Was bringt der Euro für Bulgarien?
Als 21. EU-Land hat Bulgarien den Euro eingeführt. Der bulgarische Lew war zwar schon lange an die Gemeinschaftswährung gekoppelt, dennoch fürchten viele Bulgaren, dass im Zuge der Währungsumstellung die Preise steigen.
- Seit dem 1. Januar 2026 ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel in Bulgarien. Damit gilt die Gemeinschaftswährung nun in 21 EU-Mitgliedsstaaten.
- Allerdings lehnt die Hälfte der Bevölkerung die Gemeinschaftswährung ab – in erster Linie, weil sie durch die Währungsumstellung Preissteigerungen fürchtet.
- Als Deutschland den Euro eingeführt hat, fiel die Inflationsrate in den drei darauffolgenden Jahren nur um durchschnittlich knapp 0,5 Prozentpunkte höher aus als in den drei Jahren zuvor.
Seit dem 1. Januar 2026 ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel in Bulgarien, doch bei Weitem nicht alle der 6,3 Millionen Einwohner freuen sich darüber. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lehnt laut einer Umfrage der EU-Kommission die Gemeinschaftswährung ab – in erster Linie, weil sie durch die Währungsumstellung Preissteigerungen fürchtet. Nach wochenlangen Massendemonstrationen gegen den ersten in Euro aufgestellten Haushaltsplan des Landes sowie gegen die Wirtschaftspolitik allgemein, trat die bulgarische Regierung Mitte Dezember zurück. Im März soll es Neuwahlen geben – die achten Parlamentswahlen innerhalb von fünf Jahren.
Die Einführung des Euros dürfte die bulgarischen Exporte beleben. Aktuell ist Deutschland mit großem Abstand Bulgariens wichtigster Handelspartner mit einem Anteil von rund 15 Prozent an den Ausfuhren und etwa 10 Prozent an den Einfuhren.
Was ist dran an der Sorge der Bevölkerung, der Euro könne die Inflation – im November 2025 lag die Teuerungsrate Bulgariens laut Berechnungen von Eurostat bei 3,7 Prozent – anheizen? Die Erfahrung zeigt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Als Deutschland den Euro eingeführt hat, fiel die Inflationsrate in den drei darauffolgenden Jahren nur um durchschnittlich knapp 0,5 Prozentpunkte höher aus als in den drei Jahren zuvor. Außerdem war die bulgarische Währung bereits seit 1997 an die deutsche Währung gekoppelt, seit 1999 an den Euro. Damit hat die bulgarische Währung seit fast 30 Jahren einen stabilen Wechselkurs.
Die bulgarischen Staatsfinanzen sind zudem solide und die Wirtschaft wächst (Grafik):
Im Jahr 2024 stieg das Bruttoinlandsprodukt in Bulgarien um real knapp 3 Prozent. 2025 dürfte es um rund 3 Prozent zugelegt haben und für 2026 sind die Prognosen ähnlich positiv.
Bulgariens Wirtschaft verfügt über eine starke metallurgische Industrie – produziert werden Kohle, Eisen, Kupfer und Blei. Allein im Bergbau – Bulgarien ist der viertgrößte Produzent von Braunkohle in der EU – arbeiten mehr als 120.000 Menschen. Die bulgarische Elektroindustrie hat sich zudem als Ausrüster von E-Bike-Produzenten etabliert.
Der dank der Euroeinführung verbesserte Zugang zum EU-Binnenmarkt dürfte die bulgarischen Exporte beleben. Aktuell ist Deutschland mit großem Abstand Bulgariens wichtigster Handelspartner mit einem Anteil von rund 15 Prozent an den Ausfuhren und etwa 10 Prozent an den Importen.
Kampf gegen Korruption ist eine der zentralen Aufgaben für Bulgarien
Zu den großen wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes gehört der Kohleausstieg und damit verbunden die Transformation hin zu einer klimaneutralen Energieversorgung. Auch politische Stabilisierung und der Kampf gegen die Korruption sind zentrale Aufgaben. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International landet Bulgarien vor Ungarn auf dem vorletzten Platz der EU-Mitgliedsstaaten.