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Auslandsaufenthalt gut für die Karriere

Wer als Student einige Zeit im Ausland verbringt – ob für ein Praktikum oder ein Studiensemester –, möbelt nicht nur seine Sprachkenntnisse auf, sondern entwickelt auch seine sozialen und persönlichen Kompetenzen weiter. Im Bewerbungsprozess können solche Fähigkeiten die Chancen erhöhen, aber erst, wenn bestimmte Hürden genommen sind.

Kernaussagen in Kürze:
  • Personaler gehen davon aus, dass auslandserfahrene Hochschulabsolventen über gute Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz verfügen.
  • Allerdings schauen Personalchefs bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen zuerst darauf, ob jemand Praxiserfahrung mitbringt.
  • Personalverantwortliche favorisieren das Auslandspraktikum gegenüber dem Auslandsstudium.
Zur detaillierten Fassung

„Reisen ist tödlich für Vorurteile“, stellte bereits der Schriftsteller und Globetrotter Mark Twain fest. Dass ein Aufenthalt im Ausland dazu beitragen kann, offener für andere Mentalitäten zu werden, bestätigt auch eine Umfrage, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gemeinsam mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Sommer vergangenen Jahres unter rund 1.000 Personalverantwortlichen durchgeführt hat.

Ein Auslandsaufenthalt verbessert die Sprachenkenntnisse

In erster Linie gehen die Personaler davon aus, dass Hochschulabsolventen durch einen Auslandsaufenthalt ihre Fremdsprachenkenntnisse verbessern (Grafik). Zudem versprechen sie sich einen Zugewinn an interkultureller Kompetenz – also mehr Offenheit für andere Kulturen und Mentalitäten. Nach Auffassung der Personaler dürfte ein Auslandsaufenthalt zusätzlich die sozialen und persönlichen Kompetenzen sehr stark fördern. Außerdem sind sie der Ansicht, dass ein Auslandsstudium oder -praktikum dabei helfen kann, Kenntnisse über ausländische Märkte, Institutionen und Rechtssysteme zu vertiefen.

Der Auslandsaufenthalt an sich führt nicht automatisch zu besseren Einstellungschancen, wichtig ist vor allem Praxiserfahrung.

Auch die kognitiven Fähigkeiten sowie das im Studium erworbene Fachwissen dürften durch einen Auslandsaufenthalt gefördert werden. All diese positiven Einschätzungen treffen die Personalchefs übrigens unabhängig davon, ob ihr Unternehmen bereits selbst mit dem Ausland zu tun hat oder nicht.

Auslandserfahrene sind offener und verträglicher

Dass die Personaler mit ihren Vorstellungen richtigliegen, bestätigt eine Studie der Universität Jena, in der die Erfahrungen und Einstellungen von Studenten mit und ohne Auslandserfahrung verglichen wurden. Für die Auslandserfahrenen lässt sich eine Weiterentwicklung von Persönlichkeitsmerkmalen wie Offenheit und Verträglichkeit nachweisen. Auf jeden Fall fördere ein Auslandsaufenthalt den persönlichen Reifeprozess, so die Studie.

Allerdings führt die Auslandserfahrung nicht automatisch zu besseren Einstellungschancen: Bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen schauen die Personaler zunächst darauf, ob jemand Praxiserfahrung mitbringt. Auch Noten und die Studiendauer spielen eine Rolle. Erst im weiteren Bewerbungsverlauf – etwa im Vorstellungsgespräch – gewinnen jene sozialen und persönlichen Kompetenzen an Bedeutung, die aufgrund eines Auslandsaufenthalts gereift sein können.

Kompetenzen wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Belastbarkeit und Flexibilität schätzen Personaler als wichtiger ein als das im Studium erworbene Fachwissen.

Wer also bereits im Bewerbungsschreiben zeigen kann, was ihm die Auslandserfahrung persönlich und für die sozialen und kommunikativen Kompetenzen gebracht hat und wie er dieses Wissen für die ausgeschriebene Stelle nutzen kann, hat einen Vorsprung. Mit den unmittelbar auslandsbezogenen Kompetenzen – etwa Fremdsprachenkenntnissen – kann man vor allem bei Unternehmen punkten, die bereits Mitarbeiter im Ausland beschäftigen. Für diese Betriebe sind Fremdsprachenkenntnisse fast genauso wichtig wie das im Studium erworbene Fachwissen.

Für drei bis sechs Monate ins Ausland

Kurze Auslandstrips unter drei Monaten Dauer bringen übrigens nicht viel. Drei bis sechs Monate sollte der Aufenthalt nach Auffassung der meisten Personalverantwortlichen mindestens dauern. Außerdem favorisieren sie das Auslandspraktikum gegenüber dem Auslandsstudium, wenn auch nur geringfügig. Jobaspiranten müssen auch nicht unbedingt um die halbe Welt jetten: Die eine Hälfte der Unternehmensvertreter hat keine Präferenz für ein spezielles Land oder eine Region. Von der anderen Hälfte befürwortet die Mehrheit Aufenthalte in europäischen Ländern oder in den USA und Kanada.

Vgl. Gutachten Christiane Konegen-Grenier, Beate Placke: Hochschulabsolventen mit Auslandserfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt – Gemeinsame Studie mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst

 

Dieser Artikel wurde zum ersten Mal am 5.7.2016 auf iwd.de veröffentlicht.

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