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Was das Konto wirklich füllt

Ob jemand viel oder wenig Sonderzahlungen – ob nun zu Weihnachten oder in der Urlaubszeit – kassiert, lässt keinen Schluss auf seine gesamte Entlohnung zu. Denn die Struktur von Grundgehalt und Sonderzahlungen ist je nach Branche sehr unterschiedlich.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ob jemand viel oder wenig Sonderzahlungen – ob nun zu Weihnachten oder in der Urlaubszeit – kassiert, lässt keinen Schluss auf seine gesamte Entlohnung zu.
  • Eine Fachkraft mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung bekommt in der M+E-Industrie je nach Tarifregion bis zu 2.152 Euro Urlaubsgeld.
  • In der Industrie, im Finanzsektor sowie im westdeutschen Bauhauptgewerbe bekommen beruflich qualifizierte und erfahrene Fachkräfte mehr als 3.000 Euro.
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In der Urlaubszeit kann sich fast jeder zweite Arbeitnehmer über eine Extrazahlung freuen. Dies zeigt eine Online-Befragung von mehr als 20.000 Beschäftigten durch die Hans-Böckler-Stiftung. Dabei sind die tarifgebundenen Firmen großzügiger – dort bekommen 59 Prozent der Mitarbeiter Urlaubsgeld, in den übrigen Betrieben nur 35 Prozent.

Doch auch bei den tariflich Beschäftigten sind die Unterschiede groß (Grafik). Im Bankgewerbe sowie im öffentlichen Dienst beispielsweise erhalten die Mitarbeiter kein gesondertes Urlaubsgeld. Die Metall- und Elektro-Industrie sowie die Papier und Pappe verarbeitende Industrie legen jeweils 50 Prozent des Gehalts, auf das die Beschäftigten während ihrer 30 Urlaubstage Anspruch haben, als Extra oben drauf.

Eine Fachkraft mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung bekommt in der M+E-Industrie je nach Tarifregion bis zu 2.152 Euro Urlaubsgeld – durch Zuschläge für Mehrarbeit sind sogar noch höhere Beträge möglich.

Die chemische Industrie und viele andere Branchen gewähren ihren Mitarbeitern keinen festen Prozentsatz vom Gehalt, sondern eine fixe Summe von 20,45 Euro pro Tag. Damit kommt eine Vollzeitkraft bei 30 Urlaubstagen auf rund 614 Euro.

Wer beim Urlaubsgeld stiefmütterlich behandelt wird, kassiert dafür oft eine relativ üppige Jahressonderzahlung, sprich: Weihnachtsgeld. Die Banken etwa zahlen in der Regel ein volles Monatsgehalt, im öffentlichen Dienst gibt es bis zu 90 Prozent des Monatssalärs. Davon können viele Beschäftigte im Handwerk allerdings nur träumen – so erhalten Friseure in Nordrhein-Westfalen weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld.

Letztlich ist für die Beschäftigten jedoch entscheidend, was insgesamt auf dem Gehaltszettel steht. Rechnet man die Sonderzahlungen auf einen monatlichen Betrag um und addiert dies zum Grundgehalt, ergibt sich folgendes Branchenbild:

In der Industrie, im Finanzsektor sowie im westdeutschen Bauhauptgewerbe bekommen beruflich qualifizierte und erfahrene Fachkräfte – die sogenannten Ecklöhner – die höchsten Bruttomonatsgehälter, nämlich mehr als 3.000 Euro.

Die Mitarbeiter des Einzelhandels finden sich im Mittelfeld wieder, am wenigsten zahlt das Friseurhandwerk. Dort haben die Tarifparteien allerdings vor kurzem bundesweite Mindestlöhne vereinbart, die vor allem die Monatsentgelte für Friseure in Ostdeutschland kräftig steigen lassen werden.

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