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Was kostet die Flüchtlingshilfe?

Die Ausgaben für Hartz IV und Integrationsmaßnahmen werden den deutschen Fiskus in diesem Jahr viele Milliarden Euro kosten. Je schneller die Zuwanderer integriert und fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden, desto eher erhält der Staat für sein Geld eine Rendite.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nur wenige Flüchtlinge dürften sofort einen Job finden.
  • Die meisten Flüchtlinge werden erst einmal zu Hartz-IV-Empfängern.
  • Damit die Ausgaben für die Flüchtlingshilfe 2017 spürbar zurückgehen, müssen möglichst viele Flüchtlinge schnell den Schritt auf den Arbeitsmarkt schaffen.
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Im vergangenen Jahr sind in Deutschland fast so viele Asylanträge gestellt worden wie in den fünf Jahren zuvor zusammen. Und ein Ende ist offenbar nicht in Sicht. Das fordert die deutsche Volkswirtschaft heraus: Die Menschen brauchen zum Beispiel ein Dach über dem Kopf, Verpflegung, Medikamente und ärztliche Betreuung.

Und um ihr Leben in Deutschland möglichst bald aus eigener Kraft finanzieren zu können, müssen die Asylsuchenden schnell die deutsche Sprache lernen, sich in der Gesellschaft zurechtfinden und beruflich weiterqualifizieren. Der Nachwuchs der Flüchtlinge muss ebenfalls betreut werden.

Dafür sind neue Wohnungen, Sprach- und Integrationskurse, Aus- und Weiterbildungen sowie eine gute Gesundheitsversorgung notwendig. Das kostet:

Für jeden Flüchtling muss der Staat zunächst rund 1.000 Euro pro Monat für Unterkunft, Versorgung und Betreuung in einem der Erstaufnahmelager ausgeben.

Bis ein Asylantrag überhaupt gestellt werden kann, vergeht vielerorts oft geraume Zeit, danach folgt immer noch das monatelange Warten auf den Bescheid.

Die meisten Flüchtlinge können wahrscheinlich aufgrund der Kriege in ihren Heimatländern in Deutschland bleiben. Und mit dem Bleiberecht wechselt ihr Status: Statt des Asylbewerberleistungsgesetzes gilt für sie dann wie für Deutsche das Sozialgesetzbuch II.

Da nur wenige Flüchtlinge sofort einen Job finden dürften, werden die meisten erst einmal zu Hartz-IV-Empfängern.

Dabei ändert sich an den Ausgaben des Fiskus von durchschnittlich 1.000 Euro je Flüchtling und Monat nicht viel. Bei einer Familie ergeben sich aber immerhin Synergieeffekte für Unterkunft und Verpflegung – für eine vierköpfige Familie beispielsweise dürften die entsprechenden Ausgaben nicht über 2.000 Euro monatlich hinausgehen.

Insgesamt werden im Jahr 2016 im Durchschnitt vermutlich ungefähr 1,2 Millionen Flüchtlinge in Deutschland Sozialleistungen beziehen. Dadurch ergeben sich nach einer Schätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln für den Staat Kosten von insgesamt etwa 14 Milliarden Euro.

Gemessen an den bisherigen Ausgaben für Hartz IV wäre das ein Plus von einem Drittel.

Hinzu kommen Kurse zur Integration und Berufsqualifizierung – dadurch entstehen dem deutschen Staat weitere Kosten in Höhe von rund 5 Milliarden Euro (Grafik).

Damit die Ausgaben für die Flüchtlingshilfe schon 2017 spürbar zurückgehen, müssen möglichst viele Flüchtlinge schnell den Schritt auf den Arbeitsmarkt schaffen. Dazu gehört auch, dass flexible Beschäftigungsformen wie die Zeitarbeit nicht unnötig reguliert werden.

Davon hätten am Ende alle Beteiligten etwas: Die Unternehmen bekämen zusätzliche Fachkräfte, die Flüchtlinge könnten ein selbstbestimmtes Leben führen und der Staat würde über Steuern und Sozialabgaben zumindest einen Teil seiner Ausgaben wieder hereinholen.

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