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Was den Unternehmen die Hochschulen wert sind

Rund 3,3 Milliarden Euro haben die Unternehmen in Deutschland 2015 in die akademische Bildung investiert. Die Betriebe unterstützen vor allem Studenten in dualen Studiengängen sowie Praktikanten im Rahmen ihres Hochschulstudiums. Auch die Zahl der durch Unternehmen angebotenen Stipendien ist zuletzt rasant gestiegen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland investierte 2015 in die akademische Bildung.
  • Insgesamt flossen mehr als 3,3 Milliarden Euro an die Hochschulen und Studenten - fast die Hälfte davon machten Vergütungen für dual Studierende und Praktikanten aus.
  • Die Unternehmen erhoffen sich durch ihre Investitionen in die akademische Bildung, neue Ideen und besonders gute Studenten zu gewinnen.
Zur detaillierten Fassung

Von der Praktikumsvergütung bis zur Stiftungsprofessur: Für Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten, Studenten und Hochschulen finanziell zu unterstützen. Wie hoch dieses Engagement der mittleren und großen Unternehmen in die akademische Bildung ausfällt, haben nun bereits zum dritten Mal der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) untersucht – mit erfreulichen Ergebnissen (Grafik):

Im Jahr 2015 investierte gut jedes zweite Unternehmen in die akademische Bildung.

Die Betriebe finanzieren vor allem duale Studiengänge. Gut 40 Prozent der Gesamtausgaben in Höhe von 3,32 Milliarden Euro flossen 2015 in diese praxisverbundenen Studienangebote. Damit haben sich die Investitionen in diesem Bereich seit 2009 mehr als verdoppelt. Parallel dazu ist die Zahl der Studenten, die ein duales Studium absolvieren, um 76 Prozent auf mittlerweile rund 87.000 gestiegen.

Mehr als jedes zweite Unternehmen in Deutschland hat im Jahr 2015 in die akademische Bildung investiert.

Der zweitgrößte Förderposten der Unternehmen sind Praktika. Gut 975 Millionen Euro – rund 50 Prozent mehr als 2012 – wendeten die Unternehmen im Jahr 2015 auf, um annähernd 248.000 Praktikanten zu betreuen und ihnen eine Vergütung zu zahlen.

Mehr Geld für Praktikanten

Allerdings hat sich die Zahl der Praktikantenplätze seit 2012 kaum erhöht, während sie zwischen 2009 und 2012 noch um 35 Prozent zugelegt hatte. Ursache dafür ist der Mindestlohn, den die Unternehmen unter anderem Praktikanten ab einer dreimonatigen Beschäftigungsdauer zahlen müssen.

Deutlich gestiegen sind dagegen die Vergütungen für Praktikanten. Erhielten Studenten 2012 im Schnitt rund 1.200 Euro pro Praktikum, so fiel dieser Betrag 2015 mit knapp 2.400 Euro doppelt so hoch aus. Auch in den von der Mindestlohnregelung nicht betroffenen dualen Studiengängen stiegen die Vergütungen. Mit rund 11.200 Euro erhielten die Studenten eines dualen Studiengangs 16 Prozent mehr Geld als 2012.

Die Vergütungen für dual Studierende und Praktikanten machten 2015 zusammen 1,56 Milliarden Euro aus, das ist fast die Hälfte der gesamten unternehmerischen Investitionen in die akademische Bildung.

Zum Vergleich: 2015 flossen 2,16 Milliarden Euro an Bafög-Mitteln in die Studienfinanzierung.

Eine weitere Form, Studenten zu unterstützen, sind Stipendien. Insgesamt konnten sich 2015 annähernd 12.900 Hochschüler über ein unternehmensfinanziertes Stipendium freuen – mehr als doppelt so viele wie 2009. Dieser Zuwachs ist vor allem dem vom Bildungsministerium kofinanzierten Deutschland­stipendium zu verdanken, welches die Unternehmen mittlerweile überwiegend anbieten. Oft ergänzen die Unternehmen ihre Stipendien durch weitere Förderungen, sodass die Stipendiaten insgesamt einen Zuschuss von durchschnittlich rund 3.000 Euro pro Jahr erhalten.

Unterstützung für studierende Mitarbeiter

Die Förderung der akademischen Bildung kommt aber nicht nur Externen zugute; jedes dritte Unternehmen unterstützt auch studierende Mitarbeiter. Rund 330 Millionen Euro wendeten die Betriebe 2015 für berufsbegleitende Studiengänge oder andere Formen der akademischen Weiterbildung wie beispielsweise Hochschulzertifikate auf. Im Jahr 2015 haben die Unternehmen rund 55.000 Beschäftigte unterstützt, 28 Prozent mehr als vor sechs Jahren. Je studierenden Mitarbeiter zahlten die Firmen im Schnitt 2.900 Euro an Studiengebühren, weitere 3.200 Euro schlugen für Freistellungen vom Arbeitsplatz zu Buche.

Darüber hinaus lassen die Betriebe viele finanzielle Zuwendungen direkt den Hochschulen zukommen. Rund 376 Millionen Euro kamen 2015 via Spenden oder Spon-
soringbeiträgen bei Universitäten und Fachhochschulen an. Damit haben sich die Zuwendungen nach einem Tiefstand im Jahr 2012 wieder deutlich erhöht.

Weitere 50 Millionen Euro kamen 2015 in Form von Sachspenden und kostenfreien Dienstleistungen hinzu. Auch in Lehre und Forschung wurde investiert, indem die Unternehmen mit 88 Millionen Euro 546 Stiftungsprofessuren finanzierten. Vor allem große Firmen unterstützen Studium und Lehre auf diesem Weg, denn die Kosten für die Ausstattung einer Professur betragen im Schnitt 160.000 Euro jährlich.

Ziele der Firmen: Neue Ideen, mehr Facharbeiter

Doch warum investieren Unternehmen überhaupt in Studenten und Hochschulen? Die Betriebe versprechen sich davon in erster Linie, neue Ideen für ihr Unternehmen zu bekommen, besonders gute Studienabsolventen für sich zu gewinnen sowie die Fachkräfteengpässe zu beheben (Grafik). Wichtig ist ihnen außerdem die Weiterbildung und Bindung der eigenen Mitarbeiter. Auch ist ihnen daran gelegen, dass sich das Studium stärker an der Praxis orientiert.

Neue Inhalte in einzelnen Studiengängen zu verankern, bestimmte Fachrichtungen zu fördern, der eigene Reputationsgewinn oder das Pushen der Region, in der das Unternehmen ansässig ist – all dies ist den Betrieben nicht ganz so wichtig. Ihnen liegt also mehr daran, neues Wissen aus den Hochschulen aufzunehmen, als daran, selber Einfluss auf die Inhalte zu nehmen.

Diesen Transfer wollen die Unternehmen auch künftig aufrechterhalten: Mehr als 70 Prozent der Betriebe geben an, ihre akademischen Bildungsinvestitionen in gleicher Höhe fortführen zu wollen, rund 25 Prozent beabsichtigen sogar, den finanziellen Einsatz noch zu steigern.

GutachtenChristiane Konegen-Grenier, Mathias Winde: Bildungsinvestitionen der Wirtschaft 2015, Essen 2017iwkoeln.de/bildungsinvestitionen

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