Was uns zufrieden macht
Die Deutschen sind trotz aktueller Krisen und einer angespannten Wirtschaftslage vergleichsweise zufrieden mit ihrem Leben. Eine IW-Studie zeigt, dass nicht nur die Arbeitssituation und die Einkommenshöhe wichtige Faktoren für das individuelle Wohlbefinden sind.
- Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Bundesbürger erreicht gegenwärtig so hohe Werte wie zuletzt in den 2010er Jahren.
- Neben dem Alter hat auch die Höhe des Einkommens Einfluss auf die Lebenszufriedenheit. Höchstwerte erreichen Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.500 bis 4.000 Euro.
- Die subjektiv empfundene Lebenszufriedenheit hängt auch davon ab, ob die Befragten arbeiten. So sind Nichterwerbstätige nachweislich unzufriedener mit ihrem Leben als Menschen, die einen Job haben.
Der demografische Wandel mit seinen unschönen Auswirkungen auf die Sozialsysteme, die Stagnation der Wirtschaft, die in manchen Branchen zu einem massiven Stellenabbau führt, und eine Sicherheitslage, die diesem Namen angesichts der aktuellen Weltpolitik nicht mehr so richtig gerecht wird: Die Situation in Deutschland ist herausfordernd. Und trotzdem erreicht die anhand von Umfragen gemessene durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Bundesbürger gegenwärtig historisch hohe Werte wie zuletzt in den 2010er Jahren. Dies zeigt eine aktuelle IW-Auswertung.
Besonders zufrieden sind junge Erwachsene und Menschen im Ruhestand. Im mittleren Alter, wenn die beruflichen, familiären und finanziellen Belastungen besonders hoch sind, ist die Lebenszufriedenheit tendenziell etwas niedriger.
Besonders zufrieden sind demnach junge Erwachsene und Menschen im Ruhestand. Sie erreichen auf einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (sehr zufrieden) jeweils Werte von mehr als 7 Punkten. Im mittleren Alter dagegen liegt die Lebenszufriedenheit mit rund 6 Punkten tendenziell etwas niedriger, was damit zusammenhängen dürfte, dass in dieser Lebensphase die beruflichen, familiären und finanziellen Belastungen besonders hoch sind.
Neben dem Alter gibt es noch andere zentrale Einflussfaktoren auf die Lebenszufriedenheit. Die Höhe des Einkommens beispielsweise spielt eine wichtige Rolle (Grafik):
Personen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von weniger als 1.000 Euro weisen im Durchschnitt die geringste Lebenszufriedenheit (6,2 Punkte) auf, den Höchstwert erreicht die Gruppe mit Einkommen von 3.500 bis 4.000 Euro (8,6 Punkte).
Wer mehr als 4.000 Euro im Monat zur Verfügung hat, ist mit 7,7 Punkten im Schnitt etwas weniger zufrieden mit seiner Lebenssituation. Da diese Gruppe in der Befragung allerdings vergleichsweise klein ist, ist die Aussagekraft der Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren.
Wer glaubt, sein Leben selbst gestalten zu können, ist zufriedener
Auch psychologische Faktoren spielen eine Rolle für die Lebenszufriedenheit. Personen, die zu wissen glauben, dass sie ihr Leben und ihre Erfolge selbst in der Hand haben, sind in der Regel zufriedener als Menschen, die sich fremdbestimmt fühlen. Während die stark external überzeugten Befragten nur eine durchschnittliche Lebenszufriedenheit von 5,3 Punkten aufweisen, liegt die durchschnittliche Lebenszufriedenheit von denjenigen, die überzeugt sind, ihr Leben durch eigenes Handeln selbst beeinflussen zu können, bei durchschnittlich 8,5 Punkten.
Zahlreiche Studien zeigen zudem, dass die subjektiv empfundene Lebenszufriedenheit auch davon abhängt, ob und wie viel die Befragten arbeiten. So sind Nichterwerbstätige nachweislich unzufriedener mit ihrem Leben als Menschen, die einen Job haben. Das Arbeitspensum spielt ebenfalls eine Rolle (Grafik):
Vollzeitbeschäftigte erreichen mit durchschnittlich 7,4 Punkten die höchste Lebenszufriedenheit, Teilzeitbeschäftigte liegen mit 7,2 Punkten leicht darunter.
Geringfügig Beschäftigte sind mit im Schnitt 6,7 Punkten deutlich unzufriedener.
Dass sich ein höherer Umfang der Erwerbsarbeit in höherem Wohlbefinden niederschlägt, dürfte daran liegen, dass Vollzeitbeschäftigte in der Regel ein höheres und stabileres Einkommen erzielen, was finanzielle Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe erleichtert. Außerdem kann ein Vollzeitjob eine stärkere soziale Einbindung und Anerkennung im beruflichen Umfeld mit sich bringen – beides Faktoren, die sich positiv auf die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben auswirken können.
Fehlende Anerkennung im Beruf kann die Zufriedenheit dämpfen
Dass Teilzeitbeschäftigte ebenfalls eine recht hohe Lebenszufriedenheit aufweisen, könnte unter anderem darin begründet sein, dass eine Teilzeitstelle mehr zeitliche Autonomie erlaubt – beispielsweise um sich um die Familie zu kümmern oder sich weiterzubilden. Auch dies kann die Zufriedenheit günstig beeinflussen.
Die durchschnittlich niedrigere Lebenszufriedenheit von geringfügig Beschäftigten dagegen könnte mit prekären Arbeitsbedingungen, eingeschränkter sozialer Absicherung oder einem Gefühl fehlender beruflicher Perspektive zusammenhängen. Auch eingeschränkte Weiterentwicklungsmöglichkeiten oder fehlende Anerkennung im Arbeitsumfeld könnten die Zufriedenheit von geringfügig Beschäftigten dämpfen.
Abgesehen von der Wochenarbeitszeit spielt noch eine Reihe weiterer Faktoren eine wichtige Rolle für die Lebenszufriedenheit von Beschäftigten: beispielsweise eine wertschätzende Unternehmenskultur oder flexible Arbeitszeitmodelle, die die Selbstbestimmtheit der Mitarbeiter fördern.