqualifizierten stößt auf ein begrenztes Angebot an gut ausgebildeten Arbeitnehmern – die deshalb überdurchschnittliche Löhne und Gehälter verlangen können.
Zur detaillierten Fassung

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine neue Studie zur Einkommensentwicklung der Deutschen vorgelegt – und Erklärungen dafür geliefert, warum die Einkommen früher sehr stark auseinandergedriftet sind, heute aber eher Stillstand zu verzeichnen ist (Grafik):

Längerfristige Entwicklung. Der Anstieg der Einkommensungleichheit seit den 1990er Jahren konnte 2005 gestoppt werden – nicht zuletzt dank des Aufschwungs auf dem Arbeitsmarkt:

Seit 2005 sind mehr als 2,7 Millionen neue sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Die Arbeitslosenquote hat sich mehr als halbiert.

Durch diese Entwicklung holten die unteren Einkommensbezieher etwas auf: So sind die Realeinkommen der ärmsten 10 Prozent der Bevölkerung zwischen 2005 und 2011 um 6 Prozent gestiegen, die oberen Einkommen haben sich in diesem Zeitraum indes kaum verändert.

Damit läuft Deutschland gegen den internationalen Trend. In 21 von 33 OECD-Ländern, für die Daten verfügbar sind, haben sich die Einkommen der Gutverdienenden über die Krisenjahre hinweg besser entwickelt als die Einkommen der ärmeren Bevölkerung.

Auch die Optimisten unter den Einkommensforschern müssen allerdings einräumen, dass die Einkommen der ärmeren und reicheren Bundesbürger heute weiter auseinanderliegen als zu Beginn der 1990er Jahre. Für diese Tatsache gibt es eine Reihe von Erklärungen. Ein wesentlicher Grund ist der Fachkräftemangel:

Die steigende Nachfrage nach Hochqualifizierten stößt auf ein begrenztes Angebot an gut ausgebildeten Arbeitnehmern – die deshalb überdurchschnittliche Löhne und Gehälter verlangen können.

Am unteren Ende der Einkommensschere stehen dagegen häufig geringqualifizierte Langzeitarbeitslose, die nur schwer in den Arbeitsmarkt zu integrieren sind.

Laut DIW leistet auch der demografische Wandel seinen Beitrag zur steigenden Ungleichheit: Es gibt immer mehr Rentner, die in der Regel über weniger Geld verfügen als ein Beschäftigter. Und die Senioren steigen normalerweise auch in der Einkommenshierarchie nicht mehr auf. Zudem hat die steigende Zahl von Singlehaushalten und Alleinerziehenden zu einem höheren Ungleichheitsniveau beigetragen.

Kurzfristige Entwicklung. Seit dem Jahr 2005 hat sich in der Einkommensverteilung nicht mehr viel getan. Die kleinen Veränderungen nach oben und unten beschreiben keine Trends, sie sind vielmehr auf Sonderfaktoren zurückzuführen.

So sind zum Beispiel mit der derzeit guten Immobilien- und Börsenmarktentwicklung auch die Vermögenseinkommen wieder gestiegen, die Verluste der Finanzmarktkrise wurden also zum Teil kompensiert.

Zu einem nennenswerten Einkommenszuwachs am oberen Ende der Einkommenshierarchie hat dies allerdings nicht geführt: Die Realeinkommen des reichsten Zehntels sind von 2010 auf 2011 gerade einmal um 0,7 Prozent gestiegen.

Eine Erklärung dafür, warum die Einkommen des untersten Zehntels 2011 zurückgegangen sind, gibt es bisher nicht.

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