Lohnstückkosten Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Von Dumping keine Spur

Der deutschen Wirtschaft wird vom Ausland immer wieder Lohndumping vorgeworfen. Der Blick auf die Lohnstückkosten belegt jedoch eher das Gegenteil: Nur drei weitere Industrieländer haben noch höhere Kosten als Deutschland.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bruttowertschöpfung je Arbeitsstunde ist in der deutschen Industrie um 17 Prozent höher als im Durchschnitt der Konkurrenzländer.
  • Dennoch weist die deutsche Industrie im internationalen Vergleich das vierthöchste Lohnstückkostenniveau auf – nur in Großbritannien, Italien und Norwegen sind die Arbeitskosten in Relation zur Wirtschaftsleistung noch höher als in Deutschland.
  • Von 1991 bis 2013 sind die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie um insgesamt 12 Prozent gestiegen, im Ausland dagegen um 6 Prozent gesunken.
Zur detaillierten Fassung

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindest­lohn. Ein Argument für dessen Einführung war, dass die Löhne in den vergangenen Jahren für viele Arbeitnehmer unter Druck geraten seien. Ob die neue Lohnuntergrenze am Ende aber nicht zu Jobverlusten führt, bleibt abzuwarten.

Unabhängig davon behaupten ausländische Politiker schon seit längerem, die deutsche Wirtschaft drücke die Löhne generell nach unten. Würde Deutschland tatsächlich Lohndumping betreiben, müsste sich dies in einem vergleichsweise niedrigen Lohnniveau widerspiegeln. Fakt ist aber, dass die industriellen Arbeitskosten hierzulande höher sind als in den allermeisten Konkurrenzländern (vgl. iwd 49/2014).

Dagegen ließe sich einwenden, dass die deutsche Industrie besonders produktiv sei und sich daher hohe Löhne leisten könne. In der Tat ist die Bruttowertschöpfung je Arbeitsstunde hierzulande um 17 Prozent höher als im Durchschnitt der Konkurrenzländer; von den großen Industrienationen haben nur die USA eine höhere Produktivität als Deutschland (Grafik).

Dennoch reicht die überdurchschnittliche Produktivität nicht aus, um den heimischen Kostennachteil wettzumachen. Der Beleg:

Die deutsche Industrie weist im internationalen Vergleich das vierthöchste Lohnstückkostenniveau auf. Nur in Großbritannien, Italien und Norwegen sind die Arbeitskosten in Relation zur Wirtschaftsleistung noch höher als in Deutschland.

Das Ausland produziert zu Lohnstückkosten, die im Schnitt um 10 Prozent unter den deutschen liegen.

Zwar sind zweifellos auch die international unterschiedlichen Branchenstrukturen und Produktionsweisen zu berücksichtigen. So liefert der deutsche Maschinenbau seinen Kunden bekanntermaßen maßgeschneiderte Produkte – und das verlangt nun einmal einen besonders hohen Arbeitseinsatz, sprich hohe Kosten.

Doch auch die langfristige Entwicklung der Lohnstückkosten spricht gegen ein vermeintliches Lohndumping:

Von 1991 bis 2013 sind die Lohnstückkosten in der deutschen Industrie um insgesamt 12 Prozent gestiegen, im Ausland dagegen um 6 Prozent gesunken.

Rechnet man Wechselkurseinflüsse heraus, kam das Ausland sogar auf einen Rückgang von 8 Prozent. Auch in jüngster Zeit haben sich die Lohnstückkosten in Deutschland schlechter entwickelt als in den konkurrierenden Ländern (vgl. iwd 51-52/2014).

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