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Wachstum trotz Widrigkeiten

Der kleine Staat im Nahen Osten ist ein Land voller Gegensätze und Probleme. Doch trotz aller Schwierigkeiten ist es den Israelis in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, auf dem unfruchtbaren Boden ein blühendes Wirtschaftswunder zu erschaffen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das israelische Wirtschaftswunder lässt sich vor allem auf die vielen Hochtechnologiefirmen und die starke Forschung – auch für den Rüstungssektor– zurückführen.
  • Da die arabischen Länder bis auf Ägypten und Jordanien keine Wirtschaftsbeziehungenzu Israel unterhalten, konzentriert sich der Außenhandel auf die USA, Asien und Europa.
  • Israel ist von der Schuldenkrise verschont geblieben, selbst 2009 konnte der Staat seine Schulden im Zaum halten.
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Nach der Ermordung dreier israel­ischer Jugendlicher und einem Racheakt an einem palästinensischen Jungen herrscht Krieg in Israel. Wieder einmal, muss man sagen, denn der jetzige Konflikt ist beileibe kein Einzelfall. Zwei Intifadas, zwei Libanonkriege, den Jom-Kippur-Krieg, den Sechstagekrieg, die Suezkrise und den Paläs­tinakrieg hat der noch junge Staat, gegründet 1948, bereits hinter sich.

Umso erstaunlicher ist es, dass Israels Wirtschaft dennoch prosperiert: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner lag 2013 umgerechnet bei 24.550 Euro – das ist mehr als in Italien. Zwischen 2008 und 2013 wuchs die israelische Wirtschaft im Schnitt um 3,8 Prozent pro Jahr, selbst im Krisenjahr 2009 stieg das BIP noch um 0,9 Prozent – ein Kunststück, das in Europa nur Polen gelang.

Das israelische Wirtschaftswunder lässt sich vor allem auf die vielen Hochtechnologiefirmen und die starke Forschung – auch für den Rüstungssektor– zurückführen. In den vergangenen beiden Jahrzehnten hat sich Israel neben den USA zum führenden Hightech-Land entwickelt (Grafik); der USB-Stick und der 3-D-Drucker beispielsweise sind israelische Erfindungen.

Daneben spielen nur noch die Chemie- und die Pharmabranche eine größere Rolle, andere Industriezweige sind selten vertreten. In vielen Branchen herrscht deshalb kaum Wettbewerb, was die Lebenshaltungskosten in die Höhe treibt.

Der stark gestiegene Preis für Hüttenkäse – ein in Israel sehr beliebtes Lebensmittel – war 2011 sogar der Auslöser einer Protestbewegung. Wochenlang demonstrierten Tausende Israelis in Tel Aviv für soziale Gerechtigkeit, insbesondere für bezahlbaren Wohnraum. Vor allem in und um Tel Aviv, Haifa und Jerusalem herrscht Wohnungsmangel: In diesen Regionen, die lediglich 14 Prozent der Landesfläche ausmachen, leben zwei Drittel der Israelis. Kein Wunder, dass Wohneigentum – Israelis sind überwiegend Käufer, selten Mieter – kaum zu bezahlen ist. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung muss man in Israel durchschnittlich zwölf Jahresgehälter aufbringen, in Deutschland sind es nur rund zwei.

Inzwischen hat die Regierung von Benjamin Netanjahu zwar dafür gesorgt, dass Baugenehmigungen schneller erteilt werden, und zudem Steuernachlässe beim Immobilienkauf beschlossen, doch zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt dürfte das wenig beitragen: Denn die Bevölkerung in Israel wächst rasant. Im Jahr 1990 gab es 4,8 Millionen Einwohner, inzwischen sind es mehr als 8 Millionen, bis 2035 dürften es 11,4 Millionen sein.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hat Israel diverse Einwanderungswellen erlebt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zum Beispiel kamen knapp 1 Million osteuropäische Juden ins Land. Zum anderen ist die Geburtenrate hoch: Frauen in Israel bekommen im Durchschnitt drei Kinder. Die hohe Geburtenrate ist auch ein Grund dafür, dass es so viele bedürftige Familien in Israel gibt. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung gilt als arm, meist handelt es sich um kinderreiche ultraorthodoxe und arabisch-israelische Familien mit nur einem Ernährer.

Israel ist ein kleines Land, ohne die besetzten Gebiete ist es etwa so groß wie Hessen. Da zudem 60 Prozent der Fläche aus Wüste bestehen, ist es seit der Staatsgründung ausdrückliches Ziel, diese Region zu entwickeln. Das ist den Israelis gelungen: Heute wird im Negev im großen Stil Landwirtschaft betrieben – und das trotz chronischen Wassermangels. Möglich machen dies leis­tungsfähige Meerwasserentsalzungsanlagen sowie ein ausgeklügeltes Bewässerungs- und Recycling­system.

Da die arabischen Länder bis auf Ägypten und Jordanien keine Wirtschaftsbeziehungen zu Israel unterhalten, konzentriert sich der Außenhandel auf die USA, Asien und Europa. China ist – nach den USA und vor Deutschland – der zweitgrößte Handelspartner. Neben Edelsteinen und Chemieprodukten exportiert Israel vor allem Hochtechnologie – von der App bis zur Aufklärungsdrohne. Lebensmittel machen nur 2 Prozent der Exporte aus.

Israel ist von der Schuldenkrise verschont geblieben, selbst 2009 konnte der Staat seine Schulden im Zaum halten. Das Haushaltsdefizit lag 2013 bei 4,3 Prozent, der Schuldenstand erreicht seit 2012 mit 68 Prozent der Wirtschaftsleistung den niedrigsten Stand seit 25 Jahren (Grafik). Sogar das Verteidigungsbudget wurde zusammengestrichen und liegt nun bei 6 Prozent des BIP, das ist der niedrigste Wert in der Geschichte Israels.

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