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Von engagiert bis abwartend

Private Unternehmen und die öffentliche Hand haben zuletzt eher zurückhaltend in neue Maschinen, Gebäude und andere Anlagen investiert. Die Entwicklung in den einzelnen Sparten war allerdings recht unterschiedlich. Vor allem bei den Fahrzeuginvestitionen gab es zum Teil starke Schwankungen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Private Unternehmen und die öffentliche Hand haben zuletzt eher zurückhaltend in neue Maschinen, Gebäude und andere Anlagen investiert.
  • Nur wenn genügend neue, moderne Fertigungskapazitäten entstehen, kann die deutsche Wirtschaft wachsen und neue Arbeitsplätze schaffen.
  • Maschinen und Geräte machten im vergangenen Jahr 73 Prozent aller Ausrüstungsinvestitionen aus.
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Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat erst kürzlich gemahnt, Deutschland müsse mehr investieren, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Zwar hatten die IWF-Experten dabei vor allem staatliche Investitionen in die Infrastruktur im Blick. Doch der Zusammenhang gilt auch für die privaten Unternehmen: Nur wenn genügend neue, moderne Fertigungskapazitäten entstehen, kann die deutsche Wirtschaft wachsen und neue Arbeitsplätze schaffen.

Tatsächlich ist die Investitions­dynamik in Deutschland derzeit nicht allzu stark. Nachdem die staatlichen und privaten Anlageinvesti­tionen 2013 sogar leicht zurückgegangen sind, ist 2014 laut IW-Prognose zwar ein Plus von 3 ½ Prozent drin. Doch schon 2015 wachsen die Anlageinvestitionen voraussichtlich wieder langsamer.

Solche zusammenfassenden Zahlen lassen allerdings leicht vergessen, wie vielschichtig der Investitions­begriff ist. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Trends in den einzelnen Teilbereichen, wie ein Blick auf die zurückliegenden Jahre verdeutlicht (Grafik):

Ausrüstungsinvestitionen. Mit 176 Milliarden Euro entfiel 2013 knapp ein Drittel aller Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland auf Aus­rüstungen. Dieser Bereich lässt sich nochmals unterteilen:

Maschinen und Geräte machten im vergangenen Jahr 73 Prozent aller Ausrüstungsinvestitionen aus.

Hier gab es über die vergangenen drei Jahre hinweg nur geringe reale Zuwächse – vor allem weil die deutschen Unternehmen angesichts der noch immer nicht überwundenen Staatsschuldenkrise in Europa und wegen der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und im Nahen Osten verunsichert sind.

Daneben umfasst die Kategorie der Ausrüstungen vor allem die Käufe von Fahrzeugen durch Firmen und die öffentliche Hand. In diesem Bereich war zwischen dem vierten Quartal 2010 und dem ersten Quartal 2013 sogar ein realer Rückgang um 23 Prozent zu verzeichnen. Doch auch hier gilt es zu differenzieren (Grafik): 

Die Investitionen in gewerblich genutzte Kraftfahrzeuge – also Firmenwagen und Lkws – waren 2013 etwa 10 Prozent höher als im Jahr 2010. Bei Schiffen, Lokomotiven, Flug­zeugen und sonstigen Fahrzeugen gab es dagegen ein Minus von 57 Prozent.

Die Inves­titionen deutscher Reeder in neue Schiffe zum Beispiel sanken – nach einem siebenjährigen Aufschwung – von 10,6 Milliarden Euro 2010 auf nur noch 2,4 Milliarden Euro drei Jahre später. Hier machte sich die globale Finanz- und Wirtschaftskrise erst mit Verzögerung bemerkbar, weil zwischen der Bestellung eines Frachtschiffs und dessen Auslieferung und Bezahlung im Schnitt rund zwei Jahre liegen. Inzwischen ordern die Reeder jedoch wieder mehr, weil die hohen Treibstoffkosten den Trend zu neuen, größeren Schiffen vorantreiben.

Bauinvestitionen. Die realen Inves­titionen in Wohn- und Geschäfts­gebäude summierten sich im vergangenen Jahr auf 279 Milliarden Euro. Gegenüber dem Tiefpunkt von 2009 bedeutete das einen realen Zuwachs von mehr als 12 Prozent. Im Jahr 2013 schrumpfte der Gewerbebau allerdings preisbereinigt um 1,8 Prozent – offenbar hielten sich die Unter­nehmen bei der Errichtung neuer Werkhallen ebenso zurück wie beim Kauf von Maschinen.

Im Wohnungsbau gab es 2013 mit 0,6 Prozent zwar ein kleineres Plus als in den vorherigen beiden Jahren – am grundsätzlichen Aufwärtstrend dieser Sparte dürfte sich allerdings vorerst nichts ändern. Denn die Einkommen der Bundesbürger steigen weiter und die Finanzierungs­bedingungen für Häuslebauer bleiben günstig.

Sonstige Investitionen. In diesem Bereich ging es in den vergangenen Jahren relativ stetig bergauf. Ein Grund dürfte sein, dass die hier enthaltenen Investitionen in Software eher dem langfristigen technischen Fortschritt als kurzfristigen Konjunkturtrends folgen. Und auch die Forschungs- und Entwicklungsausgaben, die erst seit kurzem als Investitionen erfasst werden, haben einen recht langen Zeithorizont.

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