Zombie-Unternehmen Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Von Zinsen, Zombies und Zahlungsverpflichtungen

Im vergangenen Jahr mussten nur 25.995 Firmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten, im Krisenjahr 2009 war es noch ein Fünftel mehr. Doch die gute Nachricht hat auch eine Kehrseite: Dank der Niedrigzinsen überleben auch Firmen, die unter normalen Bedingungen nicht existieren könnten – sogenannte Zombie-Unternehmen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2013 mussten nur 25.995 Firmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten, im Krisenjahr 2009 war es noch ein Fünftel mehr.
  • Dank der Niedrigzinsen überleben auch Firmen, die unter normalen Bedingungen nicht existieren könnten – sogenannte Zombie-Unternehmen.
  • Während die Mitarbeiter und Kapitalgeber die Fortführung eines Zombie-Unternehmens in der Regel für wünschenswert halten, ist es aus marktwirtschaftlicher Sicht höchst problematisch.
Zur detaillierten Fassung

Die Windparkfirma Prokon ist ein typischer Fall für ein überschuldetes Unternehmen, dem es durch die Ausgabe hoch verzinster Risikopapiere gelang, die Geschäfte fortzuführen – zumindest bis zum Frühjahr 2014, als das Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Seitdem rätseln rund 75.000 Anleger, ob und wie viel von ihrem Geld noch zu retten ist.

Doch nicht nur renditehungrige Investoren halten solche Zombie-Unternehmen am Leben, auch Banken mischen mit: Schließlich bekommen sie momentan fast kostenlos Geld von der Zentralbank, das sie angeschlagenen Firmenkunden leihen können, um deren Pleite zu verhindern. Erwünschter Nebeneffekt: Die bislang aufgelaufenen Kredite dieser Firmen müssen aufgrund des abgewendeten Konkurses nicht abgeschrieben werden.

Nicht zuletzt ist wohl wegen solch zweifelhafter Praktiken der Anteil der Unternehmen in Deutschland, die Schwierigkeiten haben, einen Kredit zu bekommen, laut ifo Institut mit derzeit 18 Prozent auf einen Tiefststand gesunken.

Während die Mitarbeiter und Kapitalgeber die Fortführung eines Zombie-Unternehmens in der Regel für wünschenswert halten, ist es aus marktwirtschaftlicher Sicht höchst problematisch, Ressourcen derart fehlzuleiten: Denn so können sich schwache Firmen Preiskämpfe mit starken Wettbewerbern liefern – und am Ende selbst gesunde Betriebe gefährden. Vor allem junge Wachstumsunternehmen kann das die Existenz kosten. Letzten Endes wirkt der niedrige Zins also wie eine Subvention, die den fairen Wettbewerb aushebelt.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schätzt, dass derzeit immerhin 7,5 Prozent der knapp 3,7 Millionen Unternehmen in Deutschland ein zu geringes Eigenkapital haben und/oder ihren Zahlungsverpflichtungen nur verzögert nachkommen können. Tatsächlich geht aber nur ein Zehntel dieser Firmen pleite (Grafik). Mehr als 90 Prozent der Insolvenzen betreffen übrigens Kleinbetriebe.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de