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Von Revolverdrehern und Eismachern

Die meisten Auszubildenden erlernen ihren Beruf innerhalb von drei oder dreieinhalb Jahren. Doch es geht auch schneller, nämlich in einem zweijährigen Ausbildungsberuf. Viele „Turboausbildungen“ eignen sich vor allem für solche Kandidaten, die lieber praktische Erfahrungen sammeln, als viel Theorie zu pauken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die meisten Auszubildenden erlernen ihren Beruf innerhalb von drei oder dreieinhalb Jahren.
  • Doch es geht auch schneller, nämlich in einem zweijährigen Ausbildungsberuf.
  • Viele „Turboausbildungen“ eignen sich vor allem für solche Kandidaten, die lieber praktische Erfahrungen sammeln, als viel Theorie zu pauken.
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In Deutschland gibt es insgesamt 40 anerkannte Berufe mit zweijähriger Ausbildungsdauer, darunter viele spannende und interessante, manchmal gar geheimnisvolle. Zu den Berufen mit erhöhtem Aufmerksamkeitsfaktor zählen sicherlich der Speiseeishersteller, der Revolverdreher und der Modenäher. Doch die Mehrheit der Jugendlichen, die eine zweijährige Lehre absolvieren, entscheidet sich für eher konventionelle Tätigkeiten (Grafik):

Mit fast 27.700 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen begann mehr als die Hälfte der jungen Leute, die 2011 in eine zweijährige Lehre starteten, eine Lehre als Verkäufer.

An zweiter Stelle steht der Fachlagerist, für den sich im Jahr 2011 rund 11 Prozent der Azubis entschieden, die eine zweijährige Ausbildung machen; knapp 6 Prozent lernen Maschinen- und Anlagenführer – ein Beruf, der erst seit 2004 existiert.

Von den seit 2006 in Deutschland neu eingeführten 17 Berufsausbildungen sind sechs zweijährig. Zu den bekanntesten dürfte die Ausbildung zum Industrieelektriker zählen, die es seit 2009 gibt. Damals begannen gerade mal 80 Jugendliche diese Ausbildung, 2011 waren es bereits 410.

Der Anteil der zweijährigen Ausbildungen an allen neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen beträgt seit ein paar Jahren konstant 9 Prozent. Die Sorge, die „Turboausbildungen“ würden die dreijährigen Ausbildungsberufe verdrängen, ist also unberechtigt. Vielmehr ermöglichen zweijährige Ausbildungen vielen Jugendlichen mit geringen schulischen Qualifikationen erst einen Einstieg ins Arbeitsleben, nicht zuletzt, weil der Theorieanteil geringer ist als in den meisten dreijährigen Ausbildungsgängen.

Das kommt vor allem den Hauptschülern entgegen:

Während in den drei- und dreieinhalbjährigen Ausbildungen 2009 knapp 30 Prozent der neuen Azubis einen Hauptschulabschluss hatten, waren es in den zweijährigen Ausbildungen mehr als doppelt so viele.

Die kurze Lehre steht auch vergleichsweise vielen Schulabbrechern offen: 2009 hatten nahezu 7 Prozent der Jugendlichen, die einen zweijährigen Ausbildungsvertrag unterschrieben, keinen Schulabschluss; besonders hoch war ihr Anteil bei den Azubis zum Bauten- und Objektbeschichter (24 Prozent) sowie bei den Metallschleifern (20 Prozent). Einen drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsvertrag zu ergattern, fiel den benachteiligten Jugendlichen dagegen schwer: 2 Prozent der Azubis, die 2009 in eine länger laufende Lehre starteten, hatten keinen Schulabschluss.

Die kurzen Ausbildungsgänge motivieren übrigens auch die Unternehmen. Laut dem jüngsten Qualifizierungsmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hält fast die Hälfte der befragten Betriebe die Einführung von Ausbildungsberufen mit reduziertem Theorieanteil für bestimmte Zielgruppen für sinnvoll. Jedes zweite dieser Unternehmen kann sich vorstellen, im Rahmen zweijähriger Ausbildungsberufe mehr Jugendliche mit Förderbedarf zu qualifizieren.

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